Olivenbaum überwintern – 5 Regeln für die Überwinterung

Olivenbäume sind beliebt, aber häufig fehlt es an Erfahrungen, wie man den Olivenbaum überwintern muss. Daher möchte ich hier über meine Erfahrungen aus zahlreichen Beratungen berichten, bei denen Olivenbaumbesitzer mir Ihre Überwinterungsprobleme geschildert haben. Daraus habe ich 5 Regeln für die Umsetzung der richtigen Standortfaktoren für den Olivenbaum abgeleitet. 

Olivenbaum überwintern

Ein Olivenbaum überwintert zwischen Lorbeer und Phoenixpalmen

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Der Olivenbaum – ein robuster Exot vom Mittelmeer

Olivenbäume sind die Stars im mediterranen Garten. Immer mehr Gartenbesitzer trauen sich, einen Olivenbaum auf die Terrasse zu stellen oder gar auszupflanzen. Das geht, denn ein Olivenbaum (botanisch: Olea europaea) gilt als bedingt winterhart. Er toleriert also unter bestimmten Bedingungen Frost bis zu -10° C. Was zunächst einmal positiv klingt, ist tatsächlich eine Herausforderung. Bei einem Zitronenbaum zB. – einer ähnlich beliebten mediterranen Pflanze- kann die Frage der Überwinterung sehr eindeutig und ohne Vorbedingungen beantwortet werden. Der Zitronenbaum ist nicht winter- und frosthart und muss in einem geschütztem Raum überwintern. Beim Olivenbaum dagegen ist die Versuchung groß, ihn wie eine normale Gartenpflanze zu behandeln. Das ist ein Fehler, wie sich in vielen Fällen herausgestellt hat. 

Olivenbaum überwintern

Ein Olivenbaum an seinem mediterranen Standort in Spanien – Klima und Boden sind trocken

Dabei zeigt ein Blick auf typische mediterrane Standorte sofort, wo das Problem liegt. Klima, Wetterbedingungen und Böden in vielen Bereichen rund um das Mittelmeer sind nicht vergleichbar mit den nassen und kalten Bedingungen hierzulande. Olivenbäume haben sich an diese trockene Klimazone angepasst, nicht aber an nasskalte Bedingungen. Den Olivenbaum überwintern kann man aber trotzdem im nasskalten Deutschland – wenn man sich an einige Regeln hält. 

Den Olivenbaum überwintern – Regeln für die Überwinterung

Bei der Olivenbaum Überwinterung kann man sehr viel über mediterrane Pflanzen und die Rolle von Standortfaktoren lernen. So sind die fünf Regeln, die ich für die Überwinterung von Olivenbäumen empfehlen möchte, Ergebnis meiner Erfahrungen. 

Olivenbaum überwintern

Wenn der Schnee nicht zu kalt ist, kommt der Olivenbaum damit gut zurecht.

Regel Nr. 1 – Das Minimum, nicht der Durchschnitt entscheidet

Wenn man einen Olivenbaum überwintern will, ist es falsch, sich am Durchschnitt der Wintertemperatur zu orientieren. Es läge nahe, von im Zuge des Klimawandels steigenden Temperaturen auszugehen und daraus Winterhärte für den Olivenbaum abzuleiten. Es reicht aber eine sehr kalte Nacht oder eine lang andauernde Frostperiode, um den Traum von der Winterhärte und vom Olivenbaum als Gartenpflanze zu zerstören. Man muss sich also am Temperaturminimum orientieren, wenn man über die Überwinterung drinnen oder draußen entscheidet. Nur dort, wo die Temperatur mit großer Wahrscheinlichkeit nicht oder nur ganz selten unter -10° C liegt, kann ein Olivenbaum draußen überwintern. 

