Die Heliconia – rote Hummerschere aus dem Regenwald

8. April 2018

Die Heliconia mit dem hübschen Trivialnamen Hummerschere ist für viele Inbegriff der Wintergartenexotik. Nicht  nur ihre in der Form einzigartigen und farbenfrohen Blüten sondern auch die Blätter schmücken jede tropisch  bis subtropische Pflanzung. In diesem Beitrag erkläre ich, wie man die Heliconia halten und pflegen kann und einige Heliconia Arten vorstellen. 

Heliconia Hummerschere

Arten wie die Heliconia rostrata lassen ihre Blüten oben im Blättermeer des Dschungels wachsen.

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Botanik und Wuchs bei der Heliconia

Heliconia ist eine Gattung tropischer bis subtropischer Pflanzen mit je nach Zuordnung 100 bis über 200 Arten. Ihre in der Form einzigartige Blüte hat ihr den deutschen Namen „Hummerschere“ eingebracht, gelegentlich findet man auch die Bezeichnung „Krebsschere“. Da einige Sorten -wie etwa die Hybride Heliconia psittacorum x spathocircinata- in der Blüte der Strelitzie ähneln, ist eine weitere, aber eher seltene Bezeichnung „Falsche Paradiesvogelblume“. Eingedeutscht wird auch einfach von Helikonien gesprochen. 

Heliconia Hummerschere

Nomen est omen – die Blüten der Heliconia longiflora sind besonders lang und zeigen strukturelle Ähnlichkeiten zur Strelitzienblüte.

Herkunft und Verbreitung der Heliconia

Die Herkunft und natürliche Verbreitung der Helikonien erstreckt sich überwiegend über das tropische Südamerika, aber auch in Australien und Ozeanien sind Heliconiaarten zuhause. Bei uns sind die verschiedenen Arten regelmäßig Bestandteil der tropischen Sammlungen in Botanischen Gärten. Ihre aparten Blüten werden übrigens auch gerne von Floristen verwendet, man findet sie gelegentlich in besonders aufwändigen und dekorativen Blumensträußen. 

Heliconia Hummerschere

Auch als Schnittblume macht sich die Helikonie gut.

Botanik und Wuchs der Hummerscheren

Wesentlich enger als die Beziehung zur Strelitzie ist die zu den Bananen. Die Gattung Heliconia gehört zu den Bananengewächsen und hat daher mit Bananen auch einige Gemeinsamkeiten. Allen voran ist der Scheinstamm zu nennen. Dieser verholzt nicht, bildet aber dennoch ein Fundament für das Wachstum der langen Blätter. Diese wachsen -im Gegensatz zur Banane- an einem langen Stiel und sind länglich oval. Je nach Art wachsen die Blüten aufrecht stehend in Bodennähe oder werden von oben herab gebildet, so dass sich bei den hängenden Blüten ein wunderbar tropisches Ambiente ergibt. 

Heliconia Hummerschere

Die Blüten der Heliconia psittacorum sind klein und blau-weiss.

Der Blütenstand ist selbstverständlich die Hauptattraktion der Hummerschere. Er umfasst mal mehr, mal weniger Einzelblüten. Diese werden von in der Regel roten oder orangefarbenen Hochblättern umgeben. Die eigentlichen Blüten sind -wie etwa bei der Bougainvillea oder dem Weihnachtsstern- unscheinbar. 

Die interessantesten Arten

Nur die wenigsten werden einen großen Wintergarten besitzen, in dem man große Helikonien-Stauden kultivieren kann. Es empfiehlen sich ganz allgemein für die Kultur klein bleibende Arten, bei denen die Blüte aufrecht wächst. In Frage kommen dafür etwa die

  • H. bihai, die auch als Scharlachrote Hummerschere bekannt ist
  • H. psittacorum
  • H. humilis
Heliconia Hummerschere

Die kleinbleibende und aufrecht wachsende Heliconia humilis

Die passende Pflege für die Hummerschere

Damit die Helikonie gedeihen kann, braucht sie Standortbedingungen, die denen ihrer Heimat weitgehend entsprechen.

Der ideale Helikonien-Standort

Da sie tropischen bis subtropischen Ursprungs ist, benötigt sie ein dauerhaft warmes Quartier. Die Temperatur sollte im Sommer bei ca. 25° C, im Winter um die 20° C aber nicht unter 15° C liegen. Damit ist klar, dass die Heliconia nicht ungeschützt im Freiland platziert werden kann. Sie kann aber sehr gut in einem warmen Wintergarten, sowie als Zimmerpflanze gehalten werden, wenn ein feuchtes Klima geschaffen werden kann. Wer viel Platz im Haus hat, kann auch ein Pflanzenzimmer einrichten, wo sich Exoten wie die Hummerschere wohlfühlen. 

