Die Orangerie Schönbrunn – Pflanzenparadies im Sommer und Winter

Die Orangerie Schönbrunn gehört unbedingt zum Besuchsprogramm, wenn man das berühmte Schloss und den Park in Schönbrunn bei Wien besucht. Nicht nur, dass man ein wunderschönes Orangeriegebäude und herrliche Pflanzen bestaunen kann. Besonders interessant ist ein Besuch in der Orangerie Schönbrunn, da man etwas über die Jahrhunderte alte Überwinterungspraxis erfährt, die in Schönbrunn bis heute praktiziert wird. 

Orangerie Schönbrunn

Unendliche Pflanzenweiten – Blick in den Pflanzenbestand der Orangerie Schönbrunn

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Wissenswertes zur Orangerie Schönbrunn

Die Geschichte der Orangerie Schönbrunn ist typisch für die Repräsentationskunst des Barock und Rokoko an europäischen Höfen. Zitruspflanzen begannen in der Renaissance von Süditalien und der iberischen Halbinsel aus ihren Siegeszug durch Europa. Im Barock und Rokoko entwickelten Sie sich zum begehrten Sammlerobjekt europäischer Fürsten. 

Herkules und die Goldenen Äpfel der Hesperiden

Denen ging es nicht nur um die botanischen Schön- Besonderheiten der Pflanzen. Die Symbolkraft der Orangen und Zitronen war es vor allem, die die Pflanzen zum Sammlerobjekt machte. Schließlich kam es zum „Orangenfieber“, in dessen Höhepunkt August der Starke von Sachsen -der Überlieferung nach- über 5.000 Orangenbäume sein Eigen nennen konnte. Aber was machte die Pflanzen so begehrenswert? 

Orangerie Schönbrunn

Begehrtes Sammlerobjekt barocker Fürsten – Orangen, die „Goldenen Äpfel der Hesperiden“.

Es war eine Geschichte aus der griechisch/römischen Mythologie. Der Held Herkules -so die Sage- musste im Rahmen seiner zwölf Prüfungen auch die „Goldenen Äpfel der Hesperiden“ stehlen. Wer die „Goldenen Äpfel“, also die Pomeranzen und Orangen besaß, konnte sich mit Herkules vergleichen. Darüber hinaus faszinierte damals schon die Botanik der Zitruspflanzen. Ein Obstbaum, der gleichzeitig Früchte trug und blühte, das schien übernatürlich. Ein Fürst oder eine Fürstin, die solche wundersamen Pflanzen besaßen, konnten sich als Bezwinger der Natur feiern lassen – ganz im Sinne der Gartenkultur des Barock. 

Orangerie Schönbrunn

So prachtvoll überwintern Pflanzen in der Schönbrunner Orangerie.

Die Überwinterung – von Holz- zu Steinorangerien

Doch auch die mächtigen Fürsten des Barock und Rokoko konnten nicht ignorieren, das Zitruspflanzen im frostigen europäischen Winter geschützt werden müssen. Die ersten „Pomeranzenhäuser“ waren Holzbauten, die im Herbst auf- und im Frühjahr wieder aufgebaut wurden. Auch an den Habsburger Schlössern in Wien, der Hofburg im Zentrum der Stadt und dem Schloss Schönbrunn als Sommersitz der Habsburger Familie, wurden verschiedene Formen der Überwinterung praktiziert. Die Kultivierung und Überwinterung empfindlicher mediterraner Pflanzen begann im frühen 18. Jahrhundert.

Orangerie Schönbrunn

Agapanthus, Steineibe und Lorbeer genießen ihren Fensterplatz in der Orangerie.

Die Orangerie Schönbrunn wurde unter Kaiserin Maria Theresia Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Ihre Sammlung, die Pflanzensammlung der Habsburger, hatte ihren Ursprung in Pflanzenlieferungen aus Süditalien und dem Osmanischen Reich und wurde sukzessive erweitert. Grund genug, für ausreichend Platz zu sorgen. So wurde die Schönbrunner Orangerie als die zweitgrößte Orangerie Europas nach der Orangerie Versailles schnell über die Stadtgrenzen Wiens hinaus berühmt. Aber nicht nur die Größe der Gebäude, sondern auch die Sammelleidenschaft der Habsburger Herrscher begründete den Ruhm der Orangerie Schönbrunn. Die Pflanzensammlungen wurden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert. Viele Sammelreisen und Expeditionen lieferten Pflanzen nach Schönbrunn. 

Orangerie Schönbrunn

Ein Platz in der Sonne – in der Orangerie Schönbrunn

Mediterrane Pflanzen überwintern – das Vermächtnis der Orangerie

Ein Besuch der Orangerie Schönbrunn lohnt sich nicht nur wegen der hier präsentierten Pflanzen und der schönen Gebäude. Besitzerinnen und Besitzer mediterraner Pflanzen können hier viel über die Überwinterungspraxis erfahren, die heute ca. 300 Jahre Pflanzen- und Überwinterungserfahrung zusammenfasst. Im Zentrum steht die Versorgung der Pflanzen mit Wärme und mit Licht.

Die Orangerie – Schutzraum für Pflanzen

Auffällig und typisch sind die großen nach Südwesten ausgerichteten Fenster. Sie versorgen die Pflanzen mit auch im Winter ausreichendem Licht. Allerdings sind die Lichtverhältnisse nur dann ausreichend oder besser artgerecht, wenn sie auch zu den gebotenen Temperaturen passen. Aber wie konnte man im 18. Jahrhundert ein 185 Meter langes und 10 Meter breites Gebäude beheizen? Die Lösung war und ist bis heute eine Hypokaustenheizung. Diese funktioniert wie eine römische Kanalheizung, bei der warme Luft über ein Kanalsystem verteilt wird und den Ziegelboden erwärmt. So bietet die Orangerie Schönbrunn den Pflanzen mit Hilfe dieser Fußbodenheizung eine durchschnittliche Temperatur von ca. 10° C. Dieser Wert ist ideal für die eingeschränkten Lichtverhältnisse im Winter, denn er versetzt die Pflanzen in eine schonende Winterruhe. 

