Die schönsten Agaven Arten – von Americana bis Victoriae reginae

Agave ist nicht gleich Agave – zahlreiche Agaven Arten dieser stacheligen Sukkulenten begeistern nicht nur Sukkulentenfans. Bei der Auswahl aus den zahlreichen Arten stellt sich auch regelmäßig die Frage, welche Agaven winterhart sind. Daher findet ihr in diesem Beitrag nicht nur einen umfassenden Überblick über einige der schönsten Arten, sondern auch Tipps, welche Agaven den Winter gut verkraften. Und natürlich berichte ich auch über die Pflege der Agaven. 

Agaven Arten

Agaven gehören in jeden Wüstengarten – wie hier im Wüstenhaus des Botanischen Gartens Wien Schönbrunn.

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Was ihr über die Agave wissen solltet

Die Agave ist eine sehr typische Pflanze der „Neuen Welt“. Dort, also in Nord- und Mittelamerika, hat sie sich an besonders trockene und überwiegend frostfrei Standorte angepasst. Typisch sind ihre dicken, rosettenartig angeordneten Blätter, an deren Ende bei vielen Agaven Arten ernst zu nehmender Dorn ist. Das A und O bei der Agaven Pflege ist daher der Schutz vor diesem Dorn. Agavenprofis setzen entweder Korken oder Tennisbälle auf die Dornen, wenn sie ihre Agave überwintern und ins Winterquartier bringen. 

Agaven Arten

Eine blühende Agave americana auf Korsika

Die Agave – Königin der Sukkulenten

Ob die Agave tatsächlich die „Königin der Sukkulenten“ ist -wie von mir einfach mal behauptet- sei dahingestellt. Aber auf jeden Fall gehört sie zu den größten sukkulenten Pflanzen und wetteifert mit der Aloe um die Gunst der Sukkulentenfans. Diese zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, Wasser zu speichern. Damit können Sukkulenten auch an trockenen Wüstenstandorten sehr lange Zeit ohne Wasser auskommen. Für die Pflege der Agave resultiert aus dieser Eigenschaft die Herausforderung, die Agave vor Feuchtigkeit und Nässe zu schützen. 

Agaven Arten

Gerade der Kontrast zwischen den schlichten Agaven und blühenden Pflanzen wie der Bougainvillea verbreiten mediterranes Flair.

Die Agavenblüte

Wer auf eine Agavenblüte warten will, muss sich in Geduld üben. Gerade hierzulande dauert es sehr lange, bis die Agave blüht. Dafür ist der Blütenstand dann umso spektakulärer, denn er erreicht schwindelerregende Höhen von mehreren Meter. Vom Blütenstand ausgehend bilden sich tellerförmige Blütentrauben von hunderten, meist gelben Einzelblüten. Auf Samenbildung muss man hierzulande allerdings vergeblich warten. Die Agave bildet die hohen Blütenstände auch deshalb, da sie größere Bestäuber wie Vögel und Fledermäuse anlockt. Diese Bestäuber der Agave kommen bei uns in der Regel aber nicht vor. 

Agaven Arten Agavenblüte

Eine Agavenblüte leuchtet neben einer Zypresse.

Agavenkindel und die vegetative Vermehrung

Erschwerend und fast tragisch kommt hinzu, dass die Agavenrosette nach der Blüte abstirbt. Aber keine Angst: Die Natur ist auch bei der Agave so klug, dass sie auf mehreren Wegen für Nachwuchs versorgt. Sie bildet nämlich nicht nur Samen, sofern Bestäuber für die generative Fortpflanzung zur Verfügung stehen. Vielmehr werden auch Ableger, sogenannte Kindel oder Agavenkindel gebildet, die den Fortbestand der Pflanze sicherstellen. Von einem meiner Leser habe ich Fotos von einer Agave auf Lanzarote erhalten, bei denen die Kindel nicht nur unten neben der Mutterrosette wachsen, sondern auch oben am Blütenstand. Der Grund scheint mir eindeutig: Fällt der Blütenstand nach der Blüte um, können die Kindel einige Meter von der Mutterpflanze entfernt, weiterwachsen. Da sage einer, Pflanzen seien nicht mobil!

Agaven Arten

Agavenkindel, die am Blütenstand wachsen (Foto: Christian von Esebeck)

Agaven Arten – meine Übersicht

Agaven haben also für Vermehrung und damit für Artenvielfalt gesorgt. Kein Wunder also, dass heute -folgt man Martin Haberer und Hans Graf- 221 Agaven Arten bekannt sind. Als Pflanzenjäger mit Kamera habe ich bereits einige fotografiert, so dass ich euch die bekanntesten Arten vorstellen kann. Die Übersicht wird bei Neuzugängen -analog zu den Aloen Arten- sukzessive erweitert. 

