Die Zitrone überwintern – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wie Ihr die Zitrone überwintern könnt, ist eine wichtige Frage für das Gedeihen Eures Zitronenbaums. Mit der Überwinterung von Zitruspflanzen beschäftige ich mich seit vielen Jahren und möchte hier von meinen Erfahrungen berichten. Ihr erfahrt etwas über die Grundlagen der Überwinterung, wann, wo und in einer Schritt-für-Schritt Anleitung wie Ihr Eure Zitrone überwintern könnt.  

Zitrone überwintern

Weltberühmt: die Zitronengewächshäuser, so genannte Limonaia, am Gardasee

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Zitrone überwintern – Problem und Lösung

Das Problem ist schnell beschrieben: Zitronenbäume sind nicht winterhart, die Frosthärte beim Zitronenbaum beträgt nur -2° C, dann schon setzt die Schädigung von Blüten, Knospen und jungen Blättern ein. Wird es noch kälter, leiden alte Blätter, dann Zweige, schließlich Stamm und Äste.

Die Lösung klingt einfach, erfordert im Detail aber etwas Fingerspitzengefühl. Wenn Ihr die Zitrone überwintern wollt, müsst Ihr sie vor Frost schützen. Das geht nur in einem geschlossenen Raum, der aber besondere Bedingungen haben muss. Ein Zitronenbaum kann leider nicht in der Wohnung gehalten werden. In einem geeigneten Winterquartier -und hier kommt das Fingerspitzengefühl ins Spiel- müssen Licht- und Temperaturverhältnisse herrschen, mit denen die Zitrone zurecht kommt.

Zitrone überwintern

Im Winter bei kühleren Temperaturen reifen die Zitronen heran.

Licht ist nicht gleich Licht

Zitronen sind wie andere Zitruspflanzen sehr lichthungrig. Das ist einfach erklärt, denn sie stammen aus den Subtropen, wo die Sonneneinstrahlung intensiver ist als nördlich der Alpen. An dieses Licht haben sich die Zitronenbäume in der Evolution angepasst. Wenn Ihr schon einmal in den Subtropen wart, werdet Ihr die Lichtintensität bemerkt haben. Aber auch ohne eine solche Reise dürftet Ihr ahnen, dass das schwache, diffuse Licht an bewölkten mitteleuropäischen Wintertagen wenig gemeinsam hat mit der intensiven Sonne in den Subtropen. Im Sommer reicht das Licht bei uns für die Zitrone aus, im Winter aber wird es dann schon schwieriger, wenn man die Zitrone überwintern will.

Auf die Temperatur kommt es an

Nun kommt die Temperatur in der Überwinterung ins Spiel, denn über sie lässt sich geringes Licht ausgleichen. Eine jahrhundertlang in den Orangerien Europas erprobte Lösung für das Lichtproblem ist, die Zitrone kühl zu überwintern. Die Orangerien haben große nach Süden ausgerichtete Fenster hinter die die Zitronen und Orangen gestellt werden. Die Temperatur wurde und wird auf nur wenige Grad über 0 geheizt.

Bei diesen Temperaturen, die zwischen 5° C und 10° C liegen, kommt die Zitrone mit dem geringen Tageslicht gut zurecht. Sie ist in der Winterruhe, die Photosynthese und der Stoffwechsel ist reduziert oder eingestellt, so dass die geringe Lichtintensität keine große Rolle spielt.

Zitrone überwintern

Eine junge Zitrone an einem kühlen Morgen im Herbst.

Die Rolle des Sonnenstands im Winter

Spannend bei der Überwinterung ist der Verlauf der Sonne im Winter. Bis zur Wintersonnenwende Ende Dezember wird es immer dunkler, danach nimmt das Licht wieder zu. Um das ideale Temperatur-Licht-Verhältnis zu treffen, muss man also bei abnehmendem Licht die Temperatur drosseln, bei zunehmenden Licht die Temperatur wieder erhöhen. Das klingt kompliziert und ist es auch. Die Lösung für dieses Problem ist im frühen Winter, die Zitrone so lange wie möglich draußen zu lassen. Hier gehen Temperatur und Licht im Gleichklang zurück. Dann wird sie Mitte oder Ende November in das Winterquartier geräumt, wo die Zitrone in der Winterruhe schlummert. Ab Ende Januar oder Anfang Februar muss man die Zitrone im kühlen Winterquartier vor der stärker werden Sonne schützen. Ansonsten würden die Blätter erwärmt, während die Wurzeln noch kalt sind. Auch das führt zum Hauptproblem in der Überwinterung, dem Blattfall.