Orangerie Schönbrunn

Die gestaffelte Aufstellung der Pflanzen versorgt alle mit Licht.

Das A und O – die Pflanzenaufstellung in der Orangerie

Aber nicht nur die Ausrichtung des Gebäudes zum lichtstarken Südwesten, die großen Fenster sowie die Heizung sorgen für den Überwinterungserfolg. Auch die Aufstellung der Pflanzen in der Orangerie trägt dazu bei, dass die Pflanzen im Frühjahr gut aussehen. Je näher eine Pflanze am Fenster steht, umso mehr Lichtenergie bekommt sie. Pflanzen mit großer Lauboberfläche müssen näher am Fenster, am Licht stehen als Pflanzen mit wenig Laub. Weiter spielt natürlich auch die Größe der Pflanzen eine Rolle: In der ersten Reihe am Fenster stehen kleinere Pflanzen, in der hinteren Reihe werden Pflanzen auf Hocker gestellt und so erhöht. Schließlich leistet auch das weiß gestrichene Gewölbe einen Beitrag zur Lichtversorgung, da es mit seiner Wölbung Licht von vorne nach hinten reflektiert.

Orangerie Schönbrunn

Im späten Winter bilden die Kamelien ein Blütenmeer unter Palmwedeln.

Die Pflanzen der Orangerie Schönbrunn 

Bei soviel Überwinterungskunst dürfen die Hauptdarsteller in der Orangerie Schönbrunn nicht zu kurz kommen: die Pflanzen. Diese lassen sich in drei Gruppen einteilen: 

Historische Orangeriepflanzen aus dem Mittelmeerraum

Unter den ältesten Pflanzen verdient die Brautmyrte Maria Theresias besondere Aufmerksamkeit. Auch andere Klassiker mediterraner Pflanzen sind schon lange Gäste in der Orangerie Schönbrunn: Olivenbäume, Feigenbäume sowie die zu Kugeln geschnittenen Lorbeerbäume. Auch blühende Kübelpflanzen gehören zu den ältesten Bewohnern. Oleander, Granatäpfel und die Schmucklilien der Gattung Agapanthus sind langjährige Gäste der Orangerie. Die Hauptdarsteller einer Orangerie – also die Zitruspflanzen- sind übrigens nur im Sommer im Orangeriegarten zu bewundern. Im Winter werden sie in in der Nähe befindlichen Gewächshäusern untergebracht. 

Orangerie Schönbrunn

Auch die hübsche Myrte, gehört zum Pflanzenbestand der Orangerie Schönbrunn.

Exotische subtropische Pflanzen

Eine weitere Gruppe bilden Pflanzen aus den Subtropen, die zum Teil recht selten sind. Diesen Seltenheitswert kann man den bekannten und beliebten Yucca oder den großen Engelstrompeten zunächst nicht bescheinigen. Aber Gewürznelkenbäume, die Keulenlilie (Cordyline), den Macadamia- und den Eisenholzbaum sieht man nicht unbedingt in jedem Schlosspark. Besonders selten ist die aus Japan und China stammende Steineibe (Podocarpus macrophyllus), die ebenfalls zum Bestand subtropischer Pflanzen in Schönbrunn zählt. 

Orangerie Schönbrunn

Die großblättrige Steineibe

Die Obstorangerie

Schließlich ist noch die Obstorangerie Teil des Orangeriegartens. Hier werden alte Obstsorten Österreichs kultiviert und damit erhalten. Zum Bestand gehören Tafel- und Hausäpfel wie etwa der Brünnerling, der Winterkalvill, der Generalsapfel oder die Steierische Schafsnase. 

Praktische Informationen zum Besuch der Orangerie Schönbrunn

Die Orangerie und der Orangeriegarten sind wie das Schloss Schönbrunn Besuchermagnet. Für pflanzenbegeisterte Besucher bietet es sich an, die Orangerie zusammen mit dem Botanischen Garten Schönbrunn zu besuchen, der sich ebenfalls im Schlosspark befindet. Zwar braucht man für die Orangerie eine separate Eintrittskarte, der Preis ist aber erschwinglich. 

Die Öffnungszeiten sind meistens von 9 bis 17 Uhr, im Hochsommer sind sie etwas länger, im Winter etwas kürzer. Der Orangeriegarten, Kronprinzengarten und der Irrgarten sind von 2. November bis Mitte März geschlossen. Entscheidend für den Besuch ist sicher, ob die Pflanzen ein- oder ausgeräumt sind. In den Winter- und frühen Frühlingsmonaten kann man die Pflanzen in der Orangerie sehen und erlebt so die Orangerie „in Aktion“. Ab ca. Mai sind auch die Zitruspflanzen draußen zu bewundern, sie werden im benachbarten Kronprinzengarten präsentiert. Hier lohnt sich ein Besuch ganz besonders. Alljährlicher Höhepunkt sind die Winter Zitrustage, die in der Regel im letzten Maidrittel von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft veranstaltet werden. Sie zeigen nicht nur den großen Bestand an Zitruspflanzen sondern bieten mit einem interessanten Rahmenprogramm auch 

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

Quelle

Faltblatt der Österreichischen Bundesgärten/Ministerium für ein lebenswertes Österreich zur Orangerie Schönbrunn. 

 

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.