Maurische Gärten in Andalusien – Ursprünge mediterraner Gartenkunst

Maurische Gärten sind der Ursprung mediterraner Gartenkunst und faszinieren noch heute. Besonders in Andalusien lassen sich heute noch großartige maurische Gärten bewundern. Warum die Gartenkunst der Mauren noch heute von Bedeutung ist und was wir von den maurischen Gartenarchitekten lernen können, möchte ich in diesem Beitrag zeigen. 

Wenn ihr weitere Fragen habt oder eine individuelle Beratung wünscht, könnt ihr euch gerne am Ende des Beitrags melden. 

Die Geschichte der maurischen Gärten in Andalusien

Viele Besucher Südspaniens oder Andalusien bestaunen es in den Altstädten und Palästen des Landes – der maurische Einfluss ist nicht zu übersehen. Die Mauren kamen im Mittelalter aus Nordafrika und insbesondere Syrien und eroberten das Land. Dabei erwiesen sie sich als visionäre Bauherren und eben auch Gartenarchitekten. Die maurische Herrschaft dauerte bis ins 15. Jahrhundert, lang genug, dass die maurische Kultur und auch Gartenkultur fest im Land verwurzelt wurde. So wurden maurische Gärten zum festen Bestandteil der europäischen Gartenkultur. Das war ein Segen, denn im Mittelalter erlebte die maurisch-arabische Kultur ihre Blütezeit, die auch Wissenschaft und Künste, so auch die Gartenkunst gedeihen ließ.

Maurische Gärten

Blick in den Garten des Generalife (Foto: Martchan / Shutterstock.com)

Leuchtturm der maurischen Gartenkunst – die Alhambra in Granada

Schon allein die Ortsnamen sind klangvoll. Wen überrascht es, dass die Stadt Granada den Granatapfel im Wappen trägt. Die Alhambra ist eine maurische Stadtburg, die in und oberhalb der Stadt Granada auf einem Hügel thront. Die Burg ist mit der Altstadt Granadas durch einen Wald verbunden, so dass auch aus der Ferne ein grüner Gesamteindruck entsteht. Oberhalb der Alhambra ist der Generalife mit seinen besonders schönen maurischen Gärten ebenfalls von Bedeutung. Der Generalife war der Sommerpalast des Kalifen und daher besonders prächtig, aber auch intim gestaltet. Die Gesamtanlage umfasst eine Fläche von mehr als 430 Hektar, in der heute rd. 40 Gärtner die weltberühmten maurischen Gärten pflegen. Sie betreuen aber nicht nur Gartendenkmäler von Weltrang, sondern auch Obsthaine, Kräuter – und Rosenbeete, Blumenrabatten, Hecken und Gemüsepflanzen.

Wasser und das Paradies

Nicht nur in den Gärten der Alhambra spielte Wasser die zentrale Rolle. Für Völker aus Wüstenregionen war Wasser Luxus. Aber auch für die Andalusier selbst war Wasser sehr kostbar, denn die Granada umgebende Sierra Nevada war im Sommer heiß und trocken. Die Mauren schafften es im 13. Jahrhundert mit einem ausgeklügelten hydraulischen System, also mit Hilfe eines Kanals, von Pumpen und Wassertreppen, dauerhaft Wasser vom Fluss Daro zur Alhambra zu bringen. Dieses System funktioniert noch heute und zeigt sehr schön, dass maurische Gärten häufig mit einer besonders raffinierten Wasserversorgung und Wasserinstallation verbunden sind. Ohne den stetigen Wasserzufluss wären die Gärten der Alhambra nicht vorstellbar.

Dieser Aufwand lässt sich nicht nur durch die schiere Notwendigkeit der Bewässerung erklären. Nicht nur in der islamischen, sondern auch in unserer Kultur werden Gärten mit dem Paradies in Verbindung gebracht. Sie sind ein Abbild dessen, was sich Gläubige für ein ewiges Leben erhoffen. Dazu gehört natürlich, dass die Sorge um ausreichend frisches und sauberes Wasser ein Ende hat. Ein Anspruch, den die Gartenarchitekten des Kalifen von Granada schon auf Erden verwirklichen konnten.

