Ein bienenfreundlicher Garten – Tipps für mehr Natur und Leben

Ein bienenfreundlicher Garten hilft nicht nur Bienen, sondern auch vielen anderen Insekten und Tieren. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie ihr auch einen mediterranen Garten bienenfreundlich gestalten könnt. Dazu gehört die Auswahl der richtigen Pflanzen, das Angebot von Lebensraum und der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz. Natürlich erkläre ich auch, warum ein bienenfreundlicher Garten so wichtig ist. 

Bienenfreundlicher Garten

Auch Wildbienen saugen Nektar aus Zitrusblüten, hier von einem Kumquat.

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Ein bienenfreundlicher Garten – das spricht dafür

Es gibt viele Gründe, etwas für die Bienen und Insekten im Garten zu tun. Leider schreitet die Zerstörung der natürlichen Umwelt durch den Menschen immer weiter voran. Aber gerade Gärten können ein Refugium sein, wo Natur erhalten bleibt und erlebt werden kann. Vor allem Bienen sind in den letzten Jahren immer mehr in Bedrängnis gekommen. Flächenversiegelung durch Straßen- und Hochbau, der Einsatz von Pflanzenschutz in der Landwirtschaft sowie immer künstlichere Monokulturen in Feldern und Gärten haben die Lebensgrundlage der Bienen zunehmend reduziert. Hinzu kommen Erkrankungen, die zu einem regelrechten Bienensterben geführt haben.

Bienenfreundlicher Garten

Mediterranes Flair und Nahrung für Bienen – die Mariendistel

Aber nicht nur Bienen haben unter dem Verlust einer naturbelassenen Umwelt zu leiden. Anfang 2016 alarmierte der NABU mit dramatischen Zahlen zum Rückgang der Insektenpopulation. Diese war z.B. in Nordrhein Westfalen um 80% zurück gegangen. Noch vor wenigen Jahren war es normal, dass im Sommer die Windschutzscheiben nach einer Autofahrt von Insekten gereinigt werden mussten. Im letzten Jahr war das nicht mehr der Fall. Mit den Insekten verschwinden aber auch die Vögel, denn Insekten sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette. Bei den letzten Vogelzählungen, die ebenfalls vom NABU durchgeführt wurden, gab es überdeutliche Hinweise auf einen Rückgang bei den heimischen Vogelarten.

Naturnaher Garten

Schutz und Rückzugsmöglichkeiten sind wichtige Voraussetzungen für Lebensräume für Vögel.

Es gibt also viele Gründe, einen bienenfreundlichen Garten zu gestalten. Für mich ist der wichtigste Grund aber, dass in einem ökologisch gesunden und reichhaltigen Garten das Leben pulsiert. Ich freue mich, wenn Schmetterlinge und Bienen Nahrung in meinem Garten finden. Was man dafür tun kann, zeige ich euch jetzt.

Ein bienenfreundlicher Garten – die Anlage des Gartens

Die Bienen- und Insektenfreundlichkeit eines Gartens beginnt mit der Anlage des Gartens. Dabei solltet ihr in eurem Garten möglichst viel Natur und möglichst wenig versiegelte und betonierte Flächen schaffen. Gerade flächendeckende Pflasterung, Kies- und Steinflächen bedeuten Todeszonen statt Lebensräumen. Beim Anblick von so manchen mit Gabionen umzäunten Gärten fühlt man sich, als sei eine neue Steinzeit ausgebrochen, in der man nur noch rufen möchte „Entsteint Euch!„. 

Bienenfreundlicher Garten

Ein Insektenhotel gibt nicht nur Bienen und Wildbienen ein Zuhause im Garten.

Rückzugsgebiete für Insekten schaffen

Ein bienenfreundlicher Garten hat vor allem Rückzugsgebiete für Bienen und andere Insekten. Das haben die Tiere vor allem dort, wo Teile des Gartens sich selbst überlassen werden. Unter oder hinter Gehölzen oder in einem nicht gemähten Rasenstück kann das sehr gut gelingen. Auch in kleinen Gärten ist Platz, um abgeschnittene Äste und anderes Totholz liegen zu lassen. Dieses bietet Unterschlupf und ist für viele Insekten Kinderstube. In meinem Garten habe ich eine Totholzhecke angelegt, ein dichtes Geflecht aus abgeschnittenen Ästen, das Vögel auch zum Nisten nutzen können.

bienenfreundlicher Garten

Eine Hummel besucht Aganpanthusblüten.

Gartenzimmer

Um im Garten Bereiche einzurichten, in denen Tiere Ruhe, Schutz und Nahrung finden, kann man den Garten auch in so genannte Gartenzimmer unterteilen. Bei mir ist das „Wohnzimmer im Garten“ die Terrasse. Hier platziere ich das Gros meiner Kübelpflanzen. Im mittleren Gartenzimmer habe ich Stauden- und Blumenbeete sowie Rosenstämmchen, die eine Rasenfläche umgeben. Das hintere Gartenzimmer gehört den Insekten und Vögeln. Hier gärtnere ich am wenigsten und lasse möglichst viel pflanzliches Material einfach liegen.

bienenfreundlicher Garten

Wer eigenen Honig ernten möchte, kann sogar einen ganzen Bienenstock im Garten platzieren.

