Die Pomeranze – Zitrusklassiker mit viel Potenzial

Die Pomeranze ist eine fantastische Zitruspflanze, die in jeden mediterranen Garten gehört. In diesem Beitrag möchte ich euch in einem Pflanzenporträt diese tolle Zitrusart vorstellen. Dabei erfahrt ihr etwas über die Eigenschaften der Pomeranzen, die Pflege und die Überwinterung bei der Pomeranze. Auch wie ihr eigene Pomeranzenfrüchte ernten könnt, zeige ich euch in diesem Beitrag

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Die Pomeranze im Pflanzenportrait

Die Pomeranze gehört zu den attraktivsten Zitruspflanzen. Sie wird als aufrecht wachsender Baum gepflanzt, der in der Regel bei uns als veredelte Pflanzen angeboten wird. Die dichte Belaubung besteht aus grünen lanzettförmigen, also schmalen und spitz zulaufenden Blättern.

Pomeranze

In einer der Limonaias am Gardasee, den berühmten Zitronengewächshäusern, wachsen die Pomeranzen in ungeahnte Höhen.

Die Blüte erscheint im Frühjahr und Spätsomme und fällt sehr üppig aus. Entsprechend üppig  ist auch die Frucht.  Nach der Blüte erscheinen zahlreiche grüne Fruchtansätze, die im Laufe des Jahres zu runden und leicht abgeflachten orangefarbenen Pomeranzen heranreifen.

Pomeranze

Pomeranzen und Bougainvilleen an der Uferpromenade in Gardone am Gardasee

 So erkennt ihr die Pomeranzen

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die bestehende Verwechslunggefahr bei Pomeranzen. Pomeranzenbäume  sind tatsächlich für den Laien kaum von Orangenbäumen zu unterscheiden. Auf die Pomeranze verweisen die abgeflachten Früchte, bei denen die Schale weniger gleichmäßig ist als bei der Orange. Auch die noch kompakter als bei der Orange wachsende Krone ist ein Hinweis auf die Pomeranze. Verwechslungsgefahr entsteht auch aufgrund der Vielzahl verwendeter Bezeichnungen für die Pomeranzen. Neben der deutschen Bezeichnung Bitterorange wird die Pomeranze auch als „Sevilla Orange“ bezeichnet. Als Sevilla Orange ist sie vor allem England bekannt, wo die Pomeranze zu der berühmten „Marmelade“, der bitteren Orangenmarmelade verarbeitet wird. Weitere Verwechslunggefahr besteht zur Dreiblättrigen Orange, die botanisch Poncirus trifoliata heißt. Diese wird gelegentlich und fälschlicherweise ebenfalls als Bitterorange bezeichnet. Eindeutig ist wie immer der botanische Name: Dieser lautet für die Pomeranze Citrus aurantium. Das heißt: Goldener Citrus.

Pomeranze

Typisch Pomeranze – Blüten und Früchte können gleichzeitig bestaunt werden.

Die große Vielfalt der Pomeranzen

Pomeranzen gehören zu den alten Zitrussorten, sie waren es, die als erste „Agrumen“ oder „Hesperidenäpfel“ Einzug in die Parks und Gärten Europas hielten. So waren auch Pomeranzenhäuser Vorläufer der Orangerien. Eine so alte Kulturpflanze bietet auch stets wunderbare Sorten, die das Sammlerherz höher schlagen lässt. Hier eine kleine Auswahl besonders schöner Pomeranzensorten:

  • Bouquet des fleurs mit schönen floralem Laub
Pomeranzen

Das besonders schöne Laub der Pomeranzensorte „Bouquet des Flurs“

  • die gestreifte Landsknechtshose
  • gehörnte Pomeranzen, die ein kleines Hörnchen aus der Schale ausbilden
  • gefurchte Pomeranzen mit markanten Erhebungen auf der Schale
  • panaschierte Pomeranzen, die ein grün-weiß geschecktes Blatt

haben. Übrigens ist auch die nicht nur Teetrinkern bekannte Bergamotte eine nahe Verwandte der Pomeranze.