Leise rieseln die Blätter – hoffentlich nicht!

Zitronenbäume sind immergrüne Pflanzen, denn es gibt in den Subtropen keinen Anlass, regelmäßig das Laub abzuwerfen. Ab und zu wird mal ein altes Blatt abgeworfen, aber das ist auch schon alles. Nur wenn Temperatur und Licht nicht zusammen passen, rieseln die Blätter. Das ist schlecht, denn die Zitrone hat wenig Zeit, wieder komplett auszutreiben und das Laub zu erneuern.

Im späten Herbst und frühen Winter kommt es nach meiner nunmehr fast zehnjährigen Erfahrungen und vielen Beratungsgesprächen mit Zitronenbesitzern zum Blattfall, wenn die Temperatur in der Überwinterung höher als 12° C ist, die Beleuchtung mit Tages- oder Kunstlicht aber gering ist. Diese Situation ist typisch für eine Überwinterung in beheizten Wohnräumen mit für uns Menschen normalen Lichtverhältnissen.

Eine umgekehrte Situation kann sich bei einem kühlen und damit eigentlich idealen Winterquartier ergeben. Die Blätter werden im späten Winter von der bereits stärkeren Sonne erwärmt, während die Wurzeln noch kalt sind. Auch hier funktioniert der Stoffwechsel der Zitrone nicht richtig und Blätter fallen.

In beiden Fällen -zu dunkel & zu warm und zu hell & zu kalt- funktioniert das Wechselspiel zwischen Photosynthese, Atmung und Verdunstung nur einseitig. Ist es zu warm und zu dunkel, fehlt das Licht für die Photosynthese, während das Ausatmen von CO2 aufgrund der hohen Temperatur weiterläuft. Im anderen Fall -zu hell & zu kühl- beginnt die Photosynthese, die Blätter können aber kein Wasser liefern, da sie noch kühl sind. In beiden Fällen sind die Blätter Ort des Geschehens. Als regulativ wirft die Pflanze sie einfach ab.

Doch keine Angst, es gibt Lösungen für dieses Problem. Diese liegen darin, dass Ihr die Überwinterung so gestaltet, dass das Temperatur-Lichtverhältnis stets passend ist. Die Anpassung der Überwinterung könnt Ihr über den Zeitraum, das Winterquartier und Pflegemaßnahmen während des Winters erreichen.

Zitrone überwintern

Bevor es frostig wird, sollte man die Zitrone überwintern.

Wann Ihr die Zitrone überwintern müsst

Der Zeitraum der Überwinterung hängt von der Region ab, in der Ihr die Zitrone überwintern müsst, und vom Verlauf der Witterung im Herbst und im Frühjahr. Den deutschsprachigen Raum kann man in Bezug auf das Winterklima etwa in folgende Bereiche einteilen:

  • milde Gebiete entlang der Flusstäler vor allem im Westen und Südwesten
  • milde bis kalte Gebiete in der Mitte und im Norden
  • kalte Gebiete im Osten, Südosten und in den Hochlagen.

Je kälter eine Region, desto früher wird Frost wahrscheinlich, umso früher solltet Ihr Eure Zitrone reinholen und im Winterquartier schützen. Folgende Erfahrungswerte kann man für das Einwintern der Zitrone geben:

  • milde Gebiete: ab Mitte November
  • milde bis kalte Gebiete: ab Anfang November
  • kalte Gebiete: ab Mitte bis Ende Oktober.

Eine ähnliche Aufstellung mit Erfahrungswerten gibt es natürlich auch für das Auswintern:

  • milde Gebiete: ab Anfang April
  • milde bis kalte Gebiete: ab Mitte April
  • kalte Gebiete: ab Ende April bzw. Anfang Mai.