Nahrung für Bienen und Insekten

Neben Rückzugsgebieten ist Nahrung der zweite wichtige Faktor, den Bienen benötigen, um als Bienenvolk gesund leben zu können. Mit weniger naturbelassenen Flächen schwinden aber die Nahrungsgrundlagen der Bienen. Aber auch im mediterranen Garten können wir Nahrung anbieten, die Bienen, Wildbienen und andere nektarsuchende Insekten unterstützen.

bienenfreundlicher garten

Das blütenreiche Wandelröschen verführt auch Schmetterlinge wie den Admiral.

Bienenfreundliche Gehölze und Kletterpflanzen

Die Verwendung heimischer und vielfältiger Gehölze hilft den Insekten. Todeszonen ohne Leben sind dagegen Monokulturen aus Kirschlorbeer, die man leider immer häufiger sieht. Bienenfreundliche Sträucher und Hecken sind zum Beispiel

  • Kornelkirsche,
  • Schlehe,
  • Weißdorn,
  • Pfaffenhütchen,
  • Beerensträucher wie Himbeere, Brombeere, Stachel- und Johannisbeere, und
  • Schmetterlingsflieder.

Neben diesen Sträuchern, die Bienen und Vögel lieben, helfen auch Kletterpflanzen. Dieses gilt vor allem dann, wenn sie schön in der Sonne wachsen. Mediterranes Flair und Nahrung für Bienen könnt ihr wunderbar mit

  • wildem Wein
  • Efeu
  • ungefüllten Kletterrosen
  • Klettertrompeten

erreichen.

Bienenfreundliche Stauden und Blumen

Natürlich sind Blütenpflanzen die Favoriten, wenn es um die Ernährung der Bienen geht. Wichtig ist dabei aber, dass die Blüten ungefüllt sind. Gefüllte Blüten sind zwar hübsch, enthalten aber wenig Nektar. Eine Liste mit einigen bienenfreundliche Pflanzen beginnt mit einem mediterranen Klassiker:

  • Lavendel
  • Wilde Malve
  • Schafgarbe
  • Sonnenhut (Echinacea und Rudbeckia)
  • Lupine
  • Akelei
  • Astern
  • Allium
  • Edeldistel
  • ungefüllte Dahlien

Kübelpflanzen, die auch Bienen gefallen

Wenn Bienen sich an blühenden Kübelpflanzen tummeln, ist das besonders schön. Ich genieße es, wenn auf der Terrasse oder am Sitzplatz nicht nur tolle Blüten sondern auch das pralle Gartenleben stattfindet. Kübelpflanzen, die nicht nur uns Menschen, sondern auch Insekten begeistern, sind

  • Wandelröschen
  • Agapanthus
  • Zylinderputzer
  • Zitrusblüten
  • Tibouchina
  • Fuchsien uva.

Sicher gibt es noch viele weitere tolle bienenfreundliche Pflanzen. Wichtig ist, dass ihr in eurem Garten eine gewisse Vielfalt an Pflanzen unterbringt, damit sich auch eine Vielfalt an Insekten einstellt.

Bienenfreundliche Pflanzen kaufen könnt ihr bei gut sortierten Gartencentern und Baumschulen.

Unterkunft für Bienen und Insekten

Neben natürlichen Rückzugsgebieten können auch Bienen- und Insektenhotels helfen, dass sich viele Insekten ansiedeln. Ein bienenfreundlicher Garten sollte an besonders sonnigen Stellen ein Bienen- und Insektenhotel platzieren. Solche Hotels kann man kaufen oder selbst mit einfachen Mitteln bauen. Wichtig ist, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der einzelnen Arten berücksichtigt werden. Informieren kann man sich auf den Seiten des Nabu, der praktische Bauanleitungen veröffentlicht.

Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz

Ein bienenfreundlicher Garten sollte frei von chemischem, hochgiftigem Pflanzenschutz bleiben. Gerade diese Pflanzenschutzprodukte machen den Bienenvölkern zu schaffen. Ohnehin ist ihr Einsatz im Privatgarten seit 2001 nur unter sehr engen Bedingungen möglich. Nötig ist er aber nach meiner Erfahrung nicht, schon garnicht zur Vorbeugung ohne tatsächlich nachweisbarem Befall. Ihr müsst beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bedenken, dass ihr euch und eure Familie den Giften aussetzt.

Die beste Vorbeugung gegen Schädlingsbefall ist ein naturnaher Garten, in dem ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen besteht. Wenn mal eine einzelne Schildlaus oder ein anderer Schädling auftritt, bedeutet diese noch nicht das Todesurteil für wertvolle Zitrus- oder mediterrane Pflanzen. In der Regel lassen sich einzelne Schädlinge mechanisch entfernen. Weiter gibt es ungiftige Hausmittel wie etwa die berühmte Seifenlauge oder Neemöl*, mit denen man den Schädlingen den Garaus machen kann. Wenn es dann doch einmal zu einem starken Befall gekommen ist, sollten biologische und vor allem bienenfreundliche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist.