Citrus aurantium – Bitterorange und goldener Zitrus

Citrus aurantium, das ist eine zu Unrecht in Vergessenheit geratene Zitrusart, die besser unter den Namen Bitterorange oder Pomeranze bekannt ist. „Goldener Zitrus“ ist die Übersetzung des botanischen Namens, die Lust auf mehr macht. Wie ihr Bitterorangen pflanzen, pflegen und überwintern könnt, zeige ich in diesem Beitrag.

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Wissenswertes zu Citrus aurantium

Noch vor den Orangen waren es Pomeranzen, die gerade die Gunst der Wohlhabenden und Noblen Europas in Renaissance und Barock hatten. Schon im 10. Jahrhundert tauchten Sie in Italien als Importe aus China auf. In der Zitrusfamilie sind die „Eltern“ der Citrus aurantium die Pampelmuse und die Mandarine, was auch ihre mittlere Größe erklärt. Bitterorangen waren als Zierde von Parks und Schlossanlagen in vielen Königs- und Fürstenhäusern zu finden. Pomeranzen symbolisierten Kraft und Potenz. Hatte nicht schon Herkules als eine seiner 12 Heldentaten die „Goldenen Äpfel der Hesperiden“ gestohlen? Wer also diese goldenen Äpfel des Citrus aurantium besaß, konnte sich unmittelbar mit dem antiken Held Herkules vergleichen.

Citrus aurantium

Die gescheckte Citrus aurantium variegata

Der Wuchs von Citrus aurantium

So ist es kein Wunder, dass die Bitterorange dem Idealbild eines Zitrusbaums entspricht. Sie kann unter idealen Bedingungen mehrere Meter hoch werden und wächst dabei mit einer wunderschönen geschlossenen und kompakten Krone. Das Laub ist dunkelgrün und etwas breiter als bei der Schwesternart Citrus sinensis, also der Orange.  Während das Orangenlaub aber glatt und straff ist, ist das Laub von Citrus aurantium leicht gefaltet und gewölbt. Es wirkt daher runder und kompakter.

Citrus aurantium

Eine mehr als drei Meter hohe Bitterorange in Limone am Gardasee.

Im mittleren Frühjahr, je nach Witterung, erscheinen die ersten rein weißen Knospen. Sie wachsen in Büscheln an den Enden der Zweigen. Schon bald öffnen sich die wunderschönen Zitrusblüten, die ähnlich groß wie bei der Orange sind. Da auch die Bitterorange selbstbefruchtend ist, stellen sich nach der Blütezeit schon bald erste grüne Fruchtansätze ein, die die Grundlage für die nächste Bitterorangenernte sind. Hinterher wird die Schale ihre Glätte verlieren und leichte Dellen bilden. Diese geben den Früchten einen rustikalen-üppigen Eindruck.

Citrus aurantium Bitterorange

Wenn die Früchte reif sind, macht Citrus aurantium seinem Ruf als „goldener Citrus“ alle Ehre.

Sorten von Citrus aurantium

Da die Citrus aurantium zu den alten Zitrussorten gehört, gibt es diese Zitrusart in vielen wunderschönen Arten und Sorten. Vor allem die Schale wurde zu verschiedenen Formen gezüchtet wie etwa:

  • die „Landsknechthose“ mit gestreifter Schale
  • gefurchte Schalen bei der „Corrugato“
  • die gehörnte Bitterorange „Corniculata“
  • „Bouquet de Fleurs“ mit wunderschön gebogenen Blättern
  • „Variegata“ mit gelb-grün gescheckten Blättern.
Citrus aurantium

Das schöne Laub von Citrus aurantium bouquet des fleurs

 Ernte und Verwendung der Citrus aurantium

Während des Sommers wachsen aus runden und grünen Pomeranzenkugeln die fertigen Früchte heran. Sobald die Temperaturen im Spätherbst kühler werden, färben sich die Pomeranzen goldgelb. Citrus aurantium macht seinem Namen alle Ehre. Im Winter oder durchaus auch noch im darauffolgenden Frühjahr können die goldenen Früchte geerntet werden. Nomen est omen – die Bitterorange wird nur von wenigen direkt verzehrt. Allerdings bietet sie als „Sevilla Orange“ die Grundlage für die bei den Briten so beliebte Orangenmarmelade. Auch Orangeat wird aus der Schale hergestellt. Und natürlich ist die Frucht auch Gewürz für Speisen oder markante Zutat für Liköre und andere Alcoholica. Da gerade die Schale reich an ätherischen Ölen ist, wird sie ebenfalls für die Herstellung von Parfüms, Seifen und anderen Kosmetika verwendet.
Citrus aurantium Bitterorange

Typisch ist die faltige Schale, die voller Öldrüsen sind, die das intensive Aroma liefern.