Die „Eisheiligen“, die vom 11. bis 15. Mai liegen und den letzten Frost bringen sollen, spielen nach meiner Erfahrungen in den allermeisten Gebieten keine Rolle mehr. Allerdings sind die hier vorgestellten Werte nur Orientierungswerte. Ihr solltet in den angegebenen Zeiträumen stets die Wettervorhersage im Auge behalten, um frühe oder späte Fröste berücksichtigen zu können. Bedenkt dabei, dass eine unvorhergesehene Frostnacht ausreicht, um Eure Zitrone zu schädigen.

Zitrone überwintern

Ideal für die Überwinterung ist ein Gewächshaus mit viel Licht.

Wo Ihr die Zitrone überwintern könnt

Neben Beginn und Ende der Überwinterung ist natürlich das Winterquartier entscheidend. Geeignete und in der Praxis bewährte Quartiere sind:

  • Kalt-Wintergarten mit Frostwächter*
  • Gewächshaus mit Frostwächter
  • fachlich versierter Überwinterungsservice (bitte nach Referenzen fragen)
  • Überwinterungszelt* mit Frostwächter
  • Garage mit Fenster und/oder Pflanzenbeleuchtung*
  • unbeheiztes Treppenhaus
  • unbeheizte, aber frostfreie Nebengebäude mit Tageslichtquelle wie Schuppen, Stallungen oder ein Gartenhaus.

Natürlich gibt es auch ungeeignete Winterquartiere. Das betrifft vor allem beheizte Wohn- oder Büroräume und alle unbeleuchteten, aber dennoch warmen Räume. Die Zitrone warm im Wohnzimmer oder in der Wohnung zu überwintern, ist leider nicht möglich. Auch ist es überhaupt keine gute Idee, den Zitronenbaum im dunklen Keller zu überwintern.

Wie Ihr die Zitrone überwintert – eine Anleitung Schritt-für-Schritt

Wenn Ihr zum ersten Mal die Zitrone überwintern wollt, dürfte Euch folgende Anleitung helfen:

  1. Im Spätsommer solltet Ihr recherchieren, wie kalt in Eurer Region die Winter werden
  2. dann solltet Ihr nach einem geeignetem Winterquartier suchen
  3. Für das Winterquartier solltet Ihr ein Thermometer besorgen
  4. Bei einigen Winterquartieren (s.o.) benötigt Ihr auch noch einen Frostwächter
  5. In der Übergangsphase im Herbst solltet Ihr die Zitrone vor Herbststürmen geschützt draußen lassen
  6. Je nach Kältegrad Eurer Region beginnt die Überwinterung im frühen, mittleren oder späten Spätherbst
  7. In den ersten Wochen der Überwinterung solltet Ihr regelmäßig nachsehen, ob es Eurer Zitrone gut geht.
  8. Beginnt Blattfall, hat die Zitrone zu wenig Licht
  9. Dann stellt Ihr sie entweder näher an das Fenster, versucht die Temperatur zu reduzieren oder setzt eine Energie-Pflanzenlampe* oder LED-Pflanzenlampe* ein. Allerdings müsst Ihr damit rechnen, dass sich Blattfall kurzfristig nur schwer stoppen lässt. Am besten wirkt das Reduzieren der Temperatur.
  10. Während der Überwinterung solltet Ihr ca. einmal in der Woche nach Schädlingsbefall schauen.
  11. Gießen müsst Ihr den Zitronenbaum im kühlen Winterquartier in der Regel nicht. Maximal einmal in zwei Monaten braucht die Zitrone Wasser.
  12. Im Februar oder März könnt Ihr den Zitronenbaum schneiden und umtopfen.
  13. Ab Februar müsst Ihr darauf achten, dass die Blätter durch die stärker werdende Sonne nicht gewärmt werden, während die Wurzeln noch kalt sind. Unter Umständen müsst Ihr die Zitrone in den Halbschatten stellen.
  14. Je nach Region könnt Ihr die Überwinterung im Zeitraum von Anfang April bis Anfang Mai beenden.
  15. Achtet bei der Auswinterung darauf, dass die Zitrone keinen Sonnenbrand bekommt. Ideal sind bewölkte Tage.
  16. Sollten nach der Auswinterung einzelne Fröste auftreten, könnt Ihr den Zitronenbaum in einzelnen Nächten mit einer Decke schützen.