Agaven Arten

Eine der schönsten Agaven Arten überhaupt – die Agave nigra

Agave americana

Die amerikanische oder hundertjährige Agave ist eine der bekanntesten und größten Agaven. Ihr Blütenstand schafft es auf bis zu 8 Meter, ihre Rosetten werden bis zu 1,50 Meter lang. Die nicht frostfreie Agave hat blaugrüne Blätter, es gibt aber auch eine gelb-grün panaschierte Sorte namen ‚Marginata Aurea‘. 

Agaven Arten

Eine in Portugal wild wachsende Agave americana ‚Marginata Aurea‘

Agave attrovirens

Auch die Agave attrovirens, die wie viele Agaven aus Mexiko stammt, beeindruckt mit ihrer Größe. Auch ihre Rosetten werden mehrere Meter lang und bilden einen Durchmesser von bis zu 5 Metern. Wer diese Agave überwintern möchte, braucht nicht nur viel Platz sondern auch viele Helfer (oder einen Gabelstapler). 

Agave atrovirens

Die mächtige Agave atrovirens (gesehen im Hortus botanicus Amsterdam)

Agave attenuata

Für mich ist die Agave attenuata eine der schönsten Agaven überhaupt. Sie ist nicht ganz so gross und nicht ganz so wehrhaft wie andere Agaven und daher auch für kleinere Terrassen oder Wintergärten geeignet. 

Agaven Arten

Die wunderschöne Agave attenuata wächst überall.

Einen ihrer deutschen Trivialnamen Drachenbaumage hat sie dem Umstand zu verdanken, dass sie zu den wenigen Agaven Arten gehört, die stammbildend sind. Ein weiterer, noch häufigerer Name bezieht sich auf den merkwürdig gekrümmten Blütenstand, daher heisst die A. attenuata auch Schwanenhalsagave. 

Agaven Arten Agave attenuata

Der gebogene Schwanenhals-Blütenstand bei der Agave attenuata

Die bedingt winterharte Agave bracteosa

Die im englischen auch als „Spider Agave“ bezeichnetet A. bracteosa kommt in ihrer mexikanischen Heimat in Höhen bis zu 1.700 Meter vor. Das beschert ihr einige Winterhärte, die bis -7° C reichen kann. Da sie aber eben auch eine Agave ist, muss sie gerade im Winter nicht nur vor Kälte sondern auch vor Trockenheit geschützt werden. Das dürfte im Kübel mit einer Überdachung am Besten gelingen. 

Agaven Arten Agave bracteosa

Die eher unscheinbare Agave bracteosa

Agave celsii

Die ebenfalls aus Mexiko stammende Agave celsii gehört zu den mittelgroßen Agaven. Sie braucht im Sommer etwas mehr Wasser. Leichte Frosttemperaturen hält sie aus, es reicht aber nicht für ein Auspflanzen, gegen das auch die Feuchtigkeit im Winter spricht. 

Agaven Arten Agave celsii

Nicht nur die Rosette, auch der Blütenstand der Agave celsii ist deutlich kleiner als etwa bei A. americana.

Agave ehrenbergii

Die seltene Agave ehrenbergii gehört ebenfalls zu den kleineren Agaven. Auffällig ist ihr eher hellgrünes, deutliches gebogenes Blatt. 

Agaven Arten

Agave ehrenbergii – gesehen im Botanischen Garten Berlin

Der Blütenstand der A. ehrenbergii ist auch eher kurz und bildet die Einzelblüten mit langen Staubfäden direkt am Stamm. 

Agaven Arten

Der Blütenstand der Agave ehrenbergii

Agave filifera

Die Agave filifera ist eine kompakt wachsende Agaven Art. Sie hat kräftig grüne, mattglänzende schmale Blätter, die weniger stark bedornt sind als etwa A. americana. Auf der Blattoberseite bilden sich helle Linie, an den Blatträndern bilden sich kurze Fäden, die der A. filifera, also der fadenbildenden Agave ihren Namen geben. 

Agave Arten

Die Agave filifera

Die bedingt winterharte Agave filamentosa

Ebenfalls fadenbildend und zusätzlich bedingt winterhart ist die Agave filamentosa. Ihre Winterhärte reicht allerdings nur bis ca. -5° C. Aber immerhin kann man sie im Herbst und Frühwinter unter einer Überdachung länger draußen lassen. 