 
Neben der Verwendung als Zutat und ätherisches Öl spielt die Bitterorange noch eine im wahrsten Sinne „tragende“ Rolle in der Zitruspflanzen-Produktion. Bei der Veredelung von Zitruspflanzen wird häufig die Bitterorange als Veredelungsunterlage oder Wurzelstock verwendet. Diese Verwendung hat sie ihrer robusten Konstitution zu verdanken, die sie vor allem im Winter widerstandsfähiger macht.

Citrus aurantium pflanzen – Standort und Winterhärte

Die in der Zitruskultur so wichtige Frage der Winterhärte muss leider auch bei der Citrus aurantium verneint werden. Dennoch ist sie robuster als andere Sorten und kann wenige Minusgrade aushalten. Die nördlichsten Bitterorangen habe ich ausgepflanzt am Gardasee in Oberitalien gesehen, wo sie in Gardone Riviera als herrliche Promenadenbäume mit ebenfalls dort wachsenden Bougainvilleen um die Wette strahlen.

Hierzulande kann die Citrus aurantium länger draußen bleiben und auch früher wieder aus dem Winterquartier heraus. Auch wenn sie sich über Sonne und Wärme „freut“, braucht die Bitterorange nicht unbedingt die wärmsten und sonnigsten Plätze auf Terrasse und Balkon. Sie ist damit die ideale Einsteiger-Zitruspflanze. Während etwa Kumquat oder Buddhas Hand direkt an einer schützenden Wand platziert werden sollten, kann die Bitterorange auch freier am Rand oder an den Ecken der Terrasse oder des Balkons stehen.

Citrus aurantium pflegen

Neben dem Standort gehört die richtige Versorgung mit Wasser und Nährstoffen, das Umtopfen und Schneiden zu den Pflegeaufgaben bei der Bitterorange.

Bitterorangen gießen

Wie bei anderen Zitruspflanzen auch, sollte die Bitterorange nur dann Wasser bekommen, wenn das Substrat weitgehend abgetrocknet ist. Dabei geht es nicht nur um die Oberfläche der Erde sondern auch um tiefere Schichten. Am Besten setzt Ihr einen Feuchtigkeitsmesser* ein, um zu schauen, ob die Pflanzen Wasser brauchen oder nicht.

Zeit zu gießen ist der Morgen. Entgegen einer traditionellen Auffassung kann man die Bitterorange auch mit Leitungswasser versorgen. Auch Regenwasser kann zum Einsatz kommen.

Dünger für C. aurantium

Als Dünger sollte ein Zitrusdünger wie Instant Zitrus verwendet werden. Dieser enthält alle notwendigen Spurenelemente und ist eher Stickstoff- als phosphatbetont. Die Düngung erfolgt, wenn auch gegossen wird, aber nur in der Hauptwachstumszeit von Mai bis August. Gedüngt werden sollte in diesem Zeitraum wöchentlich. Die Dosierung sollte stets sparsam und gemäß der Angaben der Hersteller erfolgen.

Wann und wie die Bitterorange umgetopft wird

Die Düngung ist auch der Grund, warum die Bitterorange alle zwei bis drei Jahre umgetopft werden muss. Wenn ihr regelmäßig düngt, kommt es unweigerlich zu einer Überkonzentration an Nährsalzen, die die Qualität der Erde beeinträchtigt. Daher sollte beim Umtopfen alte Erde entfernt werden, um neue aufzufüllen.

Der neue Topf sollte bei einer Bitterorange im Wachstum ca. 4 cm im Durchmesser größer sein. Unbedingt braucht er Abflusslöcher, die mit Tonscherben vor dem Verstopfen geschützt werden. Als Erde empfehle ich eine Mischung aus Pflanzerde, Kokosfasern und Quarzsand, damit ein durchlässiges aber gleichzeitiges strukturstabiles Substrat entsteht. Weiter ist ein Drainagematerial wie Kies oder Schotter erforderlich. Dieses sorgt für den Wasserabfluss. Das Drainagematerial mischt ihr mit der Erde und gebt es dann in das untere Drittel des Topfes. Danach nehmt ihr den Wurzelballen aus dem alten Topf und entfernt alte Erde. Folgend raut ihr die Feinwurzeln auf, damit sie anschließend besser anwurzeln. Dann wird der Ballen eingesetzt. Bei dieser Gelegenheit solltet ihr unbedingt darauf achten, dass die Pflanze gerade steht. Auch muss zwischen Ballenoberseite und Topfrand ein Freiraum bleiben, damit ihr gut gießen könnt.

