Den Feigenbaum pflegen – Erfahrungen vom Bodensee

Feigenbäume gehören zu den mediterranen Pflanzen, die in vielen Gärten hierzulande Platz finden und gedeihen. Damit Ihr erfolgreich Euren Feigenbaum pflegen könnt, möchte ich Euch mit den Beiträgen auf „Mein mediterraner Garten“ möglichst viele Erfahrungen mit Feigen und Feigenbäumen vermitteln. In diesem Beitrag kommt mit Jenny Nick eine Feigengärtnerin vom Bodensee zu Wort, die mir geschrieben hat und von Ihren positiven Erfahrungen berichtet. Diesen Erfahrungsbericht gebe ich in diesem Beitrag ebenso wieder wie weitere Pflegetipps für den Feigenbaum. Am Ende des Beitrags gibt es wie immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen

Feigenbaum pflegen

Reife Feigen am Baum

Wenn ihr eine Beratung wünscht oder weitere Fragen habt, könnt ihr diese hier stellen. Aktuelle Pflegetipps für den mediterranen Garten liefert mein Newsletter „Neues aus dem Mediterranen Garten“, zu dem ihr euch kostenlos und unverbindlich anmelden könnt.

Wissenswertes zur Feige

Feigen oder besser Fruchtfeigen, die botanisch Ficus carica heißen, sind besonders interessante, robuste und vielfältige Pflanzen. Wegen ihrer Widerstandskraft sind die Feigen mit ihren vielen Arten häufig Pionierpflanzen, die neue Landschaften erorbern. So erorbern Sie auch mit wärmer werdenen Klima zunehmend das Gebiet nördlich der Alpen. Besonders interessant bei der Feige ist ihre natürlich die Fortpflanzung. Die Feige geht mit der Feigenwespe eine enge Symbiose ein. Dabei spielt die besondere Blütenbildung bei der Feige eine wichtige Rolle. Ihr werdet bei der Feige äußerlich keine Blüte finden, denn diese wächst als Binnenblüte in den Fruchtknoten, die sich ab dem Frühjahr an den Feigenzweigen bilden.

Feigenbaum pflanzen

Die „Blüte“ der Feige liegt im Inneren der Fruchtknoten. Viele Feigensorten sind selbstbefruchtend. (Foto: Dr. Dominik Große Holtforth)

In diese Binnenblüte kriecht nun die Feigenwespe und bestäubt diese. Hierzulande werden selbstbefruchtende Feigensorten verwendet, denn für Feigenwespen ist es zu kalt. 

Feigenbaum pflegen – ein Erfahrungsbericht

Um auch selbst leckere Feigen ernten zu können, ist es gut zu wissen, wie man den Feigenbaum pflegen muss. Am Besten ist es, von Erfahrungen und Tipps anderer lernen zu können. Daher möchte ich hier einen Erfahrungsbericht einer „Feigengärtnerin“ vom Bodensee wiedergeben.

„Hallo Herr Große Holtforth,

habe mich über die Pflege der Feigen bei Ihnen bisschen informiert – man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Die Feigen wachsen, scheinbar nur, wenn sie wirklich richtig im Boden verankert und zuhause sind, wie Unkraut. Man muß ihnen schon Einhalt gebieten mit mächtigem Rückschnitt sonst überwuchern sie in langen Auswüchsen unser ganzes kleines Gärtchen. Die Straße nebenan gleich noch mitdazu.

Hatte Ihnen schon mal geschrieben, daß meine Feigen vor 3 oder 4 Jahren ganz runter gefroren waren. Wir dachten schon ‚das wars‘, doch sie kamen voll wieder. Voriges Jahr ernteten wir ca. 80 kg Früchte. Aber dieses Jahr übertraf alles. Wir ernteten über 160 kg – ich kam mit dem Einkochen gar nicht mehr nach. Denn ernten muß man die Früchte, sonst bekommt man Probleme mit Wespen, Bienen, Vögel ganz zu schweigen mit dem süßen Brei auf der Straße.

Boden und Bewässerung

Ja wir haben lehmigen Boden, scheinen sie zu mögen. Da das Frühjahr sehr, sehr nass war, haben sie richtig Saft getankt und wohl alles in das Blattwerk und die Früchte gesteckt. Nein extra düngen tun wir absolut nicht. Es sind ja riesige Bäume und ich habe meine Mühe die Früchte sogar auf der Leiter mit meinem Erntesack zu erreichen. Meist gleich eine Fruchtserie gleichzeitig. Durch den vielen Regen im Frühjahr schoßen auch die Zweige in unmögliche Längen. Natürlich hatten die dann keinen Halt mehr und hingen viel zu weit runter. Mußte ständig mit Gabelstöcken versuchen die ganze Pracht oben zu halten.