Maurische Gärten in der Alhambra

Als Weltkulturerbe, das die Alhambra seit 1984 ist, kennen Millionen von Menschen die Gärten der Alhambra. Weltberühmt sind also der Löwenhof, der Patio de los Leones mit seinem von zwölf Löwen getragenen Springbrunnen, sowie der Patio de los Arrayanes, der Myrtenhof. Dieser ist vermutlich der älteste noch erhaltene mittelalterliche Garten, auf jeden Fall ist er der berühmteste. Im Myrtenhof prägt wie in vielen anderen Gärten der Alhambra eine große Wasserfläche den Eindruck, die von einer prächtigen Myrtenhecke umgeben ist. Edle weisse Marmorplatten verbinden die Elemente Wasser und Pflanze. Der Patio de Comares ist ein öffentlicher Vorhof, der von einem großen Turm geprägt ist. Auch hier spiegeln sich Turm und Gebäudeteile in großen Wasserflächen und geben ein Beispiel für die Kunst der Mauren, Architektur, Garten und Wasserbecken zu verschmelzen.

Maurische Gärten

Die Myrte spielt eine zentrale Rolle in den maurischen Gärten der Alhambra.

Der Generalife

Der arabische Namen „Generalife“ hat -wie man vermuten könnte- keineswegs eine militärische Bedeutung, sondern heißt „höchster und vornehmster Garten“. So hat der Besucher neben der eigentlichen Alhambra ein weiteres Gartenkunstwerk von Weltgeltung vor Augen, wenn er Granada und die Gärten dort besucht. Der Palast ist von grünen Terrassen und Obstgärten umgeben, die als „grüne Zimmer“ viel Einblick in das Leben der maurischen Herrscher geben. Von hier lässt sich auch ein herrlicher Ausblick auf die tiefer gelegene Alhambra und die Stadt Granada genießen. Im Mittelpunkt stehen aber auch beim Generalife die Wasseranlagen, deren Springbrunnen ein beruhigendes und zugleich bei spanischer Hitze sehr erfrischendes Plätschern erzeugen.

Gärten im Generalife

Auch im Generalife lassen sich einzelne Gärten bewundern. Im Patio de la Acequia, im Garten des Kanals, ist wieder Wasser das zentrale Element. Allerdings sind Fontänen und Becken hier nicht maurisch, sondern erst im 19. Jahrhundert nach Vorbildern der italienischen Renaissance gestaltet worden. Die Bepflanzung im Patio de la Acequia umfasst Zier-, Nutz- und Duftpflanzen. Im Patio del Ciprés de la Sultana, dem Zypressenhof, sind die mächtigen und bedeutungsvollen Zypressen neben den Wasseranlagen die Hauptdarsteller. Weltberühmt ist auch Escalera de Agua, eine Wassertreppe, die im Schatten liegt und durch das vergleichsweise langsam herabplätschernde Wasser eine wunderbare Ruhe ausstrahlt.

Weitere maurische Gärten in Andalusien

Eine Gartenreise nach Andalusien ist nach einem Besuch der Alhambra und des Generalifes aber noch keineswegs zu Ende. Auch in der Altstadt von Granada lassen sich Gärten bewundern.

Die Carmen-Gärten von Granada

Die berühmten Carmen-Gärten sind Beispiele für kleinere Gärten, die weniger von mächtigen Mauren sondern von den Bürgern der Stadt angelegt wurden. Der Begriff „Carm“ steht im arabischen für Weinstock und so sind die Carmen-Gärten von Granada vom ihren Weinreben geprägt, die von Obstbäumen, Blumen und Wasserbecken begleitet werden. Besonders berühmt ist der Carmen de la victoria, der heute zur Universität gehört. Dort lässt sich eine „Gloriosa“, eine aus Zypressen gebildete Krone bestaunen. Weit über den typischen Charakter eines Carmen-Hausgartens hinaus geht der Carmen de la Fundacion Rodriguez-Acosta. Diese Anlage liegt außerhalb von Granada und ist terrassenförmig angelegt. Der Garten stammt aus dem 19. Jahrhundert, orientiert sich aber an der Gartenkunst, die maurische Gärten prägt. Die Besucher finden einen herrlichen Dreiklang aus Wasser, immergrünen Pflanzen wie Buchsbaum, Myrte und Zypresse sowie klassischer Architektur und Bildhauerei. Entsprechend ist die prägende Farbe von Gebäuden und Skulpturen ein zum dunklen Grün der Zypressen kontrastreiches Weiss.

