Nerium oleander – pflegeleichter Kübelstar vom Mittelmeer

Er gehört zur Mittelmeerflora wie Oliven- und Feigenbäume – Nerium Oleander, den wir meist kürzer als Oleander bezeichnen. Damit ihr auch nördlich der Alpen die tollen Blüten des Oleanders genießen könnt, möchte ich von meinen Erfahrungen mit dieser pflegeleichten Kübelpflanze berichten. Es geht dabei um den richtigen Standort, die Überwinterung, sowie Gießen, Düngen, Schneiden und Umtopfen beim Oleander. 

Nerium Oleander

Ein Oleander sieht immer gut aus, auch als „Grenzpflanze“ zusammen mit Mauern und Zäunen.

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Wissenswertes zu Nerium Oleander

Nerium Oleander ist ein immergrüner blühender Strauch, der in vielen Ländern am Mittelmeer ganze Straßenzüge begrünt und um Gärten als Heckenpflanze wächst. Es ist seiner unermüdlichen Robustheit zu verdanken, dass diese tolle Pflanze auch hierzulande zu den beliebtesten Kübelpflanzen gehört.

Mediterranes Original – die Herkunft des Oleanders

Die für die Pflege wichtigste Information ist das natürliche Verbreitungsgebiet einer Pflanze, denn damit erhält man Informationen über die natürlichen Standorte. Der Oleander ist eine echte mediterrane Pflanze, dh. sein Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika bis in den nördlichen Mittelmeerraum. Das große Verbreitungsgebiet zeigt, dass der Oleander eine eher flexible Pflanze und bei den Standortfaktoren eher tolerant ist.

Nerium Oleander

Das Markenzeichen des Oleanders – hübsche wohlgeformte Blüten.

Allerdings sind natürliche Vorkommen wie so häufig immer seltener, da die natürlichen Landschaften zerstört werden. Der originäre Standort sind Flussniederungen und Auelandschaften, die besonders sensibel und außerdem von zunehmender Trockenheit im Mittelmeerraum aufgrund des Klimawandels bedroht sind. Aber die Verbreitung als Kulturpflanze -also in menschlicher Obhut- als auch Vorkommen im Mittleren und Nahen Osten, in Indien und China helfen dem Oleander, sich zu behaupten.

Die Botanik des Nerium Oleander

Botanisch gehört der Oleander zu der monotypischen Gattung Nerium. Nerium oleander ist also die einzige Art seiner Gattung. Eine selten anzutreffende deutsche Bezeichnung ist Rosenlorbeer, die meines Erachtens allerdings die Eigenschaften der Pflanze nicht richtig beschreibt. So hat der Oleander etwa keine Dornen. Als Kulturform wird der Oleander sowohl in seiner natürlichen Form als Busch aber auch als Stämmchen angeboten. Die Äste sind zwar verholzt, aber leicht gummiartig und flexibel; die Blätter sind lang, schmal und haben eine feste, leicht ledrige Oberfläche.

Nerium Oleander

Eher selten, dafür aber nicht minder schön – gelber Oleander

Die Blüte des Oleander erscheint im Juni je nach Witterung. Die Blütezeit beim Oleander reicht bei guter Witterung bis in den Spätsommer und ist damit prägend für eine mediterrane Terrasse. Nach der Blüte erscheinen im Herbst Samenkapseln an den Oleander Zweigen. Die Samen können mit ein wenig Geschick für die Aussaat verwendet werden. Allerdings sollte man die Erwartung auf baldige Blütenpracht nicht zu hoch schrauben. Hiesige Witterungsverhältnisse verlangsamen die Aufzucht von mediterranen Jungpflanzen doch deutlich.

Das A und O des Oleanders – Blüten über Blüten

Natürlich sind es weniger die Blätter als vielmehr die schönen Blüten, die Nerium Oleander so populär machen. Sie wachsen in Büscheln am Ende der Äste. Die Hauptfarben sind Rot, Rosa und Weiß. In seltenen Fällen gibt es auch gelbe und lachsfarbene Blüten. Weiter werden die Pflanzen entweder mit gefüllten oder ungefüllten Oleanderblüten angeboten. Sehr schön finde ich auch leicht gescheckte oder gestreifte Oleanderblüten.