Olivenbaum überwintern

Eisiger Frost – wie hier an der Blüte des Mittelmeerschneeballs – kann auch dem Olivenbaum zusetzen.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die kalten Winter 2008 und 2009, denen einige sehr milde Winter voraus gegangen waren. Diese kalten Winter haben so manchem voll Optimismus ausgepflanzten Olivenbaum stark geschädigt. Im Ergebnis führt die erste Regel dazu, dass der Olivenbaum in wenigen sehr milden Regionen draußen überwintern kann. Dazu gehört der Niederrhein, Weinbaugebiete und Flusstäler, wo Flüsse als Warmwasserheizung wirken, sowie Regionen im Südwesten. Dort, wo das Klima kontinental-kalt ist oder aufgrund von Höhenlagen kälter, ist es auf Dauer schwer, einen Olivenbaum draußen zu überwintern. 

Olivenbaum überwintern

In milden Küstenregionen – wie hier in Amsterdam- können Olivenbäume ganzjährig draußen bleiben.

Regel Nr. 2 – Der Schutz vor Nässe ist genau so wichtig wie der Schutz vor Kälte

Olivenbäume haben sich im Mittelmeerraum, Nordafrika und Kleinasien an ein trocken-heißes Klima, aber auch an kältere Tiefsttemperaturen in Höhenlagen angepasst. Eine Wetterlage aber ist ihnen ziemlich fremd: dauerhaft feuchtes oder nasses Wetter und die damit verbundene Sättigung des Bodens mit Feuchtigkeit. Gerade nasse Sommer in Deutschland haben gezeigt, dass Nässe den Olivenbäumen in manchen Fällen sogar stärker zusetzt als Kälte. Besonders problematisch kann es werden, wenn Olivenbäume überwintern und draußen mit viel Regen konfrontiert sind. Aufgrund niedriger Temperaturen wird wenig Wasser verdunstet, so dass die Erde im Topf immer feuchter wird. Im schlimmsten Fall entsteht Staunässe, die den Baum schwer belastet. Wenn der Olivenbaum gelbe Blätter bekommt, ist das häufig ein Anzeichen für zuviel Nässe.

Olivenbaum überwintern

Werden Olivenbäume zu nass, färben sich die Blätter gelb.

Insofern ist ein Schutz vor Nässe genauso wichtig wie ein Schutz vor Kälte. Ideal ist sicher eine Überdachung, die den Olivenbaum wirksam vor Nässe schützt. Wenn eine solche Überdachung etwa unter einem Balkon nicht zur Verfügung steht, dann sollte wenigstens der Topf eingepackt werden. So kann verhindert werden, dass zuviel Wasser in die Erde kommt. 

Regel Nr. 3 – Junge Olivenbäume akklimatisieren sich

Wenn Ihr einen Olivenbaum überwintern wollt, solltet Ihr nicht vergessen, dass Olivenbäume Individuen sind. Zunächst einmal gibt es winterhärtere Sorten, die das Klima hierzulande besser verkraften als Sorten aus dem südlichen Teil des Mittelmeerraums.  Eine gute Übersicht über Olivensorten und ihre Herkunftsländer findet Ihr in dieser Liste

Neben der Sorte ist das Alter eine wichtige Größe für die Winterhärte der Olivenbäume. Junge Bäume können sich eher an einen neuen Standort als alte Bäume. Außerdem ist es ökologisch und kulturell schwierig, wenn alte Olivenbäume, die über hundert Jahre in wasserarmen Regionen gewachsen sind, nach Deutschland verfrachtet werden. Der wunderbare Film „El Olivo“ zeigt dieses Problem. Ein guter Kompromiss ist, einen jungen Olivenbaum von einer versierten Baumschule zu kaufen. Diese kann auch eher etwas über die wichtige Frage der Sorte sagen als so mancher auf Discounniveau arbeitender Händler. 

Olivenbaum überwintern

Jüngere Olivenbäume akklimatisieren sich besser und können so eher draußen überwintern.

