Schönheit und Aroma – die Orangenblüte

Die Orangenblüte ist eine der schönsten Blüten im mediterranen Garten. Legendär ist ihr Duft, spektakulär ihr strahlendes Weiß. In diesem Beitrag möchte ich Euch Spannendes über die Blüte berichten, warum sie weiß ist und warum sie duftet. Weiter findet Ihr Reisetipps zur Orangenblüte. Wusstet Ihr, dass Ihr aus Orangenblüten selber Tee zubereiten könnt? Außerdem erfahrt Ihr, Wie Ihr bei einem eigenen Orangenbaum die Orangenblüte genießen könnt. Wenn Ihr darüber hinaus Fragen zur Orangenblüte habt, schreibt doch einfach einen Kommentar am Ende des Beitrags.

Orangenblüte

Im Frühjahr wachsen Blüten und Früchte gleichzeitig am Baum

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Es ist ein Traum, wenn die Orangen im Frühjahr wieder ihren Platz auf der Terrasse einnehmen und das strahlende Weiß der Blüten und das goldene Orange der Früchte vor dem dunklen Grün des Laubs um die Wette leuchten. Diese Farbenpracht aber hat aus Sicht der Orange nur einen Grund: Sie will gesehen werden.

Die Orangenblüte – Aroma und Sex

Die Blüte der Orangen ist wie alle Zitrusblüten eine besondere Schönheit. Sie ist reinweiß und gleichmäßig. Ihre Bestimmung – Förderung der Fortpflanzung, also Sex.

Orangenblüte

Strahlendes weiß mit gelben Pollen – so bezaubert die Blüte der Orangen

Die Blüte besteht aus den großen Kelchblättern, den eigentlichen Blütenblättern. Sie umschließen die für die Pflanze viel wertvolleren Staubblätter, die den Pollen tragen. Im Bild erkennt ihr sie an dem gelben Aufsatz am Ende der dünnen Staubblätter. In der Mitte der Blüte wartet der Stempel der Blüte auf Pollen. Gelangt Pollen auf den Stempel, wird die Blüte befruchtet und es entsteht eine neue Frucht.

Von Bienen und Blümchen – die Fortpflanzung bei der Orange

Wie viele Pflanzen bedient sich die Orange tierischer Helfer, um die eigene Art zu sichern und mit Hilfe von genetisch unterschiedlichen Nachkommen neue Standorte zu erobern.

Selbst- und Fremdbefruchtung

Orangen sind Selbst- und Fremdbefruchter. Kommt es zu keiner Bestäubung durch ein Insekt, befruchtet sich die Blüte in einem komplizierten Verfahren selbst. Aus jeder Blüte wird also eine Frucht und auf diese Weise ist sicher gestellt, dass die Pflanze viele Früchte trägt. So bleibt sie attraktiv für Tiere, die die Früchte fressen und auf diese Weise die Kerne zu einem neuen Standort bringen sollen.

Orangenblüte

An den noch geschlossenen Blütenblättern erkennt man als winzige Punkte die Öldrüsen der Orangenblüte.

Fremdbefruchtung erhöht die Vielfalt

Um die Vielfalt des Genoms und damit die Überlebensfähigkeit der Art zu steigern, hat die Natur aber die Fremdbestäubung entwickelt. Insekten, die Nektar sammeln, fliegen von attraktiver Blüte zu attraktiver Blüte und übertragen den Pollen von der einen zur anderen. Es kommt zur Befruchtung durch denPollen einer fremde Pflanze und damit zu mehr Vielfalt unter den Orangen.

Gesehen und gerochen werden

Damit die Fremdbefruchtung zur Erhöhung der genetischen Vielfalt funktioniert, muss sich die Orange bei den tierischen Helfern bemerkbar machen. Um das zu erreichen, hat sie zunächst die schneeweißen Blüten vor dunkelgrünem Laub entwickelt. Diese leuchtenden Blüten kann so schnell kein Insekt übersehen. Doch auch der Duft spielt eine Rolle bei der Anwerbung von Bestäubern.