Maurische Gärten

Blick in den Innenhof des Real Alcazar in Sevilla (Foto: Nito / Shutterstock.com)

Der Real Alcazar von Sevilla

Wer maurische Gärten in Andalusien besucht, für den ist ein Besuch in Sevilla ein Muss. Dort wartet der Königspalast, der Real Alcazar, mit herrlichen Gärten. Vor allem Liebhaber von Zitruspflanzen kommen hier auf ihre Kosten, denn diese sind prägende Pflanzen in vielen Bereichen des Gartens im Königspalast. In der kreuzförmig angelegten Casa de Contratacion kann man Orangen an den Bäumen mit Händen greifen (was allerdings nicht erlaubt ist). Im Jardin del Chorro warten alte  und mächtige Pomeranzenbäume auf die Besucher. Und schließlich ist der Orangenhof Sinnbild der Üppigkeit, die große Orangenbäume voller goldener Orangen mit duftenden Blüten noch heute bieten. Viele weitere Gartenbereiche mit Palmen, Zypressen und vielen anderen mediterranen Pflanzen schließen sich an, so dass auch für den Besuch des Königspalastes genug Zeit eingeplant werden muss.

Die Liste maurischer Gärten in Andalusien ließe sich hier noch problemlos erweitern. Allerdings soll nicht unbeleuchtet bleiben, welches botanische Vermächtnis die maurischen Garten- und Landschaftsarchitekten hinterlassen haben.

Das botanische Vermächtnis der Mauren

Eine mehrere Jahrhunderte umfassende historische Phase, die reiche Kunst und Architektur hinterlässt, wird zu Recht als „Blütezeit“ bezeichnet. Bei den maurischen Gärten hat dieser Begriff eine doppelte Berechtigung, den sie haben nicht nur Paläste gebaut und Gärten angelegt, sondern in diese auch Pflanzen gebracht und kultiviert, die vorher in Europa unbekannt waren. Dazu setzten sie nicht nur ihr Wissen über die Pflanzen, sondern auch die beeindruckende Ingenieurskunst, die nötig war, um Pflanzungen mit Wasser zu versorgen.

Der maurische Garten – mehr als nur ein grünes Paradies

Mit ihren Gärten, die sie aufwändig anlegten und gestalteten, verbanden die Mauren mehr als nur die Gestaltung schöner Außenflächen. Die symbolische Bedeutung, die Erinnerung an ein himmlisches Paradies wurde bereits angesprochen. Aber auch die Pflanzen selber wurden ganzheitlich eingebunden. Sie waren nicht nur dekorative Kulisse sondern auch Nutzpflanzen, die Lebensmittel liefert. Die Mauren pflanzten also stets auch Obstbäume wie etwa Orangen- und Zitronenbäume, Pfirsich- und Mandelbäume. Weiter zählten Gemüsepflanzen wie Artischocken und Auberginen zu den besonderen Pflanzen der Mauren.

Maurische Gärten

Orangenbäume gehören mit ihrem Duft, ihrer Schönheit und den leckeren Früchten in jeden maurischen Garten.

Neben dem Verzehr von Früchten und Gemüse aus den Gärten gehörte aber auch die Nutzung der heilenden und kosmetischen Wirkung von Pflanzen und ihrer Früchte zum maurischen Garten. Hier wurden Grundsteine für die ersten Heilpflanzengärten, aus denen viele botanische Gärten hervorgingen, gelegt. Und schließlich spielte auch der sinnliche Genuss pflanzlicher Düfte in maurischen Gärten eine wichtige Rolle. Somit umfasst die Bepflanzung in maurischen Gärten Zierpflanzen und Nutzpflanzen, also Obst und Gemüse sowie Heilpflanzen.