Wenn über einige Winter gute Erfahrungen mit dem Olivenbaum und der Überwinterung draußen gesammelt wurden, kann in den wintermilden Regionen an einen geschützten Standort der Olivenbaum in den Garten gepflanzt werden. Ich habe aber bis heute darauf verzichtet, da ich mit der Kübelkultur gute Erfahrungen gesammelt habe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich den Olivenbaum im Winter draußen geschützter aufstellen kann als im Sommer. 

Regel Nr. 4 – Auf das Winterquartier kommt es an

Wenn ihr den Olivenbaum überwintern wollt, ist es in vielen Fällen besser ihn als Kübelpflanze durch den Winter zu bringen. Dann kann man ihn von November oder Dezember bis zum April in ein kühles, helles und vor allem trockenes Winterquartier stellen. Dort ist der Olivenbaum bei einer Temperatur um 5° C in einem wohltuenden „Winterschlaf“. Bei einer Temperatur unter 12° C reduziert sich der Stoffwechsel des Olivenbaums und er kommt auch mit dem schwächeren Winterlicht zurecht. 

Olivenbaum überwintern

Ein Gewächshaus ist ein ideales Winterquartier für den Olivenbaum.

Als Winterquartiere muss man also einen Raum finden, der nicht beheizt aber frostfrei ist. Da die Häuser und Wohnungen immer  besser isoliert sind, fällt es zumindest in neuen oder modernisierten Gebäuden schwer, ein Winterquartier zu finden. Den Olivenbaum in der Wohnung oder im Wohnzimmer zu überwintern, ist keine gute Lösung. Dort ist es regelmäßig zu dunkel, zu warm und die Luft zu trocken.

In Mehrfamilienhäusern ist das unbeheizte Treppenhaus der Klassiker der Pflanzenüberwinterung. Mittlerweile eine gute Alternative sind Überwinterungszelte*, die auf Terrasse oder Balkon aufgestellt werden können. Zusammen mit einem Frostwächter* können die Zelte als ein kühles und trockenes Quartier und Winterschutz* für den Olivenbaum genutzt werden. Wichtigste Herausforderung ist die Lüftung, wenn im späten Winter die Sonne wieder stärker wird. Dann wärmt die Sonne die Luft, während die Wurzeln noch kalt sind. Wenn nicht gelüftet wird, ist Blattverlust vorprogrammiert. 

Olivenbaum überwintern

Überwinterungszelte sind eine gute Alternative, wenn man einen Olivenbaum überwintern will.(Foto: A. Böhm)

Regel Nr. 5 – Der Winter bestimmt den Sommer

Wenn man einen Olivenbaum überwintern will, hat man also viele Möglichkeiten. Die richtige Überwinterung hängt von der Kenntnis über die Anforderungen der Oliven an den Standort und über die regionalen Standortbedingungen ab. Die Wetterverhältnisse in Eurer Region könnt Ihr nicht anpassen, sehr wohl aber wie Ihr den Olivenbaum überwintern könnt. 

Die Überwinterung der mediterranen Pflanzen ist entscheidend für das langjährige Gedeihen und den Erfolg mit den Pflanzen. Nur wenn der Olivenbaum gut durch den Winter kommt, kann er in der für ihn kurzen Wachstumszeit hierzulande blühen und Früchte bilden. Wenn Euch das gelingt und Ihr eigene Oliven ernten könnt, dann habt Ihr alles richtig gemacht. 

Olivenbaum überwintern

Olivenbaum Blüten bilden sich in zahlreicher Form entlang der Blattachsen.

Glücklicher Weise ist die Olive sehr robust und verkraftet auch schon mal Rückschläge. Typische Pflegeprobleme sind abgefallene Blätter oder Blätter, die aufgrund von Nässe gelb werden. Häufig stellt sich auch die Augenfleckenkrankheit ein, die aber nicht lebensbedrohlich ist. Schwierig sind nach meiner Erfahrung häufig selbst zusammengestellte Überwinterungskonstruktionen, bei denen die Bäume luft- und lichtdicht eingepackt werden. Auch eine so genannte Wurzelheizung für den Olivenbaum oder eine Heizspirale, die um den Stamm gewickelt wird, hat ziemlich wenig mit den natürlichen Standortbedingungen von Oliven im Winter zu tun. Der Olivenbaum braucht auch im Winter ein Mindestmaß an Luftbewegung. Und nicht der harte Stamm muss vor Kälte geschützt werden sondern die viel empfindlicheren Blätter. 