Zitruspflanzen sind in der Bestäubung „Opportunisten“ – sie nehmen, was sie kriegen können. Um nicht nur tagsüber Insekten zur Bestäubung anzulocken, setzen sie für die Abend- und Nachtstunden ihre Öldrüsen ein, um das berühmte und beliebte Orangenaroma zu verbreiten. Botaniker haben herausgefunden, dass die Duftproduktion in den Abend- und Nachtstunden intensiver ist als tagsüber. Das Aroma ist also ein Signal für nachtaktive Insekten.

Schließlich ist auch die Farbe der Frucht ein Signal, das die Fortpflanzung befördern soll. Diesmal geht es darum, dass Tiere die Früchte finden und fressen. Auf diese Weise nehmen die Tiere die Kerne auf, transportieren sie unfreiwillig zu einem anderen Standort und scheiden sie dort wieder aus. Die Fortpflanzung und die Besiedlung eines neuen Standorts ist der Orange gelungen!

Zur Orangenblüte reisen

Heute werden Orangen überwiegend durch den Menschen vermehrt. Sie ist schon seit Jahrhunderten eine der wichtigsten Obstpflanzen und wird entsprechend gezüchtet und vegetativ – dh. durch Veredelung- vermehrt. Aber auch wenn die natürliche Fortpflanzung der Orangen eine geringere Rolle spielt, ist die Blütenpracht der Orangen nach wie vor ein toller Grund, um zur Orangenblüte zu reisen.

Die Orangenblüte nördlich der Alpen

Auch nördlich der Alpen werden Orangen seit Jahrhunderten bewundert. Mit den Orangerien wurden ihnen sogar kleine „Paläste“ in den Parks vieler Schlösser errichtet. Dort finden wir auch heute noch tolle Orangen- und Zitrussammlungen, die man nicht nur zur Zeit der Orangenblüte besuchen kann. Die Zeit der Orangenblüte ist hierzulande im April und Mai.

Besonders sehenswert sind die Orangerien von Schloss Seehof bei Bamberg, von Schloss Pillnitz bei Dresden und in Österreich die Orangerie von Schloss Schönbrunn. Dort finden auch alljährlich die Wiener Zitrustage statt.

Zur Orangenblüte ins Tal der Orangen

Um die Orangenblüte im Freiland erleben zu können, müsst Ihr etwas weiter reisen als nach Wien. Vor allem in Spanien ist die Region Valencia eines der wichtigsten Anbaugebiete für Orangen. Wenn es aber so etwas wie einen „Orangen Hauptstadt“ gibt, ist das aus meiner Sicht die Stadt Soller auf Mallorca. Im so genannten „Tal der Orangen“ gelegen, zelebrieren die Orangenbauern von Soller alljährlich im März die Freude über die Orangenblüte. Hier findet Ihr Reisetipps für einen Besuch in Soller.

Orangenblüten genießen

Der Duft der Orangenblüte ist eine herrliche Kombination aus frischen Zitrusaromen und einem mild-schweren vanilleähnlichen Duft. Kein Wunder, dass diese Aromen schon bei den Arabern hoch im Kurs standen. Als diese Zitrusfrüchte im Mittelalter aus Südostasien zunächst in den arabischen Raum und später nach Europa brachten, standen weniger die Früchte sondern vielmehr der Duft der Orangenblüten im Vordergrund.

Die Orangenblüte hat also eine besondere Wirkung auf ihre Umgebung. Sie belebt, erfrischt und beruhigt zugleich und sie vermittelt das Gefühl von Frühling und Frische. Diese Wirkung könnt Ihr genießen, indem Ihr den Orangenduft entweder als Raumduft oder als Parfüm einsetzt. Ihr könnt aber auch Orangenblütentee herstellen, mit dem sich sich das Aroma der Orangenblüte als Getränk genießen lässt.