Die Lichtverhältnisse sind eher halbschattig als sonnig, im Sommer muss die Helikonie sogar vor Sonne geschützt werden. Dennoch braucht man die Sonne, um ausreichende Wärme zu erzielen. 

Heliconia Hummerschere

Eine fast klassisch schöne hängende Helikonienblüte

Gießen und Befeuchten

Das richtige Maß an Feuchtigkeit ist das A und O bei tropischen Pflanzen. Auf der einen Seite müssen Pflanzen wie die Hummerschere dauerhaft feucht gehalten werden. Diese Grundfeuchte darf aber nicht in Staunässe und übermäßige Feuchte umschlagen. Die Staunässe nimmt den Wurzeln den lebensnotwendigen Sauerstoff, übermäßige Feuchte führt zu Schimmelbildung. Insofern kommt bei der Pflege der Lüftung eine mitentscheidende Rolle zu. Regelmäßige Luftaustausch hilft, Wasser zu verdunsten und somit auch den Wasser- und Nährstofftransport der Pflanzen zu begünstigen. Stehende, stickige Luft dagegen belastet das Klima im Gewächshaus deutlich. 

Heliconia Hummerschere

Eine Heliconia latispatha

Vor diesem Hintergrund lautet die Gießempfehlung, die Heliconia mäßig feucht zu halten. Das erreicht man durch eine regelmäßige, also tägliche Befeuchtung, die aber auch stets den Feuchtegrad berücksichtigt. Das verwendete Wasser sollte weich sein und zimmerwarm sein. Neben dem Gießen ist weiter eine regelmäßige Befeuchtung mit der Sprühflasche ein wichtiger Beitrag zu einer artgerechten Pflege der Heliconia. 

Heliconia Hummerschere

Heliconia pogonantha var. pogonantha

Helikonien düngen

Die Versorgung der Helikonien mit Nährstoffen kann und sollte mit einem Volldünger erfolgen. Dieser kann als Düngestäbchen, als Flüssigdünger oder in Pulverform mit Wasser verabreicht werden. Bitte achtet beim Düngen auch auf den Zustand der Pflanze – wenn sie kein sonderliches Wachstum zeigt, braucht sie auch keinen Dünger. Überdüngung sollte vermieden werden. Gedüngt wird nur in der Wachstumszeit von Mai bis August oder September. 

Heliconia Hummerschere

Die besonders aparte Blüte der Heliconia pendula

Topf und Erde

Am Besten gedeihen die Pflanzen ausgepflanzt im Gewächshaus oder Wintergarten. Bei der Topf- oder Kübelhaltung sollte entsprechend ein großer Kübel verwendet werden. Die Erde ist humos, also nährstoffreich, aber dennoch durchlässig. Das kann mit einem Gemisch aus Komposterde, gekaufter Einheitserde und grobkörnigem Sand erreicht werden. Umgetopft wird im Winter und nur alle zwei bis drei Jahre oder wenn es Pflegeprobleme gibt. 

Tief im Dschungel – eine Heliconia pogonantha var. pognantha

Heliconia überwintern

Im Winter bleibt die Heliconia in ihrem Quartier, wo es ja immer mild bis warm ist. Über Frostschutz müssen wir also nicht sprechen. Bei der Überwinterung oder besser der Winterpflege der Hummerscheren kommt es zusätzlich darauf an, dass ihr die Wasser- und Feuchtigkeitsversorgung reduziert. Die Helikonie kommt im Winter mit weniger Licht aus, sollte aber dennoch hell stehen. Wenn das Winterlicht am Standort der Hummerschere zu gering ist, sollte ein Pflanzenlampe eingesetzt werden. 

Schnitt und Schädlinge

Da die Pflanze nicht verholzt, könnt ihr Helikonien problemlos schneiden. Man entfernt alle abgestorbenen oder ansonsten beeinträchtigten Pflanzenteile. Das können z.B. auch durch Schädlinge befallene Blätter sein. In Frage kommen Woll-und Schildlläuse sowie die Rote Spinne. Allerdings sollte eine regelmäßige Schädlingskontrolle ein rechtzeitiges Eingreifen bei Schädlingsbefall ermöglichen, so dass ein Abschneiden von Blättern die ultima ratio bleiben sollte.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth  

Literatur: Wolfgang Kawollek: Pflanzen für den Wintergarten, Stuttgart 2005

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

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