Nach dem Einsetzen des Ballens füllt ihr die Freiräume mit Erde auf, die ihr ganz fest andrücken müsst. Zum Schluss stellt ihr die Bitterorange an ihren Platz, dann erst gießt ihr sie an.

Die Überwinterung bei Citrus aurantium

Die Überwinterung der Bitterorange erfolgt kühl und hell bei Temperaturen zwischen 3° und 10° C. Hell bedeutet bei dieser Temperaturspanne, dass eine Beleuchtung durch ein Fenster oder eine kalt-weiße künstliche Beleuchtung erfolgen muss. Als Luxwert solltet ihr einen Wert zwischen 1.500 und 2.000 Lux anstreben. Da die Pomeranze einige Minusgrade verträgt, kann sie spät, erst Mitte bis Ende November in die Überwinterung gebracht werden. Entsprechend früh könnt ihr sie auch wieder rausstellen. Je nach Temperatur kann die Überwinterung bereits im März oder Anfang April enden. Achtet darauf, dass eure Citrus aurantium nicht unvermittelt in die pralle Sonne kommt. Dann besteht die Gefahr von Sonnenbrand. Einzelne Bodenfröste sind im frühen Frühjahr kein Problem für die Bitterorange.

Citrus aurantium kaufen könnt ihr bei Lubera, deren Angebot ich euch empfehle.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

Fragen & Antworten zum Thema
„Citrus aurantium – Bitterorange und goldener Zitrus“

  1. Hallo Dominik,
    danke für all die guten Tipps, mit denen wir an unseren schönen Pflanzen noch mehr Freude haben, danke.

    Ich habe eine Zitrone, etwa 70 cm hoch, kleiner Stamm, 2 Zitronen in grün tragend, bei der ich gemäß Anweisung gegossen (ca. 0,25-0,5 L) habe (trockenes Substat). Dabei sind mir allerdings mehrere Knospenansätze vertrocknet (wurden nach der Blüte also erst grün = Freude, dann plötzlich schon gelb = Erstaunen, dann braun und vertrocknet = Trauer). Habe dann dass Giessen auf quasi 2-3 Mal in der Woche erhöht (0,4- 0,5L, immer sehr leicht gedüngt), seitdem immer wieder Blüten und Ansätze, aber ganz so recht klappts immer noch nicht, er gibt wieder einen „gelben Ansatz“. Allerdings hat er durchs Giessen einige neue Blätter getrieben und auch viele Blüten gebildet, also war Wassermangel wohl die Hauptursache.
    Giesse ich immer noch zu wenig? Wasser tritt nicht aus dem Topf unten aus.
    Vielen Dank, Michael

    • Hallo Michael,
      beim Gießen kommt es darauf an, dass Sie selten, dafür aber durchdringend gießen. Bei 0,25 – 0,5 liter ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Wurzeln im unteren Topfdrittel kein Wasser abbekommen. Das führt zu Vertrocknungen und Nährstoffproblemen.
      Weiter ist die Düngung wichtig, da die Pflanzen im Kübel nur eingeschränkt mit Nährstoffen versorgt sind. Ein Zitruspflanzendünger ist das Mittel der Wahl.
      Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne melden.
      Viele Grüße
      Dominik Große Holtforth

  2. Hallo Herr Holtforth. Mein Zitronenbaum steht noch im Freien an der Hausmauer. Hat jetzt aber zum Teil, hängende ziemlich helle Blätter bekommen. wohne auf ca. 900 meter. Soll ich sie schon reinholen. warum werden die Blätter gelb? soll man jetzt noch düngen? danke schon mal und lg

    • Hallo,
      wenn Zitronenbaum-Blätter im Herbst gelb werden, ist es häufig weniger die Kälte als vielmehr Nässe, die zur Gelbfärbung führt. Sie müssen also darauf achten, dass der Zitronenbaum keine Staunässe bekommt. Insofern ist der Standort draußen an der Mauer recht gut. Sie sollten ihn reinholen, bevor es anfängt zu frieren. Anfang November gehen die Temperaturen meist schon recht deutlich in den Keller.
      Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne melden.
      Viele Grüße
      D. Große Holtforth

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