Mein Pflege- und Pflanzkalender für den mediterranen Garten

12. August 2018

Ein Pflege- und Pflanzkalender hilft euch, den Rhythmus der Jahreszeiten im mediterranen Garten besser zu verstehen und die Pflanzen optimal zu betreuen. Je unsteter Wetter und Klima werden, umso wichtiger ist es, den Vegetationszyklus der einzelnen Pflanzen zu verstehen und zu berücksichtigen. Mein Pflege- und Pflanzkalender, den ich euch hier präsentiere, ist darauf aufgebaut und gibt euch Orientierung. 

Pflanzkalender

Gerade für den Anbau von mediterranem Gemüse ist ein Pflanzkalender sehr hilfreich.

Wenn ihr eine Beratung wünscht oder weitere Fragen habt, könnt ihr diese hier stellen. Aktuelle Pflegetipps für den mediterranen Garten liefert mein Newsletter „Neues aus dem Mediterranen Garten“, zu dem ihr euch kostenlos und unverbindlich anmelden könnt.

Der Pflege- und Pflanzkalender – die Klimazone entscheidet

Vor kurzem fragte mich eine Leserin, wie ich mir merken könne, wann welche Pflanzen wie gepflegt werden müssen. Sie wollte also wissen, wie mein innerer Pflege- und Pflanzkalender entsteht. Natürlich musste ich kurz nachdenken, aber dann fiel mir doch ein, wer den Takt vorgibt. Es sind die Pflanzen selbst oder besser: ihre Herkunft aus unterschiedlichen Klimazonen. Wenn sich bei uns Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag über die Jahreszeiten verändern, entstehen Abschnitte, die für die einzelnen Pflanzengruppen günstig sind. 

Pflanzkalender

Sie gehört zur Gruppe der tropischen Pflanzen im mediterranen Garten – die Tibouchina.

Von heimisch bis tropisch – meine Pflanzengruppen

Wichtig ist also, dass ihr eine Vorstellung von der Herkunft und den klimatischen Anforderungen eurer Pflanzen habt. Ich habe diese für meinen Garten in 6 Gruppen aufgeteilt

  1. Heimische Pflanzen aus Mittel- und Nordeuropa oder ähnlichen Klimazonen
  2. Bedingt winterharten Pflanzen wie den Olivenbaum, Feigenbaum oder den Sternjasmin
  3. in geringem Umfang frosttolerante Pflanzen wie der Kumquat oder der Oleander
  4. die mediterranen Pflanzen wie Orangenbaum, Zitronenbaum, Zylinderputzer, …
  5. die subtropischen Pflanzen wie Mandeville, Bougainville, Buddhas Hand Zitrone, Pampelmuse, …
  6. und schließlich die tropischen wie Hibiskus oder Tibouchina. 

Mit Hilfe dieser Pflanzengruppen lassen sich die Pflegearbeiten gut takten. Wenn es etwa ans Rausstellen der Pflanzen geht, stelle ich alle Pflanzen einer Gruppe gemeinsam raus. 

Pflanzkalender

In vielen Regionen als mediterranes Gehölz winterhart – der Erdbeerbaum.

Unser Klima – wandelt sich

Ein Pflege- und Pflanzkalender wird auch deswegen wichtiger (und nicht etwa unwichtiger), weil sich unser Klima deutlich und schnell verändert. Umso wichtiger ist es, die Bedürfnisse und klimatischen Grenzen der Pflanzen zu kennen. Gut kennen solltet ihr aber vor allem das Klima in eurer Region. Es ist keine schlechte Idee, ab und zu mal einen Blick auf die Klimatabelle für den Heimatort zu werfen (was man sonst nur für potenzielle Urlaubsziele macht).

Pflanzkalender

Feuchte Winter, warmer Herbst – der Klimawandel macht sich zunehmend bemerkbar.