Die perfekte Pflege für Nerium Oleander

Wie immer ist auch Nerium Oleander vor allem dann pflegeleicht, wenn man seine Standortvorlieben kennt und umsetzt.

Der perfekte Standort für den Oleander

Im Gegensatz zu manch anderen mediterranen oder exotischen Kübelpflanzen ist der Oleander weniger anspruchsvoll. Mein Oleander steht auf der Ostseite der Terrasse und bekommt im Frühjahr ab ca. 11 Uhr und im Sommer entsprechend früher Sonne. Er ist auch sehr in die Höhe gewachsen und hat eine breite Krone gebildet. Damit ist er in der Lage, viel Sonne aufzunehmen. Insgesamt ist also ein sonniger bis halbschattiger Platz gut geeignet für den Oleander. Wichtig ist beim Oleander auch, dass er fest und sichersteht. Seine durchaus große Krone und Laubfläche macht ihn anfällig für Windböen, so dass ihr ihn vor dem Umfallen schützen müsst. Weiter wird der Oleander häufiger gegossen als so manche andere Kübelpflanze. Daher sollte der Kübel gut mit einer vollen Gießkanne erreicht werden können.

Nerium Oleander

In der freien Natur wächst der Oleander als Strauch im offenen Gelände oder an Straßenrändern sowie in Flusstälern.

Die Überwinterung beim Nerium Oleander

Auch bei der Überwinterung ist der Oleander pflegeleichter, allerdings nicht winterhart. Bei geringem Frost bis etwa -3° C kann man ihn durchaus draußen lassen. Da aber selbst in milden Regionen hierzulande kältere Temperaturen möglich sind, sollte man ein Winterquartier für den Oleander haben. Wenig Erfolgsaussichten bringt der Schutz durch ein Vlies oder ähnliches, mit dem ein Oleander während des Winters draußen bleibt. Sobald für einen längeren Zeitraum von etwa mehreren Stunden an die Blätter frostige Luft kommt, sterben diese ab. Häufig nehmen auch die Äste Schaden, so dass es die Pflanze schwer hat, wieder auszutreiben.

Als Winterquartier kommen kühle und helle Räume in Frage. Kürzere Abschnitte kann der Oleander auch in einer kühlen, aber dunklen Garage aushalten. Je kühler ein Raum ist, desto weniger Licht braucht er. Nach meiner Erfahrung kann der Oleander durchaus 10 bis 14 Tage in einem dunklen oder halbdunklen Raum aushalten, wenn dieser nur wenige Grad warm ist.

In der Überwinterung ist der Oleander insgesamt pflegeleicht und kommt mit der Restfeuchte aus, die sich in der Erde befindet. Wenn es kühl ist, braucht ihr auch keine große Angst vor Schädlingen zu haben. Diese vermehren sich nicht oder nur mäßig. Anders ist das natürlich in mild-temperierten Wintergärten. Dort gehört die regelmäßige Kontrolle auf Schädlinge wie etwa Schildläuse zur regelmäßigen Pflege.

Die Überwinterungszeit beginnt etwa Mitte bis Ende November und kann schon früh im Frühjahr, etwa Mitte bis Ende März enden. Wenn Ihr den Oleander rausstellen wollt, solltet ihr einen bewölkten Tag auswählen. Der Vorteil ist, dass dann die Gefahr von Sonnenbrand geringer ist. Außerdem sind auch bewölkte Nächte vorteilhaft, denn diese werden weniger kalt. Die genaue Lage der Überwinterungszeit ist natürlich von der Region und der aktuellen Wetterlage abhängig. Gerade in der Übergangszeit empfiehlt es sich also, besonders die Temperaturen am frühen Morgen im Auge zu behalten. Zwischen 5 und 6 Uhr ist es am kältesten.

Das Gießen beim Oleander

Pflegeleicht ist der Oleander vor allem deswegen, da er nicht sehr empfindlich auf „nasse Füße“ reagiert, wie das viele andere Pflanzen machen. Ich gieße meinen Oleander über eine Unterschale, auf die ich den Kübel stelle. Die Schale wird regelmäßig mit Wasser gefüllt, das der Oleander im Laufe eines Tages verdunsten sollte. Wenn aber etwas Wasser in der Schale stehenbleibt, ist das kein Problem. Der an Flussniederungen angepasste Oleander kommt mit Feuchtigkeit gut zurecht. Nur andauernde Nässe ist kein geeigneter Zustand beim Oleander.

Gießen kann man mit Regen- oder Leitungswasser. Der ideale Zeitpunkt für das Gießen ist am Morgen. Dann ähneln sich Wassertemperatur und Temperatur der Pflanze. Im Ausnahmefall kann man aber auch zu anderen Tageszeiten gießen. Übrigens lässt sich aufgrund der geringen Empfindlichkeit eine Bewässerungsanlage für den Oleander einsetzen. Diese ist vor allem für die Urlaubszeit hilfreich.

Nerium Oleander düngen

Oleander wachsen üppig und deutlich, also brauchen sie entsprechende Nährstoffe. Da der Oleander nicht winterhart ist, muss er im Kübel wachsen. Im Kübel bekommt er aber vergleichsweise wenige Nährstoffe aus der natürlichen Umgebung. Folglich müsst ihr den Oleander düngen. Die Zeit für die Düngung sollte die Wachstumszeit sein. Diese hängt maßgeblich von den Temperaturen ab. So sind die Monate Mai bis August die typischen Vegetations- und Düngemonate.

Als Dünger verwende ich mit sehr guten Ergebnissen Plantas Blütenzauber* mit einer ausgewogenen Kombination der Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphat und Kalium. Außerdem liefert der Dünger die richtige Kombination wichtiger Spurenelemente wie Magnesium, Eisen und Zink. Der Düngerhytmus ist einmal wöchentlich, den Dünger verabreicht ihr mit dem Gießwasser. Ihr solltet euch an die Dosierungsempfehlung des Herstellers halten. Dieser kennt sich am Besten mit dem Dünger aus.

Überdüngung beim Oleander erkennt ihr an absterbenden, also braunen Blatträndern. Wenn diese Anzeichen auftauchen, müsst ihr leider den Oleander umtopfen, damit die Überkonzentration an Nährsalzen beseitigt wird.

Umtopfen beim Oleander

Aber auch ohne Notfall ist ein gelegentliches Umtopfen wichtig. Schließlich wächst der Oleander vergleichsweise gut, so dass schon bald die Erde im Topf durchwurzelt ist. Dann wachsen unten aus den Abflusslöchern Feinwurzeln heraus, die ein untrügerisches Zeichen liefern, dass ein Umtopfen erforderlich ist.

Der neue Topf braucht natürlich ebenfalls Abflusslöcher. Die Topfgröße solltet ihr nur in kleinen Schritten erhöhen. Falls ein neuer Topf wesentlich größer ist als der bisherige Topf hat Nerium Oleander weniger Halt. Die Erde sollte trotz der Toleranz des Oleander gegenüber Feuchtigkeit durchlässig sein. Ich mische dazu unter eine torffreie Pflanzerde Kokosfasern und Quarzsand. Dafür verzichte ich auf eine Drainage, die beim Gießen über eine Unterschale keinen Sinn macht.