Wir haben vor, ihn tüchtig in die Schranken zu verweisen, zu schneiden! Wer braucht schon 160 kg Früchte? Trotzdem bin ich dem Überfluß Herr geworden. Sogar jetzt fallen die Früchte noch runter und werden von den Vögeln gerne gefuttert.

Soweit ein Lagebericht von meinen 4 Bäumen. Natürlich sammle ich jetzt vor dem Winter jedes Blatt auf und stecke es rund um den Wurzelballen. Habe ein kleines Gitter um jeden Baum gezogen, wie einen Klein-Kinder-Laufstall und so bleiben die Blätter an Ort und Stelle und die Bäume unten rum warm. Mehr geht nicht.

Viel Spaß an meinen Bildern und weiterhin gute Ratschläge an verzweifelte Ratsuchende – Gruß Jenny Nick – Bodensee“

Vielen Dank für diesen interessanten und anregenden Bericht zum Thema Feigenbaum pflegen im Freiland. Eine Alternative ist es, den Feigenbaum im Kübel zu halten.

Feigenbaum pflegen – so gedeiht die Feige im Kübel

Die Feige kann auch auf dem Balkon oder der Terrasse im Kübel gedeihen. Der Vorteil bei der Kübelkultur ist, dass Ihr den Feigenbaum klein halten könnt. Außerdem könnt Ihr auch kälteempfindlichere Feigensorten verwenden und die Feige im Winter in einem frostfreien Winterquartier schützen. So könnt Ihr den Feigenbaum pflegen, wenn er im Kübel wächst:

Der ideale Standort für die Kübelfeige

Bei der Wahl des Feigenstandort solltet vor allem die Dimension des Feigenbaums beachtet werden. Feigen wachsen ausladend mit langen Ästen und Zweigen, so dass Ihr der Feige genügend Platz geben müsst. Ein guter Standort ist daher eine Hauswand, denn dort ist Ihr Wachstum durch eine Seite begrenzt. Außerdem schützt die Hauswand die Feige und gibt Nachts Wärme ab, die tagsüber gespeichert wurde. Der Standort sollte also sonnig bis halbschattig sein. Außerdem sollte er ein wenig vor Wind schützen, denn aufgrund der großen Blätter neigt die Feige im Kübel zum Umfallen. 

Gießen und Düngen

Als Kübelpflanze kann sich die Feige nicht über den Boden mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Daher müsst Ihr sie als wichtiger Bestandteil der Pflege gießen und düngen. Sie hat ordentlichen Durst und sollte daher über eine Unterschale gegossen werden. An warmen Tagen könnt Ihr die Unterschale am Morgen füllen, so dass die Feige das Wasser im Laufe des Tages verdunsten kann. Das Wasser kann kalkhaltig sein, Ihr könnt also Leitungswasser und müsst kein Regenwasser verwenden. 

Als Dünger könnt Ihr einen Obstpflanzen- oder Kübelpflanzendünger für die Pflanzen verwenden. Aber auch ein Volldünger ist möglich. Die Düngung erfolgt in der Zeit der Vegetation von April oder Mai bis August. Danach solltet Ihr die Düngung einstellen, damit sich die neuen Triebe der Feige aushärten können. Der Rhythmus der Düngung ist wöchentlich.

Bei einem ausgepflanzten Feigenbaum müsst Ihr den Baum nur dann düngen, wenn die Erde nicht fruchtbar ist. Meistens sind die Böden hierzulande aber sehr gut, so dass man eigenlich nicht düngen müssen. 

Die Feige umtopfen

Wenn die Feige üppig wächst und sie auch noch weiter wachsen soll, braucht sie ca. alle zwei Jahre einen neuen Topf und neue Erde, wenn Ihr den Feigenbaum pflegen wollt. Die Erde oder das Substrat muss nährstoffreich sein wie es etwa Komposterde ist. Die Erde kann durchaus auch feuchtigkeitsspeichernd sein, die Feige liebt es feucht. Sie sollte dennoch durchlässig sein, damit das Wasser abfließen kann. Der Topf benötigt daher unbedingt Abflusslöcher, damit keine Staunässe entsteht. Gegen Staunässe hilft auch Kies, der im unteren Drittel des Topfes unter die Erde gemischt wird. Das Umpflanzen der Feigen Pflanzen erfolgt im Rahmen der Frühjahrs Pflege im Februar oder März.

Es dauert nach dem Umtopfen eine gewisse Zeit, bis ein Feigenbaum angewurzelt ist und sich ausreichend neue Wurzeln gebildet haben. Das kann die Fruchtbildung verzögern. Unter Umständen werden die Feigen nach dem Umtopfen nicht mehr reif. Insofern muss man gerade nach dem Umtopfen eines großen Feigenbaums bis ins nächste Jahr warten, bis wieder üppige Ernten möglich sind.  