Noch wichtiger ist aber die kurz- und langfristige Beobachtung des Wettergeschehens. Jede Gärtnerin und Gärtner hat sicher seine Lieblings-Wetterseite. Meine Empfehlung ist nach wie vor der Deutsche Wetterdienst, der die Daten für viele andere Wetterdienste liefert. Bei Kachelmannwetter.com kann man sich die Prognosekurven unterschiedlicher Wettermodelle anzeigen lassen. Fallen diese zusammen, gibt es auch langfristig eine sichere Prognose. Liegen diese aber -wie meistens- nicht übereinander, ist die Vorhersage nur bis 5 oder minimal bis 3 Tage zuverlässig. Wichtig ist die Wetterbeobachtung vor allem in den Übergangs-Jahreszeiten Frühjahr und Herbst. Hat man dann die Gewissheit, dass sich das Wetter langfristig umstellt, geht es los mit der Pflege und den Pflanzungen. 

Das Gartenjahr im Pflege- und Pflanzkalender

Mein Gartenjahr beginnt im Februar. Denn Ende Februar bis Mitte März lassen sich für die bedingt winterharten und wenig frosttoleranten Pflanzen erste Pflegearbeiten durchführen. 

Die gut organisierten Gärtnerinnen und Gärtner

Neben den Klimazonen der Pflanzen und dem Wettergeschehen ist für den Kalender außerdem wichtig, wie ihr euren Garten und eure Gartenarbeit organisiert habt. Gärtnert ihr täglich oder findet ihr nur am Wochenende Zeit? Habt ihr viel Platz im Winterquartier oder ist dieser begrenzt? Wenn man zeitlich und räumlich wenig Spielräume hat, ist die richtige Einschätzung der Wetterphasen noch wichtiger. Mein Winterquartier ist -aufgrund meiner Sammelleidenschaft- gut gefüllt, so dass ich erste Pflegearbeiten erst durchführen kann, wenn danach erste Pflanzen nach draußen gestellt werden. Da ich meistens nur am Wochenende Zeit habe, lege ich Pflegearbeiten zusammen. Das heisst aber auch, dass ich warte, bis es für möglichst viele Pflanzen warm genug ist, um etwa zum ersten Mal im Jahr gedüngt zu werden. 

Pflanzenkalender

Osterglocken gehören zu den ersten Frühblühern.

Der Vorfrühling – Februar und März

Leider erst Ende Februar, häufig an oder kurz nach Karneval, ist daran zu denken, mit der Pflege der Kübelpflanzen zu beginnen. Bei den heimischen und mediterranen Gehölzen steht im Februar der Gehölzschnitt an, aber auch bedingt winterharte und mediterrane Pflanzen können Ende Februar bis Anfang März geschnitten werden. Beim Schnitt ist wichtig, dass die Pflanzen noch in der Winterruhe sind, diese aber bald endet. Dann können die Pflanzen mit frisch geweckten Lebenskräften die Schnittwunden wieder verschließen. Wenn bei den robusteren Pflanzengruppen ein Ende der Überwinterung möglich ist, können diese auch bereits umgetopft werden. Zurückhaltend bin ich bei den mediterranen, subtropischen und tropischen Pflanzen. Für sie ist ist es im März häufig noch zu früh, wieder nach draußen zu kommen. 

Pflanzenkalender

Im April zeigen sich die ersten Orangenknospen.

April – Frühlingsanfang im mediterranen Garten

Die Wende bringt ausgerechnet der launische April. In der zweiten Hälfte sollte es warm genug sein, dass bis auf die tropischen Pflanzen alle Kübelpflanzen nach draußen geräumt werden können. Vorher werden Sie umgetopft und falls noch nicht erfolgt, geschnitten. Im April ist auch der ideale Zeitraum für Neuanschaffungen, etwa um die Zitruspflanzen-Sammlung zu erweitern. Neuzugänge können ebenfalls gut umgetopft werden. 

Herausforderungen im April sind Wetterkapriolen und natürlich mögliche Nachtfröste. Die genaue Wetterbeobachtung gehört wie im März und Februar zu den gärtnerischen Pflichten. Wer in den Osterferien oder an Ostern verreist wird mit dem Problem konfrontiert, in der Zeit die Pflanzen nicht betreuen zu können. Liegt der Osterurlaub früh, sollte man mit dem Ausräumen der Pflanzen lieber warten, bis man wieder zuhause ist. Als Pflanzzeitpunkt ist der April ideal für Stauden, Rosen und mediterrane Knollenpflanzen wie Canna und Calla.

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Entfaltet ab Mai ihre ganze Pracht – die Prunkwinde.

Mai – die verlorene Macht der Eisheiligen

Im Mai zeigt sich am deutlichsten, dass das Klima wärmer geworden ist. Die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai spielen zumindest bei uns im milden Westen keine Rolle mehr. Etwas anders ist es in Höhenlagen und in östlichen Landesteilen. Doch insgesamt gilt: Der Mai ist der Wonnemonat – alle Pflanzen auch die tropischen und subtropischen können rausgestellt werden. Falls nötig werden Sie vorher umgetopft. Da die Nachttemperaturen nun auch in den zweistelligen Bereiche klettern, ist die Vegetation nun bei allen Pflanzen so stark, dass die Düngung wieder einsetzen kann. Ausnahme sind die frisch umgetopften Pflanzen, denn die neue Erde liefert für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen genügend Nährstoffe. Auch regelmäßiges Gießen beginnt nun, dennoch sollte immer nur bedarfsgerecht gegossen werden. Ideal ist ein Feuchtigkeitsmesser*, der anzeigt wie trocken oder feucht die Erde ist. 

Im Mai endet auch die Zurückhaltung mit Pflanzungen von Sommerblumen, Gemüsepflanzen wie Tomaten, Auberginen oder mediterrane Kräuter sowie Aussaaten z.B. von Prunkwinden. Auch die Nachttemperaturen kommen jetzt in den angenehmen Bereich, die Tage sind lang und immer heller. Einfach eine Wonne, dieser Mai!

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Auch die Agave -hier eine A. parryi- kann im Sommer auf der Terrasse stehen.

Juni bis August – den Sommer genießen

Der Früh- und Hochsommer ist die Hauptsaison für mediterrane, subtropische und tropische Pflanzen. In dieser Zeit findet das Gros des jährlichen Zuwachses, Blüten- und Fruchtbildung statt. Die Zitrusblüte erreicht ihren Höhepunkt, so dass auch das olfaktorische Erlebnis großartig ist. Die subtropischen Pflanzen wie Bougainvillea oder Mandeville treiben nun endlich aus. Dieser späte Austrieb verzögert auch die Blütenbildung, so dass die Blüte manchmal erst von August bis Oktober, oder vielleicht erst November reicht. Das gilt auch für die Engelstrompete, die ähnlich lang für Austrieb und Knospenbildung benötigt. 

Herausfordernd kann ein nasser Sommer sein, der aber tatsächlich zu unserem gemäßigten Klima dazugehört. Bei zuviel Regen müssen besonders feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen vor Regen geschützt aufgestellt werden. Das gilt insbesondere für Freilandsukkulenten wie Agaven und Yucca. Meistens beruhigt sich der Sommer spätestens im August, so dass die Pflanzen dann besonders gut gedeihen. Während des Sommers, meist bis Ende August, müssen Kübelpflanzen auch regelmäßig gedüngt werden. 

Besonders herausfordernd sind die Ferien, denn Kübelpflanzen müssen ausreichend betreut werden. Wer die Nachbarn nicht überstrapazieren will, kann auf professionelle Gießservices zurückgreifen. Automatische Bewässerungsanlagen sind technisch noch nicht ausgereift, so dass diese Lösung für die Ferien nur eine Ergänzung sein kann. 

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Meine Terrasse im September

September – Altweiber künden von Kälte

Der September kann noch viel Sonne bringen, er bringt aber auch das erste „Gefühl“ von kalten Nächten. Noch können alle Pflanzen draußen bleiben, denn Frost ist sehr unwahrscheinlich. Allerdings sollte spätestens im September das Winterquartier gefunden sein. Häufig hat es während des Frühjahrs und Sommers den einen oder anderen Neuzugang im mediterranen Garten gegeben. Falls noch nicht geschehen, muss nun geklärt werden, wie eine neue exotische oder mediterrane Pflanze überwintert werden muss. 

Der Bedarf an Wasser geht aufgrund der kühleren Nächte zurück. Dünger brauchen die Pflanzen nur noch, wenn sie noch weiter wachsen. Die spät austreibenden subtropischen und tropischen Pflanzen wie Wandelröschen, Hibiskus & Co. wachsen im September -einen sonnig-warmen Platz vorausgesetzt- noch weiter. Hier solltet ihr dann noch weiter düngen. 

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Wandelröschen gehören zu den fleißigsten Blühern und blühen bis in den Herbst hinein.

Oktober –  Glück mit Gold

Der Oktober ist mein heimlicher „Star“ im Pflege- und Pflanzkalender. Wenn er golden ist, können die Pflanzen jetzt noch einmal Sonne tanken. Das gilt insbesondere für spätblühende Pflanzen wie Engelstrompete oder Bougainvillea. Aber auch im goldenen Oktober gibt der Pflege- und Pflanzkalender Pflegeaufgaben vor. Nun beginnt die Zeit, in der das Studium der Wettervorhersage zu den regelmäßigen Aufgaben gehört. Denn das ist die Kehrseite der goldenen Medaille des Oktobers – die ersten ernsthaften Nachtfröste können bei klarem Nachthimmel gerade in der zweiten Oktoberhälfte auftreten. In kälteren Regionen beginnt in der zweiten Oktoberhälfte bereits das Einräumen der empfindlichen tropischen und subtropischen Pflanzen, dort wo es ganz kalt wird auch der mediterranen Pflanzen. 

Eine weitere Bedrohung der Pflanzen kommt vom Wind: Wenn es stürmisch wird, droht gerade großflächigen Kübelpflanzen wie dem Oleander das Umfallen, was zu Schäden an Ästen und der Krone insgesamt führen kann. Spätestens jetzt also sollten die Pflanzen zusätzlich befestigt werden. Der Oktober ist auch der ideale Monat, in dem ihr Blumenzwiebeln für Tulpen, Krokusse und Narzissen pflanzen könnt.

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Die Bougainvillea glabra im Oktober

November – Abschied vom Sommer

Im November heißt es dann endgültig, sich von den Kübelpflanzen auf Balkon und Terrasse zu verabschieden. Auch in milden Regionen muss in der ersten Novemberhälfte bereits mit ernsthaftem Frost gerechnet werden, so dass das Einräumen der Pflanzen beginnt. So werden sie auch vor Nässe und Sturm geschützt. Ich räume die Pflanzen in Gruppen ein. Als erstes kommen die tropischen Pflanzen in den mild temperierten Keller, wo sie unter einer Pflanzenlampe* ganz gut gedeihen. Die subtropischen Pflanzen kommen in das kühle Winterquartier. Den freigewordenen Platz auf der Terrasse nehmen dann die Zitruspflanzen ein, die von Plätzen im Gärten auf geschütztere Standorte direkt am Haus gestellt werden. Dort können sie noch in der Regel bis Ende November stehen und vom direkten Sonnenlicht profitieren. 

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Auch Fuchsien können überwintert werden.

Vor dem Einräumen bekommen die während des Sommers und Frühherbst üppig gewachsenen Pflanzen einen Vorschnitt verpasst, damit der Platz im Winterquartier ausreicht. Das betrifft etwa den Sommersjasmin oder Fuchsienstämme. Auch solltet ihr die Pflanzen nach Schädlingen absuchen, damit diese möglichst nicht mit ins Winterquartier einziehen. Ende November ziehen dann auch die mediterranen Pflanzen, allen voran die Zitrussammlung ins Winterquartier ein, allerdings ohne Vorschnitt. Der nun am Haus freigewordene Platz wird von den bedingt winterharten Pflanzen eingenommen, die während des Winters draußen bleiben. Der Olivenbaum wird durch eine Abdeckung vor Nässe geschützt, braucht darüber hinaus aber keinen weiteren Schutz. Auch Sternjasmin, Schönmalve oder Zistrose reicht es, direkt am Haus von dessen Abwärme zu profitieren. 

Dezember und Januar – Wintersonnenwende und langes Warten

Im Dezember werden die Tage bis zur Wintersonnenwende kurz vor Weihnachten zunächst noch kürzer. Das Licht wird schwächer, was in der Regel auch einigen Pflanzen zusetzt, die durch eine Tageslichtquelle beleuchtet werden. Sobald die Blätter fallen, sollte für mehr Licht und geringere Temperaturen gesorgt werden. Die Pflanzen im Winterquartier werden nur bei Bedarf gegossen, der am Besten mit einem Feuchtigkeitsmesser* festgestellt werden kann. 

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

 

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

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