Agaven Arten

Agave filamentosa

Agave fourcroydes

Die ungewöhnlich große Agave fourcroydes hat lange und aufrechte Blätter, die bis zu 180 cm lang werden. Wenn die unteren Blätter wie hier im Bild abgeschnitten werden, sieht man den Stammansatz, der aber klein bleibt. Winterhart ist die A. fourcroydes nicht. Interessant ist noch, dass die Blätter besonders lange und dicke Fasern enthalten, die für die Herstellung von Seilen verwendet werden kann. 

Agaven Arten

Die Großagave Agave fourcroydes – gesehen im Botanischen Garten Potsdam

Agave funkiana

Eine besonders schöne Agave mit einer gleichmäßig wachsenden Rosette ist die Agave funkiana. Auf meinem Foto nur bei genauerem Hinsehen erkennbar sind die weißen Zähne, die einen schönen Kontrast zu der blaugrünen Blattfarbe bilden. Die Rosette kann einen Durchmesser bis zu 1,8o Meter erreichen. Für eine Agave ist das klein, allerdings für so manche Terrasse schon recht groß. 

Agaven Arten

Die blaugrüne Agave funkiana

Agave geminiflora

Besonders dichte, schmale und mit Fäden besetzte Blätter machen die Agave geminiflora besonders schön. 

Agaven Arten

Die Zwillingsblütige Agave Agave geminiflora

Der botanische Name deutet auf vorkommende Verzweigungen des Blütenstands hin, die ich allerdings leider noch nicht fotografieren konnte. 

Agaven Arten Agave geminiflora

Der Blütenstand der Agave geminiflora

Agave kerchoveii

Das Markenzeichen der Agave kerchoveii sind die durchgehend weiß geränderten und gezahnten Blattränder. Die Blätter,  der natürlich auch aus Mexiko stammenden Agave werden bis zu 125 cm lang. 

Agaven Arten

Die Agave kerchoveii

Agave macroacantha

Wer eine schöne kompakte Agaven Art sucht, ist mit der Agave macroacantha sicher sehr zufrieden (sofern man ein käufliches Exemplar finden kann). Die Blätter werden für eine Agave nur bescheiden wirkende 35 cm lang, sind dafür aber kontrastreich und kräftig bedornt und bezahnt. Bei dieser Agavenart sollten also Handschuhe griffbereit sein, wenn es an die Überwinterung geht. 

Agaven Arten Agave macroacantha

Eine wunderschön kompakte Agaven Art ist die Agave macroacantha

Agave nigra

Die Gleichmäßigkeit der Rosette und die ins Dunkle changierende Blattfarbe der Agave nigra, der „Schwarzen Agave“ machen sie zu einer der schönsten Agaven Arten. Da sie eine Hybride unter der Beteiligung der Agave victoria regina ist, die am Ende der Liste den Höhepunkt meiner Agavenschau bildet, sollte die besondere Schönheit dieser Agave nicht überraschen. Sie bildet bis zu 100 cm lange und recht breite Blätter. 

Agaven Arten

Die wunderschöne Agave nigra

Die bedingt winterharte Agave parryi

Wer hierzulande eine Agave auspflanzen will, kann auf die Agave parryi zurückgreifen. Sie ist laut Haberer und Graf bis zu -20° C winterhart, braucht aber eine Überdachung. Wie in meine Beitrag zur „Neckar-Agave“ beschrieben, kann es hierzulande sogar gelingen, dass die Agave parryi blüht. Ihr Beiname ist übrigens Mescal-Agave. Der Durchmesser der aus breiten Blättern bestehenden Rosette beschränkt sich auf 75 cm. 

Agaven Arten

Die kompakte und winterharte Agave parryi

Agave potatorum

Eine der kleinsten Agaven ist die Agave potatorum, die einen Durchmesser von lediglich 40 cm erreicht. Noch kleiner ist die Variation Verschaffeltii, bei der der Durchmesser nur 20 cm ist. Eine Mini-Agave, die man auch gut in der Wohnung halten kann. 

