Die Vases d’Anduze – und andere edle Pflanzgefäße

Die Vases d’Anduze sind für viele das Nonplusultra, wenn es um Pflanzgefäße für Zitruspflanzen geht. Daher möchte ich in diesem Beitrag diese und andere edle Pflanzgefäße für Zitrus- und Kübelpflanzen vorstellen. Dabei zeige ich auch, worauf es bei der Auswahl des Pflanzgefäßes ankommt. Das Motto ist: Eine schöne Pflanze braucht nicht nur einen funktionalen, sondern auch einen schönen Topf! 

Vases d'Anduze

Auf das Töpferhandwerk versteht man sich in Anduze.

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Die Vases d’Anduze – die Töpfe der Könige

Das kleine Örtchen Anduze gilt als Tor zu den Cervennen, dem urtümlichen Mittelgebirge im südlichen Zentrum Frankreichs. Hier verbindet der Fluß Gardon das südliche Flair von Provence und Languedoc mit der zum Teil unberührten Natur der Cervennen. In der Abgeschiedenheit dieses Ortes hat sich schon früh aufgrund reichlicher Tonvorkommen ein Töpfereigewerbe entwickelt, das die französischen Orangerien mit den berühmten Vases d’Anduze versorgt hat und immer noch versorgt.

Vases d'Anduze

Edel und vielfältig bunt – die Vasen von Anduze in Frankreich

Der Anduzer Legende nach ließ sich ein Töpfer der Familie Boisset auf einem Töpfermarkt in Beaucaire zur Kreation der Anduzer Töpfe inspirieren. Diese haben eine sehr typische Form. Sie ist bauchig, aber dennoch elegant hoch. An den Seiten verzieren 3 Wappenschilder die Töpfe. Diese werden durch elegante Blumengirlanden verbunden. Zwei horizontale Streifen rahmen Wappen und Girlanden ein und geben der Vase zusätzlich einen edlen Ausdruck. Typisch ist auch der Fuß, der der Vase trotz der sich nach unten verschlankenden Form einen festen Stand gibt. Besonders typisch und auch ungewöhnlich ist aber sicherlich die Glasur, die in Grün, Braun oder Gelb durchgeführt wird. Sie ermöglicht nicht nur schöne Farbkombinationen sondern erhöht gleichzeitig die Lebensdauer der Kübel.

Vases d'Anduze

Auch für formal geschnittene Pflanzen wie hier Eiben sind die Vases d’Anduze geeignet.

Die Vases d’Anduzes findet man in vielen französischen Orangerien und öffentlichen Parks. Die größte Sammlung hat es bereits im Barock im Park von Versailles gegeben. Hier dienten die Vasen dem Sonnenkönig Ludwig XIV. als königliche Töpfe für seine überaus beeindruckende Sammlung wertvoller Orangenbäume. Mit dem Ende der Orangeriekultur im 19. Jahrhundert und mit der Erschöpfung der Tonvorkommen gerieten die Anduzer Töpfereien allerdings zunächst in die Krise. Doch glücklicher Weise konnten sich einige Betriebe erhalten und erholen. So ist auch heute noch ein Ziel für eine Reise in die Cervennen eine der schönen Töpfereien mit ihren herrlichen Vases d’Anduze. Hier findet ihr eine Übersicht der Töpfereien in Anduze.

Vases d'Anduze

Jeder Topf trägt die Signatur der Töpferei, in dem Fall „La Madeleine“. 

Quadratisch, praktisch, gut – der Versailler Kübel

Bei unserer Reise durch die Welt der schönsten und beliebtesten Pflanzgefäße für Zitrus- und Kübelpflanzen bleiben wir in Frankreich. Dort wurde ein Problem gelöst, das viele vom Umtopfen sehr großer Pflanzen kennen. Wie soll man eine große Pflanze aus dem Topf bekommen? Dieses Problem löst der Versailler Kübel. Das würfelförmige Pflanzgefäß besteht aus einem Metallrahmen, in den vier Seitenwände und eine Bodenplatte eingelegt werden. Will man nun eine sehr große Pflanze umtopfen, kann eine Seitenwand herausgenommen werden. Nun lässt sich der Wurzelballen bequem seitlich rausschieben. Dann kann man ihn ein wenig verkleinern, um ihn anschließend mit etwas neuer Erde wieder in den Versailler Kübel einzusetzen. Oder man setzt ihn in ein größeres Exemplar.

Vases d'Anduze

Eine Phoenixpalme in einem Versailler Kübel im Palmengarten von Frankfurt

Neben der Lösung für das Problem beim Umtopfen sehr großer Pfanzen ist auch die Lebensdauer ein Argument für die Versailler Kübel: wenn die Seitenwände oder die Bodenplatte morsch werden, können sie problemlos durch neue Bretter ersetzt werden.

Der Traum der Toskana – Terracotta

Damit die Übersicht nicht zu einseitig wird, darf in der Aufzählung edler Gefäße der „Platzhirsch“ nicht fehlen. Edle Terracottatöpfe haben nicht nur die längste Tradition, sondern sind für viele auch der einzig wahre Topf für Zitrone- und Orangenbäume. Tradition und Beliebtheit machen sich auch in der Formenvielfalt bemerkbar. Terracotta-Töpfe gibt es als Vasen, als Amphoren, als Pflanzkästen und natürlich auch in modernen Formen. Hauptort für Terracotta in Italien ist Impruneta bei Florenz. Der Ton in der Umgebung von Impruneta hat besonders hohe Metallanteile, so dass die aus Impruneta-Ton gebrannte Terracotta nach Angaben der Hersteller frostbeständig ist. 

Vases d'Anduze

Edle Terracotta verbreitet mit schlichtem, aber edlem Aussehen ein herrliches italienisches Flair.

Neben den Pflanzgefäßen in zahlreichen Variationen werden auch Dekorelemente wie Pinienzapfen sowie Büsten und Statuen produziert. Besonders gut gefallen mir Statuen im Stil der Renaissance, da diese von einer besonderen Klarheit und Schönheit geprägt sind.

Der richtige Topf für Zitrus- und Kübelpflanzen

Nicht nur bei diesen drei prominenten Vertretern klassischer Pflanzgefäße hat man die Qual der Wahl. Darum dürfte hilfreich sein, worauf es beim Kauf und bei der Auswahl von Töpfen für Kübelpflanzen vor allem ankommt.

Die Funktionalität

Töpfe für Kübelpflanzen müssen vor allem gut funktionieren. Sie müssen also in erster Linie den Anforderungen der Pflanzen, aber auch denen der Gärtner genügen. Die Pflanzen brauchen vor allem ein Abflussloch oder eine Abflussmöglichkeit. Weiter müssen Sie eine gute Standfestigkeit haben. Günstig ist auch, wenn die Pflanzgefäße isolieren, damit die Erde nicht ganz so schnell austrocknet. Temperaturschwankungen sollten also ausgeglichen werden.

Vases d'Anduze

Auch ein rostiger Metallbehälter kann attraktiv wirken.

Gewicht

Auch das Gewicht sollte bei der Entscheidung für ein Pflanzgefäß berücksichtigt werden. Wenn Pflanzen zwei Mal im Jahr aufgrund der Überwinterung transportiert werden müssen, spielt das Gewicht des Topfes eine entscheidende Rolle. Terracotta-Töpfe, die mehr als einen Meter Durchmesser haben, lassen sich zusammen mit der Pflanze ohne Transporthilfen oder -geräte kaum noch bewegen. Dagegen sind Kunststofftöpfe verhältnismäßig leicht. Allerdings sind sie manchmal so leicht, dass sie bei Wind oder Sturm schnell umfallen. In jedem Fall sollte man bei der Anschaffung von Töpfen das Gewicht, den Transportweg in das Winterquartier und die Transportmöglichkeit berücksichtigen.

Vases d'Anduze

Ein kleiner Topfgarten lässt sich überall platzieren.

Aussehen und Stil

Natürlich kommt es nicht nur auf funktionale oder praktische Aspekte an. Töpfe müssen auch gefallen und zu den Pflanzen passen. Aber auch untereinander sollten die Pflanzgefäße harmonieren. Moderne Kunststoffgefäße neben klassischen Vases d’Anduze – das kann harmonieren, es kann aber auch ein abenteuerlicher und nicht ästhetischer Stilmix sein. Für mich übrigens ein ästhetischer Albtraum sind mediterrane Großpflanzen wie Oliven oder Orangen, die in einem schwarzen Speiskübel stehen. Solche billigen Kübel werden übrigens häufig von Baumschulen verwendet, die eher auf Kosten als auf die Qualität achten.

Preis und Langlebigkeit

Qualität und Schönheit haben ihren Preis, daher ist die Anschaffung besonders edler Pflanzgefäße häufig eine nennenswerte Investition. Allerdings eine Investition, die sich durchaus rechnen kann. Denn alle drei Edelkübel, die ich in diesem Beitrag vorstelle, zeichnen sich durch eine hohe Lebensdauer aus. Besonders wertbeständig dürfte der Versailler Kübel sein. Bei den Vases d’Anduze und Terracotta ist außer bei Unfällen, die zu Scherben führen, ebenfalls von einer hohen Lebensdauer auszugehen. Bei den Tongefäßen sollte man auch darauf achten, dass man die Pflanzen rechtzeitig umtopft. Wenn der Ballen ganz dicht durchwurzelt ist, kann es sein, dass man ihn ohne Zerstörung des Topfes nicht mehr herausbekommt. Allerdings ist ein so starkes Wurzelwachstum bei Zitrus und Olive hierzulande eher selten.

Übertöpfe als Kompromiss

Ab einer gewissen Größenordnung sollte man Kübelpflanzen in Kunsttöpfe pflanzen. Diese Größenordnung ist bei mir ab ca. 60 cm Topfdurchmesser erreicht. Nur so kann die Pflanze im Topf problemlos in das Winterquartier und wieder zurück transportieren. Allerdings muss man bei dieser Lösung nicht auf einen standfesten Ton- oder Terracotta-Topf verzichten. Ihr könnt eine Kombination aus beiden wählen, bei der der Tontopf als Übertopf verwendet wird. Der Kunststofftopf mit der Pflanze wird nach dem Ende der Überwinterung in den Tontopf eingesetzt. Der Kunststofftopf kann dabei sehr einfach sein, beide Töpfe brauchen aber unbedingt ein Abflussloch. Während des Winters kann der Tontopf draußen bleiben, ihr solltet ihn aber entweder abdecken oder geschützt aufstellen.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

 

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.