Wiege mediterraner Gärten – der maurische Pflanzenkanon

Wer also einen eigenen mediterranen Garten anlegen möchte, kann sich nicht nur in der ästhetischen Gartengestaltung maurische Gärten zum Vorbild nehmen. Auch der Pflanzenkanon, also die Auswahl und Zusammenstellung von Pflanzungen ist beispielhaft und bietet eine schier unbegrenzte Zahl an Pflanzengenüssen. Zur maurischen Pflanzenauswahl gehörten neben vielen anderen tollen Pflanzen Feigen, Orangen, Zitronen und Myrten, die heute im Zentrum eines etablierten Kanons mediterraner Pflanzen stehen.

Myrte und Lorbeer

Gerade die -hierzulande vielleicht unterschätzte- Myrte war und ist ein Beispiel für die Vielfalt der Vorteile einer mediterranen Pflanze. Die Myrte begeistert mit einem würzig, frischen Duft. Medizinisch lässt sich ihre antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung nutzen. Zudem ist ihr dichtes, dunkelgrünes Laub dekorativ und sie verbraucht mit ihren von einer Wachsschicht überzogenen Blättern wenig Wasser. Auf deren Oberseite und in den Blattstielen verströmen Drüsen ätherische Öle, die die Pflanze kühlen und gleichzeitig Insekten abhalten.

Die Verbindung von Resistenz gegen Trockenheit und interessanten Aromen teilt der Lorbeer mit der Myrte. Auch hier schützt eine Wachsschicht auf den Blättern die Pflanze vor Sonne und Verdunstung. Wie bei der Myrte lässt sich Lorbeer in klare geometrische Strukturen schneiden. Damit ist die Pflanze ideal, um die klare Geometrie der maurischen Gärten umzusetzen.

Granatapfel und Erdbeerbaum

Weniger geometrisch, dafür kulinarisch und medizinisch interessant ist der Granatapfel, der ja die Wappenpflanze der Stadt Granada ist. Die Frucht ist nicht nur attraktiv und schmackhaft, sondern lässt sich auch bei Augenleiden einsetzen und entfaltet antibakterielle sowie antioxidantische Wirkung. In jeder Hinsicht ein botanisches Kraftpaket.

Interessant ist auch die Funktion der Mauren als „Pflanzenimporteure“. Sie brachten sowohl den Pfirsich- als auch den Erdbeerbaum aus Asien nach Europa. Während die europäischen Länder nach dem Ende des Römischen Reiches die Zivilisation noch nicht einmal mühsam aufrecht erhalten konnten, machten sich die Mauren auch durch die Einführung von Zitruspflanzen auf der iberischen Halbinsel verdient. Das taten sie nicht zum Selbstzweck, sondern um Nützliches und Schönes, Symbolhaftes und Praktisches miteinander zu verbinden. Damit verfolgten sie einen Ansatz, der heute immer wichtiger wird. Die Ganzheitlichkeit des Menschen, seines Körpers und seines Geistes in enger Verbindung zur Natur.

Man spürt, dass die Auseinandersetzung mit der maurischen Gartenkunst mehr ist als die Aufzählung einiger andalusischer Gärten und Pflanzen. Daher ist es ein Glücksfall, dass uns diese als Vermächtnis erhalten geblieben sind. Dieses lässt sich studieren, so dass Prinzipien begriffen und Beispiele übernommen werden können. Maurische Gärten bleiben also eine spannende und bereichernde Entdeckungsreise. 

Text: Dr. Dominik Große Holtforth

Literatur und Quellen: 

Foto Beitragsbild: Nito@shutterstock.com

Eduardo Mencos & Anneli Bojstad: Spaniens schönste Gärten, München 2011

Bayern 2 Radiowissen: Andalusische Gärten – das Erbe der Mauren

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

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