Den Orangenbaum überwintern – Winterschutz und -pflege

Wenn ihr einen Orangenbaum überwintern wollt, dann solltet ihr vorher die Bedürfnisse des Orangenbaums während der Winterzeit kennen. In diesem Beitrag möchte ich erklären, worauf es bei der Überwinterung des Orangenbaums ankommt. Es geht um den Zusammenhang zwischen Temperatur und Licht, wie das ideale Überwinterungsquartier aussieht, wie Ihr den richtigen Zeitraum für die Überwinterung bestimmt und wie Ihr den Orangenbaum im Winter pflegen müsst. 

Orangenbaum überwintern

Am Gardasee überwintern die Orangenbäume in der Limonaia

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Orangenbaum überwintern – die Grundlagen

Für die Überwinterung der Orangenbäume wurden im Barock und Rokoko prächtige Orangerien gebaut. Es gibt also eine jahrhundertealte Erfahrung, wie man hierzulande einen Orangenbaum überwintern muss. Natürlich kann nicht jeder eine Orangerie für seinen Baum errichten, aber die Prinzipien, die bei der Orangerie zur Anwendung gekommen sind, sollten heute noch unbedingt beachtet werden.

Orangenbaum überwintern

Eine üppige Blüte ist Resultat guter Pflege und Überwinterung beim Orangenbaum.

Ein Orangenbaum ist wie andere Zitruspflanzen eine Pflanze, die aus den Subtropen stammt. Sie ist also intensive Sonneneinstrahlung gewöhnt. Zu der Sonneneinstrahlung gehören warme, angenehme Temperaturen. An diese klimatischen Standort und Licht Verhältnisse haben sich die Zitruspflanzen wie der Zitronenbaum oder Orangenbaum über einen langen Zeitraum angepasst. Wenn ich hierzulande einen Orangenbaum auf dem Balkon oder Terrasse stellen, kommt dieser im Frühjahr, Sommer und Herbst mit der Anzahl der sonnigen und warmen Tagen zurecht.

Allein der Winter bereitet Probleme. Das Licht wird deutlich schwächer und – noch gravierender – die Temperaturen sinken unter den Gefrierpunkt. Da der Orangenbaum nicht an solch tiefe Temperaturen angepasst ist, müsst Ihr ihn davor schützen. Der Orangenbaum -botanisch Citrus sinensis– ist nicht winterhart.

Der Schutz vor den Minustemperaturen ist aber gar nicht problematisch. Jeder hat ja in der Regel Räume, die frostfrei sind. Das Problem ist nur, dass diese Räume so garnicht den üblichen Lichtverhältnissen des Orangenbaums entsprechen. Sie sind warm und gleichzeitig dunkel. Das geringe Sonnenlicht, das es noch im Winter gibt, gelangt nur spärlich durch doppelt verglaste Fenster in die Wohnräume. Dort kommt nur ein Bruchteil der ohnehin schon geringen Lichtenergie an.  Der Stoffwechsel des Orangenbaums kommt mit dieser Kombination aus Dunkelheit und Wärme nicht zurecht. Er reagiert darauf mit Verlust der Blätter. Diesen Verlust aber gilt es zu verhindern.

Orangenbaum überwintern

Im Winter werden die Orangen reif.

Das ideale Winterquartier des Orangenbaums

Das ideale Winterquartier, in dem man einen Orangenbaum überwintern kann, ist kühl und hell. Hier erfahrt Ihr, was „kühl“ und „hell“ bedeutet. 

Die Temperatur

Kühl bedeutet, dass die Temperatur zwischen 5° und 10 °C liegen sollte, wenn man einen Orangenbaum überwintern will. Bei dieser für den Orangenbaum sehr niedrigen, aber gut verträglichen Temperatur, fährt die Pflanze den Stoffwechsel herunter. Erst bei 12 – 15 °C intensiviert sich der Stoffwechsel, den man bei Pflanzen Vegetation nennt, wieder. Durch die Winterruhe, die sogenannte Dormanz, die mit kühlen Temperaturen verbunden ist, sinkt auch der Anspruch des Orangenbaums an die Standortfaktoren. Allen voran sinkt das Bedürfnis des Orangenbaums in Bezug auf Lichtintensität. Diese spielt im Zusammenhang der Fotosynthese für den Stoffwechsel der Pflanze eine große Rolle. Wenn der Orangenbaum aber in der Winterruhe ist, kommt er auch mit weniger Licht zurecht. Aber Vorsicht: der Orangenbaum braucht trotz kühler Temperaturen immer noch vergleichsweise helle Lichtverhältnisse. 

Orangenbaum überwintern

Vor der Überwinterung kann man die Orangen ernten oder -weil es sehr schön aussieht- am Baum lassen.

Das Licht

Denn der Orangenbaum gilt als lichthungrig. Das heißt, dass  dieser auch im Winter im kühlen Winterquartier eine Lichtquelle mit hoher Intensität benötigt. Um dieses zu bestimmen ist der sogenannten Lux Wert wesentlich. Mit Lux messen wir die Lichtenergie, den Lumenwert, pro Quadratmeter. Bei dem vorgeschlagenen Temperaturspektrum von 5° – 10° C wird mindestens einen Luxwert von ca. 1500 lx benötigt. Für diesen Wert braucht ihr in den eher trüben deutschen Wintern eine Tageslichtquelle, also ein Fenster oder mehrere Fenster  in südlicher oder südwestlicher Ausrichtung.

Wenn Fenster nicht vorhanden oder klein sind oder nur eine nördliche Ausrichtung vorhanden ist, dann müsst ihr die Pflanze mit künstlichem Licht beleuchten. Als künstliches Licht kommt etwa eine kaltweiße Leuchtstoffröhren in Frage. Im künstlichen Licht müsst Ihr den Tag-Nacht-Zyklus im Winter abbilden und den Orangenbaum mit 8 Stunden am Tag beleuchten.  Wenn ihr mehrere Pflanzen habt, lohnt sich die Anschaffung eines Luxmeter, mit dem ihr die Lichtintensität in eurem Winterquartier messen könnt.

Ins richtige Licht gesetzt  – die Beleuchtung des Orangenbaums

Häufig gibt es Probleme bei der Überwinterung von mediterranen Pflanzen wie dem Orangenbaum, weil die Pflanze nicht ausreichend beleuchtet wird. Ein Orangenbaum benötigt direkten Lichteinfall auf seinen Blättern, diffuses Streulicht reicht nicht aus. Ist die Lichtquelle ein Fenster müsst Ihr Euch genau ansehen wie die Sonne verläuft und durch das Fenster scheint. Der Orangenbaum muss dann so platziert werden, dass die Krone und damit die Blätter direktes Sonnenlicht erhalten. Beim Einsatz einer Energie-Pflanzenlampe* oder LED-Pflanzenlampe* sollte der Lichtkegel der Lampe so ausgerichtet sein, dass die gesamte Krone beleuchtet wird. Je nach Breite des Lichtkegels ist ein Abstand zwischen Lampe und Krone von 30 bis 50 cm ausreichend. Eine Lampe mit reflektierendem Schirm hat den Vorteil, dass kein Licht als seitliches Streulicht verloren geht, sondern die Pflanze komplett beleuchtet wird.

Mögliche Quartiere

eine Vielzahl von Räumen, die für die Überwinterung des Orangenbaums Infrage kommen. Diese sind:

  • ein Kalt-Wintergarten
  • Gewächshaus
  • Überwinterungzelt
  • ein ungeheiztes Treppenhaus
  • andere unbeheizte Nebenräume
  • ein Gartenhaus.
Orangenbaum überwintern

Ein ideales Winterquartier – wohl dem, der ein Gewächshaus besitzt.

Häufig wird auch versucht, in nur geringen beheizten Wohnräumen wie dem Schlafzimmer einen Orangenbaum zu überwintern.  Regelmäßig ist aber dort auch trotz gedrosselter Heizungen die Temperatur aufgrund guter Isolierung des Hauses recht hoch. Dann ergibt sich das Problem des fehlenden Lichts und des einsetzenden Blattabwurfs. Wenn euer Winterquartier nicht kühl ist, müss Ihr die höheren Temperaturen durch mehr Licht ausgleichen. Dieses erreicht Ihr, indem Ihr den Orangenbaum ganz nahe an das Fenster stellt. Das Fenster darf nicht mit Gardinen verdeckt sein. Auch dürfen nicht weitere Hindernisse den Orangenbaum beschatten. Er benötigt tatsächlich so viel direktes Sonnenlicht wie möglich und zwar direkt auf seine Blätter.

Der Zeitraum für die Überwinterung

Wenn es draußen friert, muss der Orangenbaum vor Frost geschützt werden. Wann Frost einsetzt, ist je nach Region unterschiedlich. In milden Regionen können Orangenbäume bis in den November draußen stehen, während in kalten Regionen schon Anfang November Fröste auftreten können. Dort sollte die Überwinterung bereits Ende Oktober beginnen.

Für das Auswintern solltet Ihr keineswegs die Eisheiligen abwarten. Vielmehr ist nach meinen Erfahrungen bereits Anfang April in milden Regionen und Ende April bis Anfang Mai in kalten Regionen Zeit für das Auswintern der Orangenbäume.

Die Pflege des Orangenbaums im Winter

Wenn der Orangenbaum ganz kühl steht, gibt es eigentlich nur wenige Pflegethemen. Die Erde sollte ganz leicht feucht gehalten werden. Das gelingt aber in der kühlen Überwinterung nach meiner Erfahrung von selbst.  Der Orangenbaum bringt vom Sommerstandort noch genug Restfeuchte mit, die Ihr dann ein wenig ergänzen müsst, wenn der Orangenbaum im Winterquartier die Blätter einrollt. Gießt aber nur ganz sparsam, da kühle Wurzeln mit viel Wasser nach meiner Erfahrung nicht so gut zurecht kommen. Auf die Düngung könnt Ihr ganz verzichten, denn der Orangenbaum wächst  ja nicht.

Eine Pflegearbeit im Winter ist das Umtopfen des Orangenbaums, das ca. alle 2-3 Jahre ansteht. Dies erfolgt im Februar oder März. Der Orangenbaum wird dabei in einen neuen größeren Topf gesetzt. Dieser muss unbedingt Abflusslöcher haben, so dass in Verbindung mit einer lockeren durchlässigen Erde für ausreichenden Wasserabfluss gesorgt ist. Ebenfalls im späten Winter werden, wenn es überhaupt nötig ist, moderate Schneidearbeiten durchgeführt. Da Zitruspflanzen immergrün und  hierzulande langsam wachsende Pflanzen sind, ist der Bedarf an Schneidearbeiten sehr gering. Auf gar keinen Fall darf ein gesunder gut erlaubter Orangenbaum deutlich zurückgeschnitten werden. Nur abgestorbene Äste und Zweige müssen in jedem Fall vollständig entfernt werden.

Orangenbaum überwintern – die Pflegeprobleme

Blattfall ist das Hauptproblem in der Überwinterung beim Orangenbaum. Der Orangenbaum verliert Blätter in zwei typischen Situationen:

Blattfall im frühen Winter

Im frühen Winter wird es draußen dunkler, so dass das Tageslichtangebot zurückgeht. Steht eine Pflanze dann zu warm, benötigt sie eigentlich mehr Licht, da sie die Wärme in die Vegetation versetzt. Zur Vegetation gehört auch das Ausatmen von CO2. Allerdings ist die Wiederaufnahme von CO2 im Rahmen der Photosynthese eingeschränkt, da ja das Licht fehlt. Im Ergebnis wird das Laub reduziert, um die Atmung und damit die Abgabe von CO2 zu begrenzen.

Blattfall im späten Winter

Im späten Winter ist ein umgekehrter Fall typisch: die stärker werdende Sonne erwärmt die Blattoberflächen, die Wurzeln sind aber noch kühl, wenn man den Orangenbaum überwintern muss. Die warme Blattoberfläche signalisiert Verdunstung von Wasser, die aber nicht stattfinden kann, da die Wurzeln noch zu kalt sind. Auch in diesem Ungleichgewicht wird dieses durch Blattabwurf ausgeglichen

Schädlinge im Winterquartier

Auch Schädlinge können auftreten, wenn man den Orangenbaum überwintern will. Typisch sind

  • Schildläuse
  • Wollläuse
  • Spinnmilben.

Besonders anfällig sind Zitruspflanzen für Schädlinge in der warmen Überwinterung. Dort fühlen sich die Schädlinge eben sehr wohl. Ein Grund mehr, für eine kühle Überwinterung zu sorgen.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.