Passiflora – die schönsten Passionsblumen

25. Mai 2017

Die Blüten der Passionsblumen, die alle zur Gattung Passiflora gehören, zählen zu den spektakulärsten im gesamten Pflanzenreich. Ihren Namen hat diese Gattung von einer religiösen Inspiration, die den Bezug zur Passion Christi hergestellt hat. In diesem Beitrag möchte ich die wichtigsten Passionsblumen vorstellen und Tipps zur Pflege und Überwinterung geben. 

Wenn ihr weitere Fragen habt oder eine individuelle Beratung wünscht, könnt ihr euch gerne am Ende des Beitrags melden. 

Wissenswertes zu den Passionsblumen

Die Passionsblumen sind in der Regel mehrjährige, krautige Kletterpflanzen, die teilweise verholzen. Sie stammen aus Süd-, Mittel- und Nordamerika. Einige Arten sind in Australien beheimatet. Aufgrund der großen Attraktivität der Blüten wurden auch neue Passionsblumen Sorten gezüchtet, die sich heute genetisch nur noch schwer zuordnen lassen.

Die Blüte hat Passiflora ihren Namen gegeben. Christliche Einwanderer entdeckten in den Bestandteilen der Blüte Symbole der Passion Christi. Die Kelchblätter stehen für die Apostel, die sogenannte Nebenkrone für die Dornenkrone und die Griffel für die Kreuznägel. Aber auch ohne religiösen Hintergrund begeistern die Passionsblüten, die in der Vielfalt ihrer Farben und Formen zu den spektakulärsten Erscheinungen im ganzen Pflanzenreich gehören.

Passiflora

Die etwa ei- bis traubengroßen Passionsfrüchte leuchten goldenorange.

Passionsblumen sind aber nicht nicht nur wegen ihrer fantastischen Blüten beliebt, sondern auch wegen der Passionsfrüchte. Diese sind auch als Maracuja bekannt und schmecken lecker-exotisch. Allerdings gelingt es nur bei wenigen Sorten hierzulande, leckere Früchte zu ziehen. Auch diese stelle ich hier vor.

Die meisten Passionsblumen sind nicht winterhart, können aber gut als Kübel- und Topfpflanzen gehalten werden. Glücklicherweise bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, so dass es auch winterharte oder bedingt winterharte Sorten gibt. Diese werde ich euch hier vorstellen.

Passiflora – eine große Familie

Es gibt über 400 Arten der Gattung Passiflora. Für Pflanzensammler gibt es also einiges zu entdecken. Allerdings werden natürlich nur wenige Arten hierzulande angeboten. Aufgrund der großen geografischen Verbreitung der Passionsblumen gibt es aber glücklicherweise auch solche Passionsblumen, die hierzuland winterhart sind.

Die blaue Passionsblume Passiflora caerulea

Die blaue Passionsblume ist der Klassiker unter den Passiflora. Sie ist vor allem deswegen interessant, da sie sehr üppig blüht und viele blau-weiß-schwarze Blüten über einen langen Zeitraum im Jahr bildet.

Passilfora

Die Blüte der blauen Passionsblume – der Passiflora caerulea

Besonders interessant aber ist ihre bedingte Winterhärte. Diese führt dazu, dass sie in milden Regionen auch ausgepflanzt überwintern kann. Nach meiner Erfahrung ist die blaue Passionsblume mit einem Winterschutz draußen bis zu -9° C winterhart. Sie sollte geschützt z.B. unter einem immergrünen Strauch ausgepflanzt werden. Bei mir ist das ein Mittelmeerschneeball, der auch im Winter ein dichtes Blätterwerk hat. Außerdem bedecke ich die Pflanzscheide, also die Fläche oberhalb der Wurzeln, im Winter mit Laub und Zweigen.

Passiflora

Eine Blüte der blauen Passionsblume kommt selten allein.

Die violette Passionsblume – Passiflora violacea

Eine interessante und zuverlässig wachsende Passionsblumen Sorte ist die violette Passionsblume. Sie ist allerdings nicht winterhart und sollte daher kühl und hell überwintern.