Dazu nehmt Ihr einfach drei Esslöffel getrocknete Orangenblüten und einen Teelöffel Orangenblütensaft und übergießt dieses mit heißem Wasser. Das Ganze lässt sich geschmacklich noch verfeinern, indem Ihr Minze zerschneidet und in den Tee gebt. Auch Vanille in Form einer zerbrochenen Vanillestange macht sich hervorragend in Ergänzung zum Geschmack der Orangenblüte.

Orangenblüten und Orangen selbst ernten

Der Genuss ist noch einmal um vieles größer, wenn Ihr Eure Orangen und Orangenblüten selbst erntet. Dazu braucht Ihr einen Orangenbaum, einen vollsonnigen und warmen Standort für Frühjahr, Sommer und Herbst und schließlich einen frostfreien, hellen und kühlen Standort für den Winter. Leider ist der Orangenbaum nicht winterhart, so dass die Überwinterung in einem geschlossenen Raum erfolgen muss.

Wo Ihr einen Orangenbaum kaufen könnt

Schöne Orangenbäume könnt Ihr beim Fachhandel kaufen. Pflanzen aus Baumärkten oder Supermärkten kann ich nicht empfehlen, da häufig die Pflege im Markt nicht optimal ist. Achtet darauf, dass der Händler verschieden Zitruspflanzen und andere mediterrane Pflanzen anbietet. So ist sichergestellt, dass er sich mit diesen Pflanzen auch auskennt.

Ihr solltet auch darauf achten, dass ein Orangenbaum, den Ihr kauft, bereits Knospen, Blüten oder Früchte trägt. Es werden auch Pflanzen mit geringerer Qualität angeboten. Dort fehlen dann die Orangenblüten und Ihr müsst unter Umständen lange darauf warten. Der beste Zeitpunkt für den Kauf ist Anfang April. Dann kann sich der Orangenbaum draußen bei Euch akklimatisieren.

Orangenbäume gießen und düngen

Wenn man einen Orangenbaum besitzt, stellt man rasch fest, dass dieser -bis auf die Überwinterung- pflegeleicht ist. Der Orangenbaum sollte nur dann gegossen werden, wenn die obere Hälfte der Erde abgetrocknet ist. Da er aber wenig Wasser verbraucht, dauert es eine Zeit, bis die Erde abgetrocknet ist. Im Schnitt braucht der Orangenbaum im Sommer nur einmal pro Woche Wasser. Dann aber solltet Ihr ausgiebig gießen, damit das Wasser auch die Wurzeln erreicht. Die Feuchte überprüft Ihr am Besten mit einem Feuchtigkeitsmesser* oder mit den Fingern.

Als Kübelpflanze kann der Orangenbaum nur wenig Nährstoffe aus der Umgebung beziehen. Daher ist im Sommer eine regelmäßige Düngung mit einem Zitrusdünger erforderlich. Die Düngung erfolgt etwa von Mai bis August.

Orangenbäume überwintern

Die Überwinterung der Orangenbäume sollte im November beginnen und etwa Anfang April enden. Das Winterquartier kann ein Kaltwintergarten, ein Gewächs- oder Gartenhaus oder auch ein unbeheizter Treppenflur sein. Wenn es im Überwinterungsquartier kühl ist, ist die Orange in der Vegetationsruhe und kommt auch mit weniger Licht aus.

Im kühlen Herbst und Winterquartier reifen die Orangen, dh. sie bekommen ihre charakteristische Farbe. In der Regel bleibt die Orange als Frucht bis zum nächsten Frühjahr am Baum. Dann bilden sich auch die neuen Orangenknospen und die Orangenblüte. Diese könnt Ihr dann nach dem Ende der Überwinterung Anfang April auf Balkon und Terrasse genießen.

Wenn Ihr übrigens etwas über Orangensorten erfahren möchtet, dann solltet Ihr mal in diesen Beitrag schauen.

Fotos und Text. Dr. Dominik Große Holtforth

 

 

 

 

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.