Oleander wachsen rasch und so auch der Wurzelballen. Daher kann es sein, dass ihr den Oleander nur mit zwei Personen umtopfen könnt. Wenn ihr den Wurzelballen vorsichtig aus dem alten Topf entfernt, solltet ihr euch zunächst die Wurzeln ansehen. Sind Teile des Feinwurzelapparats abgestorben, können sie vor dem Einsetzen in den neuen Topf entfernt werden. Auch solltet ihr die äußere Schicht der Wurzeln auflockern. So können die Wurzeln in der neuen Erde leichter anwurzeln. Nach dem Einsetzen wird der Zwischenraum zwischen Ballen und Topf mit Erde aufgefüllt. Die Erde müsst ihr fest andrücken, auch das gibt Halt und hilft beim Anwurzeln. Zum Schluss solltet ihr den Oleander erst an seinen Platz stellen, um ihn anschließend anzugießen. So spart ihr euch das Schleppen des wasserschweren Topfes.

Der Zeitpunkt für das Umtopfen ist das frühe Frühjahr, wenn es aber einen „Notfall“ in Form einer Erkrankung oder -wie oben geschildert- einer Überdüngung gibt, kann auch zu anderen Jahreszeiten umgetopft werden. 

Das Schneiden des Oleanders

Pflanzen schneiden ist für viele Mediterrangärtnerinnen und -gärtner eine große Herausforderung. Beim Oleander ist sie nicht ganz so groß, denn der Oleander gilt als schneidefreudig. Es gibt zwei Methoden den Oleander zu schneiden: Entweder der fortlaufende Schnitt oder der Rückschnitt. Beim fortlaufenden Schnitt werden immer wieder nachgewachsene Triebe gekappt, so dass sich die Pflanze immer wieder verjüngt. Der Oleander bleibt so schön buschig und kompakt.

Wenn man allerdings nicht schneidet, dann wachsen die Oleanderäste nach oben und verkahlen im unteren Bereich. Dort, wo der Oleander eine große Leitpflanze sein soll, ist das kein Problem. Allerdings muss er eine Hintergrundpflanzung haben oder Begleitpflanzen im Kübel, denn sonst sieht er unten sehr nackt aus. Wenn das Größenwachstum beim Oleander zu weit geht, kann man ihn auch radikal zurückschneiden. Bei einem gesunden Oleander ist der Neuaustrieb aus dem Wurzelballen sehr wahrscheinlich, also kann man die Äste auch deutlich zurückschneiden.

Wenn man den Oleander vermehren möchte, kann man die Abschnitte nehmen und als Stecklinge in Anzuchterde einpflanzen. Das ist eine gute Alternative zu der Anzucht aus Samen, die beim Oleander aus den Balgfrüchten, also Samenkapseln stammen.

Krankheiten und Schädlinge beim Oleander

Wenn man Pech hat, bekommt ein Oleander Schädlinge wie die Schildlaus ab. Allerdings kann man diesen mit konventionellen Mitteln wie etwa einer alten Zahnbürste Herr werden.  Man schrubbt die Schildläuse einfach von den Blättern. Wenn ihr die Prozedur ein paar Mal wiederholt, kriegt ihr die Läuse gut in den Griff.

Unter den Oleander Krankheiten gefürchtet ist der Oleanderkrebs, gegen den kein wirkliches Mittel gewachsen ist. Diese bedrohliche Krankheit beruht auf dem Bakterium Pseudomonas, das zu Wucherungen in der Pflanze führt. Hier hilft nur ein deutlicher bis radikaler Rückschnitt und vor allem peinliche Hygiene bei den Schneidewerkzeugen.

Häufig kommt es im Sommer dazu, dass der Oleander gelbe Blätter bekommt. Das ist im Hochsommer, wenn es trockener wird, ein normaler Vorgang. Regelmäßig sind es alte Blätter, die abgeworfen werden.

Zum Schluss noch eine Frage, die besorgte Eltern und Haustierbesitzer regelmäßig beschäftigt. Ja, der Oleander ist giftig, allerdings macht wie immer die Dosis das Gift. Im großen Ganzen dürfte es sehr unwahrscheinlich sein, dass Kinder oder Tiere größere Mengen Oleanderblätter verzehren und sich damit selbst gefährden. Im normalen Umgang ist die Giftigkeit überhaupt kein Problem.

Dr. Dominik Große Holtforth

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.