Agaven Arten

Die Agave potatorum mit ihren kräftig breiten Blättern

Agave salminana var. ferox

Von ganz klein zu ganz groß – die Agave salmiana var. ferox gehört wieder zu den größten Agavenarten. Eine schöne Agavengeschichte zur A. salmiana findet ihr auf der Seite des Botanischen Gartens Mainz

Agave salmiana var. ferox Agaven Arten

Die „Stark bewehrte Agave salmiana“, gesehen in den Gruson Gewächshäuser Magdeburg

Agave shawii

Die mittelgroße Agave shawii kommt nicht nur in Mexiko, sondern auch in Nordwesten der USA bis nach Kalifornien vor. Die Blätter werden bis 50 cm lang. Die A. shawii bildet einen kurzen Stamm und ist nicht winterhart. 

Agaven Arten

Die kompakt wachsende Agave shawii

Agave sisalana

Die Agave sisalana, die Sisal-Agave, gehört zu den Nutzpflanzen unter den Agaven. Die Rosetten werden 100 cm lang, so dass die Sisal-Agave zu den größeren Exemplaren unter den Agaven Arten. Sisal wird als Faser zur Herstellung von Tauen, Seilen oder Teppichen verwendet. 

Agaven Arten Agave sisalana

Die stattliche Sisalagave

Agave tecquilana

Freunde hochprozentiger Getränke aus Mexiko werden sich sicher für die Tequila-Agave Agave tequilana interessieren. Die Zutaten werden aus dem Inneren der Agave gewonnen, wie dieser schöne Bericht zeigt. 

Agaven Arten

Agave tequilana – die Tequila-Agave

Agave titanota

Ein helleres Grün der Blätter und weiße Zähne und Blattränder sind das Markenzeichen der hübschen Agaven titanota. Die Blätter wachsen relativ dicht, so dass die Rosette besonders kompakt aussieht. Die Blätter sind ca. 55 cm lang. 

Agaven Arten Agave titanota

Agave titanota, die „Kalkweiße Agave“

Agave univitata

Besonders dünne und aufrechte Blätter hat die kleine Agave univitata. Die Blätter erreichen eine Länge von ca. 50 cm. 

Agaven Arten

Die Agave univittata, die einstreifige Agave

Agave victoriae regina

Die Krone der Agaven Arten bildet -zumindest was die Schönheit der Blätter und Rosetten angeht- die Agave victoriae reginae. Die nach Queen Victoria von England benannte Pflanze ist durchgehend weiss gezeichnet. Die weisse Zeichnung unterstreicht die geometrische Struktur der Rosette. 

Agaven Arten Agave victoriae reginae

Die Agave victoriae reginae

Spektakulär ist der Blütenstand, der wie gedreht wirkt.

Agaven Arten Agave victoriae reginae

Ein sprießender Blütenstand bei der Agave victoriae reginae (Foto: Elke Bredendiek)

Mit aller Kraft treibt die Agave einen mächtigen Blütenstand nach oben. Kein Wunder, dass diese Pflanze die Blüte nicht überlebt. Sie bildet aber rechtzeitig Kindel, so dass sie sich vermehren kann.

Agaven Arten

Der wachsende Blütenstand der Agave victoriae reginae (Foto: Elke Bredendiek)

Die Pflege der Agaven Arten

Die Pflege der Agaven Arten ist vergleichsweise einfach: volle Sonne, hohe Temperaturen und wenig Feuchtigkeit.Zwar kann und sollte man die Agave im Sommer einmal in der Woche gießen. Aber sobald das Wetter kühler und feuchter wird, ist ein Schutz der Agave vor Feuchtigkeit sinnvoll. Hierbei hilft ein Feuchtigkeitsmesser*, der anzeigt, wann das Substrat eurer Agave vollkommen trocken ist. Erst dann könnt ihr wieder behutsam gießen. Die Überwinterung beginnt bei den meisten Arten im Oktober und endet im April oder Mai. Im Winterquartier sollte regelmäßig nach Wolläusen geschaut werden. Das Substrat, am Besten Sukkulentenerde*,  ist sandig, körnig und durchlässig. 

Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth

Literatur: Martin Haberer & Hans Graf: 500 winterharte Sukkulenten und Kakteen von A bis Z, Stuttgart 2010

 

 

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Über den Autor:
post@mein-mediterraner-garten.de

Dr. Dominik Große Holtforth ist Experte für mediterrane Pflanzen und Gärten. Wenn ihr eine persönliche Beratung zur Pflege oder zum Schneiden wünscht, könnt ihr hier eure Frage stellen, der gerne und kurzfristig weiterhilft. Auch in seinem wöchentlichen Newsletter berichtet Dr. Große Holtforth über die mediterrane Pflanzenpflege. Hier geht es zur Anmeldung, die natürlich kostenlos und unverbindlich ist. 

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