Passiflora

Passiflora violacea

Der erste Austrieb erfolgt dann häufig schon im Winterquartier, so dass sie nach dem letzten Frost an einem Rankplatz auf der Terrasse oder dem Balkon platziert werden kann. Dort wirft sie ihre Ranken aus und bildet dann im Hoch- und Spätsommer die kräftig-violetten Blüten.

Passiflora violacea

Blüte und Laub bei der Passiflora violacea ergänzen sich harmonisch.

Die essbare Passionsblume – Passiflora edulis

Wer hierzulande Passionsfrüchte, also Maracuja genießen möchte, kommt an der essbaren Passionsfrucht der P. edulis nicht vorbei. Allerdings braucht ihr für diese Meisterleistung der Natur einen temperierten Wintergarten, denn die essbare Passionsblume braucht viel Zeit, um die herrlichen Aromen der Maracuja zu bilden. Auch die Blüte ist spektakulär und macht deutlich, wieviel Aufwand die Pflanze betreibt, um Bestäuber zu finden.

Passiflora

Passiflora edulis (Foto: Günter Manaus/Shutterstock.com)

Die winterharte Passionsblume – Passiflora incarnata

Nicht jeder, der Passionsblumen genießen möchte, hat einen Wintergarten oder wohnt in einer milden Region. Für diese ist die bis zu -20° C winterharte Passiflora incarnata interessant. Ähnlich wie bei der Blauen Passionsblume kommt es bei der P. incarnata darauf an, die Pflanze geschützt auszupflanzen und ihr im Winter zusätzlichen Schutz anzubieten.

Passiflora

Passiflora incarnata (Foto tdee foto cm/Shutterstock.com)

Die Pflanze zieht sich dann in den kalten Monaten zurück und treibt im mittleren Frühjahr, wenn sich die Temperatur überwiegend im zweistelligen Bereich befinden, wieder neu aus. Der Austrieb erfolgt aus den härteren Teilen der Ranken, die allerdings nicht vollständig verholzt sind.

Die weinblättrige Passionsblume – Passiflora vitifolia

„Vitifolia“ bedeutet weinblättrig, auch wenn als deutscher Name dieser tollen Passionsblume gelegentlich auch „Rote Passionsblume“ verwendet wird. In der Tat haben die eher breiten Blätter eine große Ähnlichkeit zu den charakteristischen Blättern der Weinrebe. Sie sind ähnlich mit Flaum überzogen und weniger gezackt als bei den sonstigen Passionsblumenblättern.

Passiflora

Passiflora viticola

Wichtig bei der Roten Passionsblume ist eine ausreichende Wärme während des Winters für die Wurzeln. Die aus den Subtropen bis Tropen stammende Pflanze braucht also Temperaturen im Wurzelbereich um die 10° C. Damit ist sie eine typische Wintergartenpflanze.

Die lorbeerblättrige Passionsblume – Passiflora laurifolia

Eine Ähnlichkeit zu der P. vitifolia hat die lorbeerblättrige Passionsblume. Auch sie ist eher eine tropische als eine subtropische Pflanze und muss daher im Winter temperiert untergebracht werden.

Passiflora laurofolia

Passiflora laurifolia

Passiflora eichleriana

Eindeutig tropisch ist die Passiflora eichleriana mit ihrem markanten weiß-blauen Strahlenkranz. Sie benötig also durchgehend eine Temperatur von 15° C und einen hellen Standort, damit sie ihre hübschen Blüten entwickeln kann.

Passiflora eichleriana

Passiflora eichleriana

Die Blätter sind dreilappig und die Blüten werden immerhin bis zu 7 cm breit. Sie können bei guten Standortbedingungen durchaus zahlreich erscheinen.

Passiflora eichleriana

Passioflora eichleriana

Seeanemonen-Passionsblume Passiflora actinia

Besonders apart sind die hängenden oder glockenförmigen Blüten der Seeanemonen-Passionsblume. Die purpur-weiss gestreiften Fäden der Nebenkrone hängen mit einer leichten Wallung nach unten und geben der Blüte den Glockenhabitus.

Passiflora actin

Passiflora actinia

Interessant sind bei dieser Passsionsblumen Sorte auch die Blätter, die nicht gefingert sind, sondern eine geschlossene Form haben. Auch bei der Winterhärte gehört die P. actinia zu den interessanten Kandidaten. Die Seeanemonen-Passionsblume verträgt wenige Minusgrade, so dass in milden Regionen an einem sehr geschützten Standort z.B. direkt am Haus auch draußen überwintern kann.

Passiflora actinia

Passiflora actinia Blüten

Tipps zur Pflege und Überwinterung der Passionsblumen

Im Großen und Ganzen sind Passionsblumen pflegeleicht, so dass sie Exotinnen für jedermann sind. Bei der Pflege kommt es vor allem auf den Standort und die Überwinterung an.

Der richtige Standort für die Passionsblumen

Als Kletterpflanze sind die Passionsblumen zunächst weniger standortabhängig. Sie wachsen dorthin, wo sie genügend Sonne und Wärme finden. Man kann der Passiflora eine gewissen „Bescheidenheit“ zusprechen, denn sie drängt sich mit ihren Blüten nicht unbedingt auf. Im Frühjahr gehört es zu meinen Gartenvergnügungen, nach den am Anfang noch verborgenen Passionsblüten Ausschau zu halten.

Rankgitter und -hilfen

In jedem Fall sollte die Passionsblume ein Rankgitter erhalten, dass Sie bewachsen kann. Dort kann man die noch nackten Triebe im Frühjahr anlegen, den Rest erledigt die Passionsblume von selbst. Im Herbst, wenn man die nicht-winterharten Passionsblumen vor dem Frost einräumen muss, muss man die Ranken abschneiden. Das ist völlig unproblematisch, denn die Pflanzen bildet im nächsten Frühjahr neue Ranken. Eine Rankhilfe kann auch im Topf verankert werden und zum Beispiel nur aus drei Bambusstäben bestehen, die in Wigwam-Form zusammengebunden werden.

Standort für Kübel und Auspflanzen

Wenn eine blaue Passionsblume oder Passiflora incarnata ausgepflanzt werden soll, sollte der Standort sehr geschützt sein. Ideal ist ein Platz unter einem immergrünen Gehölz, der die Passionsblume vor Kälte und Nässe abschirmt. Aber auch in einem Kübel sollte die Passionsblume im Schutz anderer Pflanzen aufgestellt werden.

Gießen und Düngen

Die Passionsblumen haben vergleichsweise geringe Ansprüche an die Pflege im Frühjahr und Sommer. Die Erde sollte stets leicht feucht sein. Staunässe solltet ihr vermeiden. Bei Kübelpassionsblumen wird im Frühjahr und Sommer nach Bedarf alle paar Tage gegossen. Die Erde sollte zwischendurch aber immer wieder abtrocknen.

Auch Dünger brauchen die Passionsblumen im Kübel. Dieser wird in der Zeit des Wachstums, also von ca. Mai bis August im Wochenrhythmus verabreicht. Geeignet ist ein Kübelpflanzendünger, der eine ausgeglichene Kombination der Hauptnährstoffe hat sowie über notwendige Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Magnesium, Zink, Bor, Mangan und Molybdän verfügt. Ab dem frühen Herbst sollte die Düngung eingestellt werden, damit die Pflanze sich auf den Winter vorbereiten kann.

Überwintern der Passionsblumen

Bei den nicht winterharten Passiflora ist die Überwinterung einfach. Die Ranken werden vom Rankgitter geschnitten und so gekürzt, dass der Topf transportiert werden kann. Je nach Herkunft -mediterran, subtropisch oder tropisch- muss die Passionsblume dann in ein entsprechend temperiertes Winterquartier gebracht werden. Je wärmer der Winterstandort ist, desto heller muss er auch sein. Rein tropische Passionsblumen können auch im Wohnzimmer untergebracht werden.

Die Überwinterung dauert von ca. November bis zum April. In dieser Zeit verlieren die Passionsblumen, die kalt überwintern, die Blätter. Am Ende der Überwinterungszeit kann man die Ranken noch mal einkürzen. Abgestorbene Ranken schneidet ihr ab, die grünen Ranken bleiben erhalten. Auch das Umtopfen kann im frühen Frühjahr kurz vor dem Ende der Überwinterung erfolgen.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

SV 4400

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

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