Die Feige schneiden

Sowohl im Freiland als auch als Kübelpflanze muss die Feige immer wieder geschnitten werden. Ihr umfangreiches Wachstum lässt sie ansonsten zu groß werden, die Feige kann eine richtig hohe Pflanze werden. Der Schnitt funktioniert ähnlich wie bei klassischen Obstbäumen. Man bildet einen Haupttrieb und einige Nebentriebe bei den Pflanzen aus. Die Triebspitzen können abwechselnd geschnitten werden. Wenn Ihr jeden zweiten Trieb schneidet und jeden ersten unbeschnitten lässt, habt Ihr sowohl altes als auch junges Holz am Feigenbaum. Auf diese Weise könnt Ihr mit frühen und späten Feigen rechnen. Eine detaillierte Anleitung für den Feigenschnitt findet Ihr hier

Den Feigenbaum überwintern

Wenn Ihr nicht gerade in Regionen mit milden Temperaturen im Winter wie etwa am Bodensee wohnt, solltet Ihr Euch auch um den Winterschutz* Eurer Feigen kümmern. Die Überwinterung ist ein wichtiger Bestandteil beim Feigenbaum pflegen. Hilfreich ist, dass die Feige laubabwerfend ist, sie verliert also die Blätter, was ihr im Winter hilft. Der aktive Winterschutz bei Feigen beginnt mit der Klärung der Fragen, ob Eure Feige winterhart ist. Es gibt viele Sorten, wie etwa

  • Bornholmfiggen
  • Brown Turkey oder
  • Bayernfeige Violetta,

die eine gute Winterhärte erreichen. Allerdings gibt es auch mindestens genau so schöne und leckere Feigensorten, die hierzulande nicht winterhart sind. In diesem Beitrag findet Ihr einen Überblick über wichtige Feigensorten. 

Winterschutz bei einer ausgepflanzten Feige

Den ausgepflanzten Feigenbaum sollet Ihr mindestens im ersten Jahr auf jeden Fall mit einer Mulchschicht rings um den Stamm schützen. Der Feigenbaum lässt sich vor frostigen Temperaturen schützen, indem man im Herbst eine Ummantelung aus Maschendraht um den Baum stellt. Diesen könnt Ihr dann mit Laub ausfüllen, dass die Feige gut schütze. Daher empfiehlt sich gerade  bei kleinen und jungen Pflanzen in kalten Regionen ein solcher Laubschutz. Der Laubschutz sollte so angebracht werden, dass auch die jungen Triebspitzen geschützt werden. Je jünger ein Pflanzenteil, umso empfindlicher ist er. 

Die Feige als Kübelpflanze überwintern

Bei einer Feige im Kübel habt Ihr den Vorteil, dass Ihr sie im Winter vor Frost schützen könnt, damit die Feige früher wieder austreibt. Da die Feige das Laub abwirft, ist sie im Winter sehr genügsam und braucht wenig Pflege. Das Winterquartier ist kühl und kommt mit einer geringen Beleuchtung zB. durch ein kleines Fenster aus. Aber natürlich könnt Ihr die Feige auch in einen Wintergarten stellen, denn dort kann die Feige von einer stärkeren Sonne im Februar und März profitieren. Ihr könnt in Wintergärten oder Gewächshäusern also mit einem früheren Wiederaustrieb der Feige rechnen. 

Die Überwinterung dauert vom mittleren bis späten Herbst bis April oder spätestens Anfang Mai. Während des Winters dürft Ihr nicht gießen, denn die Feige hat keine Blätter. Sie kann das Wasser nicht verdunsten. Am Ende der Überwinterungszeit steht das Umtopfen und Schneiden der Feige an. 

Feigen ernten

Die Feigenernte ist natürlich ein Höhepunkt im Feigenjahr. Das Fruchtwachstum kann man fördern, indem man bei dem Feigenbaum für Wärme und Sonne sorgt. Wenn Ihr ihn im Garten einpflanzt, sollten Ihr einen warmen und geschützten Standort auswählen. Das fördert das Fruchtwachstum. Für eine Feige im Kübel gilt das Gleiche. Die Kübelfeige ist natürlich leichter an einen passenden Standort zu stellen als eine bereits ausgepflanzte Feige. 
 
Die Feigenfrüchte bilden sich aus den Fruchtknoten, die wie oben beschrieben am alten Holz im frühen Sommer und am jungen Holz der Pflanzen im späteren Sommer bilden. Die Früchte wachsen dann während der restlichen Sommer- und frühen Herbstmonate heran. Die Feigen Ernte muss pünktlich erfolgen, da überreife Feigen sehr schnell faulen. Als Grundvoraussetzung für die Ernte müsst Ihr natürlich einen Feigenbaum kaufen. Das könnt Ihr bei versierten Baumschulen und im Gartenfachhandel tun. 
 
Text: Jenny Nick, Dr. Dominik Große Holtforth
Fotos (sofern nicht anders angegeben): Jenny Nick

 

 

 

 

Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.