Die Pflege der Zitrone im Winter und Sommer

Auch wenn meine Anleitung umfangreich aussieht: soviel Arbeit ist es nicht, wenn ihr die Zitrone überwintern wollt. Ihr müsst bedenken, dass Ihr für die 16 Schritte ca. fünf Monate Zeit habt.

Nach einer erfolgreichen Überwinterung macht es natürlich sehr viel Spaß, den Zitronenbaum auf der Terrasse bewundern zu dürfen. In der Terrassenzeit vom Frühjahr bis zum Herbst fallen folgende Pflegemaßnahmen an:

Den Zitronenbaum gießen

Der Zitronenbaum sollte nur dann gegossen werden, wenn die obere Hälfte der Erde abgetrocknet ist. Das findet Ihr mit einem Feuchtigkeitsmesser* oder mit der Fingerprobe heraus. Ihr bohrt also ein Loch in die Erde, um die Feuchtigkeit zu prüfen. Als Gießwasser dürft Ihr übrigens Leitungswasser verwenden. Dass Zitronen kein Kalk vertragen, ist durch eine wissenschaftliche Untersuchung wiederlegt worden.

Die Zitrone richtig düngen

Wenn Eure Zitrone nach einem ruhigen und stressfreien Winter wieder wachsen soll, braucht sie ab April eine regelmäßige, in der Regel wöchentliche Düngung. Da sie wie alle Kübelpflanzen im Topf zu wenig organische Nährstoffe erhält, ist sie auf eine effektive Nährstoffzufuhr angewiesen. Am Besten nehmt Ihr dazu einen Zitrusdünger wie Plantas Zitruszauber, der sich bei vielen Zitronenhaltern bewährt hat. Die Dünger kann bis in den September oder gar Oktober andauern, wenn Ihr feststellt, dass Eure Zitrone dann weiter wächst. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Ist es schon früh kälter und feucht, wächst die Zitrone draußen auch nicht mehr und benötigt auch keinen Dünger.

Den Zitronenbaum umtopfen

Wenn Euer Zitronenbaum gut wächst, braucht er von Zeit zu Zeit neue Erde und -wenn er noch größer werden soll- auch einen neuen Topf. Im frühen Februar ist die ideale Zeit dafür. Ihr nehmt einen um etwa vier Zentimeter im Durchmesser größeren Topf und bringt in das untere Drittel eine Drainage ein. Dabei werden zunächst die Abflusslöcher mit gewölbten Tonscherben belegt, damit sie nicht verstopfen. Anschließend kommt ein Gemisch aus Erde und Kies, Schotter oder Poroton in den Topf. Die Erde ist auch ein Gemisch und zwar zu ca. 85% aus Pflanzerde, zu 15% aus (Quarz-)Sand, auch eine Handvoll Hornspäne könnt Ihr für die langfristige Versorgung untermischen.

Dann nehmt Ihr den Wurzelballen aus dem alten Topf und rauht die Feinwurzeln etwas auf. Das hilft der Zitrone beim Anwurzeln. Dann setzt Ihr den Wurzelballen in den Topf ein und richtet ihn aus, damit er gerade steht. Anschließend füllt Ihr das Erd-Sand-Gemisch ein und drückt es fest an. Zum Schluss wird die Zitrone kurz und kräftig angegossen, damit sie in der feuchten Erde anwurzeln kann.

Der perfekte Standort für den Zitronenbaum

In der Terrassensaison sollte die Zitrone vollsonnig und warm stehen. Es kommt darauf an, dass das Laub direktes Sonnenlicht bekommt. Manchmal haben wir von einem Platz auf Balkon und Terrasse einen sonnigen Eindruck, tatsächlich steht gerade eine kleine Pflanze eher im Schatten anderer Pflanzen, Geländer oder Möbel. Achtet also auf die direkte Sonne.

Weitere Beiträge in meinem Blog behandeln ua. folgende Überwinterungsfragen:

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.