Die Pflege des Olivenbaums im Sommer

Auch wenn es aufwändig erscheint, einen Olivenbaum überwintern zu wollen: es lohnt sich. Das gilt auch deswegen, da der Olivenbaum im Rest des Jahres sehr pflegeleicht ist. 

Den Olivenbaum gießen und düngen

Da er an trockene Klimazonen angepasst ist, kommt der Olivenbaum mit ganz wenig Wasser sehr gut zurecht. Ich kontrolliere die Feuchte im Kübel meines Olivenbaums mit einem Feuchtigkeitsmesser*. Damit stelle ich regelmäßig fest, dass für den Olivenbaum offensichtlich Regen und Luftfeuchte häufig ausreicht. Wenn es nicht gerade warm und windig ist, kommt der Olivenbaum im Schnitt mit wöchentlichem Gießen gut zurecht. 

Neben dem Gießen ist beim Olivenbaum als Kübelpflanze eine regelmäßige Düngung nötig. Da im Kübel nur wenige Nährstoffe aus verrottendem Pflanzenmaterial ankommen, muss während der Wachstumszeit von Mai bis August gedüngt werden. Als Dünger verwende ich mit gutem Erfolg einen Zitrusdünger, der ein breites Spektrum an Spurenelementen hat. 

Den Olivenbaum schneiden und umtopfen

Immergrüne und eher langsam wachsende Pflanzen darf man in der Regel nur moderat schneiden. Idealer Zeitpunkt für diesen Schnitt ist der späte Winter, typischer Weise vor der Beendigung der Winterzeit im Winterquartier. Es reicht, wenn ihr Krone in Form bringt. Beim äußeren Kronenschnitt wird der Umriss geglättet oder abgerundet. Beim inneren Kronenschnitt werden quer wachsende Zweige oder solche, die sich kreuzen, entfernt. Der jeweils schwächere Zweig muss dann entfernt werden. 

Auch das Umtopfen ist alle zwei bis drei Jahre vor allem bei jüngeren Olivenbäumen eine wichtige Pflegemaßnahme. Beim Umtopfen ist wie beim Überwintern des Olivenbaums eine Orientierung an den Bedingungen in der Ursprungsregion üblich. Dort wachsen Oliven hervorragend in trockenen, eher sandigen Böden. Diese haben eine hohe Durchlässigkeit. Insofern ist neben den Abflusslöchern im Topf eine durchlässige Erde ein zentraler Erfolgsfaktor. Ihr könnt Olivenerde kaufen oder selbst mischen. In diesem Fall könnt Ihr Komposterde mit Kokosfasern (anstelle von Torf) und Sand mischen. 

Pflegeprobleme beim Olivenbaum

Typische Pflegeprobleme beim Olivenbaum sind, wenn der Olivenbaum während der Überwinterung Blätter verliert oder die Blätter gelb werden. Beide Probleme hängen häufig mit der Überwinterung zusammen. Wenn ein Olivenbaum in der Wohnung warm und dunkel überwintern soll, ist Blattverlust häufig vorprogrammiert. Die Blätter werden gelb, wenn die Erde zu nass ist und Staunässe droht. Gelbe Blätter sind ein wichtiges Warnsignal, das man auf jeden Fall ernst nehmen soll. 

Wenn Ihr Pflegeprobleme habt, könnt Ihr mir gerne auch ein Foto an post@mein-mediterraner-garten.de mailen. 

Fotos (sofern nicht anders angegeben) und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.