Die Pflege der Pomeranzen

Die Pomeranzen gehören zu den robusteren Zitruspflanzen. Dennoch ist ein wenig Fingerspitzengefühl bei der Pflege sinnvoll.

Der Standort im Sommer

Pomeranzen sollten so lang wie möglich unter freiem Himmel an einem vollsonnigen Platz stehen. Die Freilandzeit kann bei den robusten Zitrusvertretern bereits Anfang April beginnen und geht bis weit in den November. In den Übergangszeiten müsst ihr auf späten oder frühen Frost achten. Gerade im Frühjahr kann dieser den Austrieb oder erste Knospen gefahren.

Der Freilandstandort sollte neben ausreichendem direkten Sonnenlicht auch Schutz vor Wind und Wetter bringen. Günstig ist auch eine Rückwand oder Überdachung, die zu einem Wärmestau führt. Damit wird die Wärmesumme für die Pomeranze größer und die Wachstumszeit länger.

Nicht unterschätzen darf man das Risiko, dass heftige Böen einen schönen Pomeranzenbaum umwerfen. Die dichte Krone bietet einige Angriffsfläche. Als Schutz hilft auch ein stabiler Tontopf mit guter und großer Standfläche. 

Richtiges Gießen bei der Pomeranze

Der Wasserbedarf bei den Bitterorangen ist moderat. Daher solltet Ihr stets nur gießen, wenn die obere Hälfte der Erde abgetrocknet ist. Am Besten lässt sich das mit einem Feuchtigkeitsmesser* herausfinden. Dieser hat eine lange Sonde, die Ihr tief in die Erde steckt. So könnt Ihr herausfinden, ob gegossen werden muss oder nicht. Als Gießwasser könnt ihr sowohl Regenwasser als auch Leitungswasser verwenden. Am Besten wird in den Morgenstunden gegossen. Dann entspricht die Temperatur der Pomeranze der des Gießwassers und es kommt nicht zur Abkühlung der Pflanze und zur Verlangsamung der Vegetation. 

Pomeranzen düngen

Als Kübelpflanze erhält die Pomeranze weniger Nährstoffe aus der Umgebung. Entsprechend benötigt sie in der Wachstumsphase eine Düngung, die schnell umgesetzt werden kann. Das erreicht Ihr am Besten mit einem mineralischen Dünger, der unter das Gießwasser gemischt wird. Gute Erfahrung gibt es mit einer Stickstoff-Phosphat-Kalium (N-P-K)-Kombination von 20%-10%-15% sowie wichtigen Spurenelementen wie

  • Magnesium,
  • Zink,
  • Bor,
  • Kupfer,
  • Eisen,
  • Mangan und
  • Molybdän,

die in geringerer Konzentration vorkommen. Gedüngt wird von ca. Mai bis Ende August ca. einmal die Woche. Bei der Dosierung solltet ihr euch an die Angabe des Herstellers halten. Überdüngung könnt ihr an braunen Blatträndern erkennen, solltet diese aber unbedingt vermeiden. Wenn die Pflanze kein Wasser verdunstet hat und nicht gegossen werden muss, muss auch nicht gedüngt werden.

Erde und Topf – Pomeranzen umtopfen

Als Kübelpflanze sind die Pomeranzen besonders vom Topf und der Pflanzerde abhängig. Das Umtopfen erfolgt im späten Winter und ist dann nötig, wenn der Topf vollständig durchwurzelt ist. Nach meiner Erfahrung ist das alle zwei bis drei Jahre nötig. Der Topf muss ein Abflussloch haben und sollte auf Topffüße gestellt werden, die die Belüftung des Topfes von unten ermöglichen.

Die Erde ist durchlässig und strukturstabil. Ihr könnt eine Mischung aus Gartenerde, Kokosfasern (als Torfersatz), Quarzsand und Granulat für die Drainage nehmen. Auf diese Weise ist die Pflanze ausreichend mit Nährstoffen versorgt, ohne dass Staunässe droht. Eine genaue Rezeptur für die Erde findet Ihr hier.

Der Schnitt bei den Pomeranzen

Das kompakte Kronenwachstum führt dazu, dass bei der Pomeranze keine größere Schneidemaßnahmen erforderlich sind. Entfernt beim Erhaltungsschnitt abgestorbene oder durch Krankheit oder Schädlinge beeinträchtigte Äste und Zweige. Beim Erziehungsschnitt, mit dem Ihr die Krone formt, solltet ihr allenfalls aus der äußeren Kronenform herauswachsende Triebe einkürzen. Der Schnitt zur Formung der Krone findet wie das Umtopfen im späten Winter, also ca. im Februar statt.

Die Überwinterung

Die Pomeranze ist frosttoleranter als Zitrone, Orange und Mandarine, schafft aber auch nur ca. -4° C. Daher wäre es falsch von einer bedingt winterharten oder vollständig winterharten Zitruspflanze zu sprechen. Eine Überwinterung in einem frostfreien, kühlen und hellen Winterquartier ist also auch in milden Regionen wie etwa Weinbaugebieten oder in den Flusstälern erforderlich. Sie sollte aber so kurz wie möglich erfolgen, insbesondere wenn das Winterquartier nicht optimal ist. Die nördlichste Region, wo ihr Pomeranzen als Freilandpflanze sehen könnt, ist der Gardasee. Dort hat es in den letzten Jahren keine nenneswerten Fröste mehr gegeben.

Das Winterquartier hat idealer Weise eine Temperatur zwischen 5° C und 10° C und eine Tageslichtquelle. Alternativ oder ergänzend könnt ihr auch eine Pflanzenbeleuchtung* einsetzen. Insgesamt sollte die Pomeranze einen Luxwert von 1.500 genießen können. Während der Überwinterung braucht die Pomeranze nur wenig Pflege. Solange der Ballen leicht feucht bleibt, ist Gießen nicht erforderlich. Auch Dünger ist nicht erforderlich, da die Pflanze in der Winterruhe ist.

Pomeranzen ernten

Eine kleine Einschränkung gibt es bei den wunderbaren Pomeranzen: Sie machen ihrem deutschen Namen „Bitterorange“ alle Ehre. Dh. die Früchte sind für den direkten Verzehr nicht geeignet. Aber die Briten haben es vor gemacht: Sie eignen sich hervorragend als Grundzutat für Bittere Orangenmarmelade. Aber auch zum Würzen in Nachspeisen oder Cocktails ist die Pomeranze sehr gut geeignet. Die bittere Note gilt bei Kennern als unverzichtbare Zutat in so machem berühmten Mixgetränk. Als nahe Verwandte der Pomeranze ist der Chinotto eine führende und ebenfalls berühmte Zutat. 

Die Pomeranzenfrucht bleibt recht lange am Baum, kann aber im Frühjahr geerntet werden. Dazu solltet Ihr wie bei anderen Zitrusfrüchten auch eine Gartenschere einsetzen, da sonst Zweige und/oder Früchte kaputtgehen.

Wenn Ihr eine Pomeranze kaufen wollt, solltet Ihr das in einem versierten Fachhandel im Internet oder in einem Gartencenter tun. Gerade die Sortentreue bei angebotenen Pomeranzen ist nicht unbedingt selbstverständlich. Daher ist der Kauf beim Händler oder Gärtner des Vertrauens eine gute Wahl. Im Internet könnt ihr auch auf gute Bewertungen achten, die über die Qualität der angebotenen Pflanzen Auskunft geben. 

Übrigens hat die berühmte „Landpomeranze“ oder „Dorfpomeranze“ ihren eigentlich beleidigend gemeinten Namen von den roten Backen, die die Urheber dieses Schimpfnamens zu dieser Bezeichnung inspirierten. Ich finde die Landpomeranze aber garnicht beleidigend, sondern freue mich über jede Pomeranze, die auf dem Land oder in der Stadt wächst.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

 

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.